Wasserturm in Altes Lager (4/2022)

Foto: Clemensfranz/CC BY-SA 3.0
Foto: Clemensfranz/CC BY-SA 3.0

Zwischen 1915 und 1918 entstand im Ortsteil Altes Lager bei Jüterbog ein Bauwerk, das bis heute als markantes Wahrzeichen die Landschaft prägt: der Wasserturm an der B102. Nach Entwürfen des späteren Luckenwalder Stadtbaurats Josef Bischof errichtet, verkörpert der rund 35 Meter hohe Turm sowohl technischen Fortschritt als auch architektonische Raffinesse.

Der Wasserturm wurde in damals innovativer Stahlbetonbauweise errichtet. Neun massive Stützen tragen die gesamte Konstruktion, wobei die Schaftgliederung durch Pilaster nicht nur statische, sondern auch gestalterische Funktionen erfüllt. Die oberen Rundbogenöffnungen mit eingepassten Stahlfenstern verbinden die Wandpfeiler zu einem rhythmischen Baukörperabschluss.

Der Turmschaft verjüngt sich nach oben leicht und ist durch schmale Fensterachsen über drei Etagen gegliedert. Den oberen Abschluss bildet ein Beton-Ringpultdach. Der darüberliegende, zylindrische Aufbau weist flache, halbkreisförmige Fenster auf und wird von einem Metallkegeldach bekrönt. Der ehemalige Wasserbehälter, gefertigt aus genieteten Stahlplatten, befand sich im oberen Bereich des Turmes.

Im Inneren war der Turm ursprünglich mit Verstrebungen zur statischen Stabilität und einer filigranen Betontreppe mit Metallgeländer ausgestattet. Die Treppe ruhte auf Stahlträgern und war Ausdruck der ingenieurtechnischen Präzision jener Zeit.

Als technisches Bauwerk konzipiert, diente der Turm bis 1996 seiner ursprünglichen Funktion als Wasserspeicher. Doch sein auffälliges Erscheinungsbild und die gelungene Verbindung aus Funktionalität und Ästhetik verliehen ihm schon früh eine besondere städtebauliche Bedeutung. Der Turm stellt eines der letzten überlieferten Werke Josef Bischofs in der Region dar und zeugt von der Architektur des frühen 20. Jahrhunderts.

Im Jahr 2001 wurde der Turm einer neuen Nutzung zugeführt: In einem sensiblen Umbau entstand ein Wohn- und Bürogebäude. Der Wasserbehälter wurde entfernt, ebenso die historische Treppe, die einem Aufzug wich. Drei Jahre später wurde das Bauwerk in die Denkmalliste des Landes Brandenburg aufgenommen – ein bedeutender Schritt für seinen dauerhaften Erhalt.

Heute steht der Wasserturm Altes Lager sinnbildlich für den gelungenen Umgang mit technischer Baukunst vergangener Zeiten. Er vereint Geschichte, Architektur und neue Nutzung auf beeindruckende Weise – und erinnert daran, dass auch funktionale Bauwerke zu wichtigen kulturellen Zeitzeugen werden können.

Denkmal des Quartals

Dieses Objekt wurde vom Onlinemagazin rottenplaces.de als „Denkmal des Quartals“ ausgewählt und online sowie im rottenplaces Magazin explizit vorgestellt. Sie möchten dieses Denkmal und die Arbeit der vielen Stiftungen, Organisationen, Vereine, Ehrenamtler usw. unterstützen? Dann finden Sie weitere Informationen zu diesem „Denkmal des Quartals“ über den jeweiligen Link im Artikel.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert