Blankenburg. Ein leer stehendes Postamt wird zur Bühne für Literatur und Musik. In Blankenburg im Harz soll das historische kaiserliche Postamt aus dem Jahr 1905 vorübergehend neues Leben erhalten. Ein Lesefestival mit anschließendem Livekonzert ist für den 7. November 2026 geplant. Damit bekommt ein lange ungenutztes Gebäude eine neue Perspektive – zumindest für einen Tag. Das kaiserliche Postamt gehört zu den markanten historischen Gebäuden in Blankenburg.
Als die Post vor mehr als 20 Jahren auszog, verlor das Haus seine ursprüngliche Funktion. Seitdem blieb das Gebäude weitgehend ungenutzt. Die großzügigen Räume mit dem Foyer, den hohen Fenstern und der ehemaligen Schalterhalle erinnern noch immer an die Zeit, als hier der Postverkehr abgewickelt wurde.
Ganz vergessen war das Gebäude allerdings nie. Filmteams nutzten die markante Innenarchitektur als Kulisse. So diente die ehemalige Schalterhalle unter anderem als Drehort für die ARD-Krimiserie „Alles Klara“ und für Szenen aus „Die Schule der magischen Tiere“. Aus dem verlassenen Postamt wurde damit zeitweise eine Filmkulisse – eine dauerhafte Nutzung blieb jedoch aus.
Lesefestival soll Menschen zusammenbringen
Nun will der Verein Kulturmotor Harz den historischen Ort für eine Kulturveranstaltung öffnen. Geplant ist ein Lesefestival, bei dem Autorinnen und Autoren ihre Texte präsentieren und unmittelbar Rückmeldungen aus dem Publikum erhalten können. Im Anschluss soll Live-Musik den Abend ergänzen. Hinter der Idee steht auch der Wunsch, einen neuen Begegnungsort für Blankenburg zu schaffen. Literatur, Gespräche und Musik sollen Menschen zusammenbringen und den Austausch fördern. Gerade ein Gebäude, das lange leer stand, könnte dafür eine besondere Atmosphäre bieten. Die Spuren seiner früheren Nutzung werden dabei nicht zum Hindernis, sondern zum Teil des Erlebnisses.
Vor der Kultur kommt die Instandsetzung
Bis zur Veranstaltung muss allerdings noch einiges vorbereitet werden. Die vorhandene Elektroinstallation scheint nutzbar zu sein, an der Wasserversorgung im Erdgeschoss sind dagegen Reparaturen erforderlich. Auch ein möglichst barrierearmer Zugang steht auf der Aufgabenliste. Eine frühere Rampe für Paketwagen könnte dabei helfen, den Zugang zu erleichtern. Die Vorbereitungen zeigen, wie anspruchsvoll es ist, einen lange leer stehenden Bau kurzfristig wieder öffentlich zu nutzen. Selbst wenn keine umfassende Sanierung vorgesehen ist, müssen grundlegende Fragen zu Sicherheit, Infrastruktur und Zugänglichkeit geklärt werden. Ob aus der Veranstaltung eine längerfristige Nutzung entstehen kann, ist derzeit offen.
Ein Tag Kultur ist noch keine dauerhafte Rettung
Das geplante Festival ist ein positives Signal für das historische Gebäude. Statt den Leerstand einfach hinzunehmen, versuchen Kulturschaffende, die Räume mit Leben zu füllen. Doch eine eintägige Veranstaltung löst nicht automatisch die grundsätzlichen Probleme des Hauses. Für eine dauerhafte Perspektive wären ein tragfähiges Nutzungskonzept und weitere Investitionen notwendig.
Das Beispiel Blankenburg zeigt dennoch, welches Potenzial in vergessenen Gebäuden steckt. Historische Bauten müssen nicht zwangsläufig zu dauerhaft verschlossenen Lost Places werden. Manchmal genügt ein erster Schritt, um ihre Bedeutung wieder ins öffentliche Bewusstsein zu rücken. Ob das kaiserliche Postamt künftig regelmäßig als Kulturort genutzt werden kann, wird sich nach dem Festival zeigen.
