Villa Zundel Tübingen (3/2022)

Foto: Bamberg Architektur
Foto: Bamberg Architektur

Die traditionsreiche Villa Zundel in Tübingen ist nach umfassender, denkmalgerechter Sanierung zu neuem Leben erwacht. Einst als repräsentativer Sitz eines wissenschaftlichen Instituts genutzt, wird das Gebäudeensemble nun wieder seinem ursprünglichen Zweck als Wohn- und Arbeitsort zugeführt – ganz im Sinne seiner Erbauer. Für dieses vorbildliche Engagement im Erhalt historischer Bausubstanz hat die Denkmalstiftung Baden-Württemberg die Villa zum Denkmal des Monats August und September ernannt.

Errichtet wurde die Villa im Jahr 1921 unter dem Namen „Berghof“ für den Maler Georg Friedrich Zundel und seine Frau Paula, Tochter des Industriellen Robert Bosch. Hoch über dem heutigen Tübinger Stadtteil Lustnau planten sie ein Leben als Selbstversorger, im Einklang mit der Natur – ein Leitgedanke der damaligen Reformbewegung. Die Lage am Hang und die parkähnliche Umgebung spiegeln diese Ideale bis heute wider.

Der heutige Eigentümer, ein Enkel des Bauherrn, ließ das denkmalgeschützte Anwesen mit viel Gespür für die Geschichte sanieren. Die früheren Umbauten aus der Institutnutzung wurden weitgehend zurückgebaut. Originale Ausstattungselemente wie Kassettendecken mit Malereien, barock inspirierte Deckenspiegel, originale Fenster, Türen, Heizkörperverkleidungen sowie Parkett- und Holzvertäfelungen wurden restauriert und integriert.

Das zweigeschossige Wohnhaus ist wieder vollständig bewohnt. Das ehemalige Atelier, durch einen überdachten Gang verbunden, beherbergt heute Büro- und Wohnräume. Beide Gebäude stehen rechtwinklig zueinander und beeindrucken mit Fassaden aus Tuffstein über Sockeln aus grobem Sandstein – ein typisches Merkmal der Architektur der 1920er-Jahre.

Stilistisch lassen sich zahlreiche Anklänge an den Jugendstil entdecken: elegante Linienführung, dekorative Elemente und figürlicher Schmuck, der sich bis in die Parkanlage zieht. Die Ökonomiegebäude am Rande des Grundstücks zeugen vom ursprünglichen Selbstversorgerkonzept der Bauherren.

Die behutsame Wiederherstellung der Villa Zundel wurde von der Denkmalstiftung Baden-Württemberg unterstützt – mit Fördermitteln aus der Lotterie GlücksSpirale. Das Projekt zeigt eindrucksvoll, wie denkmalgeschützte Bauten mit Respekt vor der Geschichte und gleichzeitig zeitgemäßer Nutzung erhalten bleiben können. So wird die Villa Zundel nicht nur zum Denkmal des Monats, sondern zu einem Leuchtturm für nachhaltige Denkmalpflege in Baden-Württemberg.

Denkmal des Quartals

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