Baesweiler-Setterich. In Baesweiler-Setterich steht die evangelische Gnadenkirche vor dem Ende. Nach Jahren ohne regulären Gottesdienstbetrieb wird das Gebäude nun abgerissen. Die Kirche war 1958 geweiht worden und entstand in einer Zeit, in der der Zuzug von Arbeitskräften den Ort prägte. Mit dem Rückgang der Gemeindemitglieder und der Zusammenlegung kirchlicher Angebote verlor das Gotteshaus seine ursprüngliche Funktion. 2019 wurde es entwidmet.
Die Gnadenkirche blieb nach ihrer Entwidmung zunächst weiterhin in Gebrauch. 2022 stellte die evangelische Gemeinde das Gebäude der Stadt Baesweiler für die Unterbringung von Geflüchteten aus der Ukraine zur Verfügung. Bis zu 60 Menschen konnten dort zeitweise unterkommen. Die Zwischennutzung zeigte, dass selbst ein aufgegebenes Kirchengebäude noch eine soziale Aufgabe erfüllen kann. Dauerhaft ließ sich damit jedoch keine Perspektive für den Erhalt schaffen.
Die Kirche ist eng mit der Entwicklung Setterichs in der Nachkriegszeit verbunden. In den 1950er-Jahren wuchs der Ort durch den Zuzug von Bergarbeiterfamilien. Der Bau des Gotteshauses war auch das Ergebnis erheblichen ehrenamtlichen Engagements: Gemeindemitglieder leisteten mehr als 10.000 Arbeitsstunden. Mit dem Abriss verschwindet deshalb nicht nur ein kirchliches Gebäude, sondern auch ein bauliches Zeugnis der sozialen und wirtschaftlichen Veränderungen in der Region.
Die Gnadenkirche steht beispielhaft für das schwierige Schicksal vieler Nachkriegskirchen. Sinkende Mitgliederzahlen, hohe Unterhaltskosten und Sanierungsbedarf setzen Gemeinden unter Druck. Eine Umnutzung kann eine Alternative sein, ist aber nicht in jedem Fall wirtschaftlich oder baulich umsetzbar. In Setterich endet damit die Geschichte eines Gebäudes, das über Jahrzehnte Mittelpunkt des Gemeindelebens war und zuletzt noch als Unterkunft diente.
