Schwerin. Zwischen Büschen, bröckelndem Beton und stillgelegten Gleisen liegt der ehemalige Güterbahnhof Schwerin im Dornröschenschlaf. Doch hinter den Kulissen arbeitet die Stadt intensiv an einer neuen Zukunft für das brachliegende Areal: Ein urbanes Quartier mit Wohnen, Arbeiten und Freizeit soll entstehen – grün, nachhaltig und kulturell wertvoll.
Zähe Verwaltungsprozesse blockieren Pläne
„Das Ziel ist klar: ein neues Stadtviertel im Herzen Schwerins“, sagt Stadtplaner Andreas Thiele. Doch obwohl die Stadt bereits 2023 ihr Vorkaufsrecht nutzte, liegt der Besitz nicht allein in kommunaler Hand. Hintergrund ist das Eisenbahnrecht: Auch nach dem Verkauf bleibt das Areal formal Bahnbetriebsfläche – und kann erst durch das Eisenbahnbundesamt entwidmet werden. Ein Antrag auf Entwidmung liegt vor, doch eine schnelle Entscheidung erwartet niemand. Ein Szenario wie beim Großprojekt Stuttgart 21 sei möglich, sagt Thiele.
Langfristige Entwicklung – mit vielen Unbekannten
Das Areal umfasst rund 34 Hektar und zieht sich vom alten Kraftfahrzeuginstandsetzungswerk (KIW) „Vorwärts“ am Mittelweg bis zum Güterbahnhof. Etwa 55 Prozent der Flächen gehören bereits der Stadt. Viele der Gebäude stammen aus der Nachkriegszeit bis zur Wende. Knapp 40 Prozent stehen leer, einige werden als Lager oder Parkplätze genutzt. Nur etwa 100 Menschen leben hier noch.
Ins Zentrum der Stadtplanung rückt ein schmaler Streifen entlang der Bahnschienen – dort, wo einst Güterwaggons rangierten. Dass der Schweriner Bahnhof nochmals für den Güterverkehr reaktiviert wird, hält man im Rathaus für ausgeschlossen. Dennoch prüft die Bahnverwaltung weiterhin, ob nicht doch noch eisenbahnbetrieblicher Bedarf besteht.
Kosten und Hürden
Ein Entwicklungskonzept liegt vor: Die Berliner „Stern-Gesellschaft der behutsamen Stadterneuerung“ kalkuliert mit rund 64 Millionen Euro. Fördergelder sind unerlässlich. Hinzu kommen umfangreiche Voruntersuchungen – etwa zur Altlastenbeseitigung, Kampfmittelräumung und Bodensanierung.
Architektonisches Signal mit Symbolkraft
Hoffnungsträger der Stadt ist der Baustart für das Schaudepot des Industriemuseums auf dem KIW-Gelände. Star-Architekt Max Dudler will im Herbst beginnen. Stadtplaner sehen darin eine Initialzündung: Gelingt der Start, könnten weitere Investoren für die historischen Hallen zwischen Mittelweg und Güterbahnhof gewonnen werden.
Ein städtebaulicher Wettbewerb soll schließlich konkrete Visionen liefern. Vorgesehen ist eine „nachhaltige Nutzungsmischung“ mit Rücksicht auf Ökologie, Kultur und die Geschichte des Eisenbahnknotens Schwerin.
