Neubrandenburg. Auf dem Gelände des ehemaligen Lokschuppen-Areals am Bahnhof Neubrandenburg haben die nächsten Abrissarbeiten begonnen. Wo über Jahre verfallene Gebäude das Stadtbild prägten, soll in den kommenden Jahren ein modernes Bahnhofsquartier mit einem Digitalen Innovationszentrum entstehen. Die Stadt verfolgt damit ein millionenschweres Entwicklungsprojekt, das den traditionsreichen Eisenbahnstandort grundlegend verändern soll. Doch der Umbau wirft auch Fragen zum Umgang mit dem historischen Gebäudebestand auf.
Nächster Abriss auf dem ehemaligen Bahngelände
Nachdem bereits 2025 erste Gebäude auf dem Areal abgebrochen beziehungsweise zurückgebaut wurden, steht nun das Gebäude Heidenstraße 13 im Mittelpunkt der Arbeiten. Nach einer vorgeschalteten Schadstoffsanierung soll das Mehrfamilienhaus bis spätestens 18. Dezember 2026 verschwinden. Die Baustelleneinrichtung begann Ende Oktober, die Abbrucharbeiten wurden für Anfang November angekündigt. Der Rückbau ist Teil der städtebaulichen Sanierungsmaßnahme „Nordstadt – Ihlenfelder Vorstadt“. Für das Vorhaben sind rund 520.000 Euro vorgesehen. Während der Arbeiten müssen Anwohner und Verkehrsteilnehmer mit Lärm und zusätzlichem Baustellenverkehr rechnen.
Digitales Innovationszentrum als Herzstück
Die Abrissarbeiten stehen im Zusammenhang mit einer umfassenderen Neuentwicklung des ehemaligen Lokschuppen-Areals. Dort soll ein Digitales Innovationszentrum (DIZ) entstehen. Geplant ist ein Standort, an dem Start-ups, junge Technologieunternehmen und etablierte Betriebe zusammenkommen und gemeinsam an digitalen Geschäftsmodellen und Innovationen arbeiten können.
Das Projekt soll zugleich einen städtebaulichen Missstand beseitigen und dem Bahnhofsumfeld eine neue Perspektive geben. Das Lokschuppen-Gelände gilt aufgrund seines jahrelangen Leerstands und des fortschreitenden Verfalls als Problemfläche. Mit der Neugestaltung soll ein moderner Standort für Wirtschaft, Vernetzung und Unternehmensgründungen entstehen.
Millioneninvestition mit hoher Förderung
Die Größenordnung des Vorhabens ist erheblich. Für das Digitale Innovationszentrum wurden Investitionskosten von rund 20 Millionen Euro genannt. Ein Großteil der Finanzierung soll über Fördermittel des Landes Mecklenburg-Vorpommern erfolgen. Voraussetzung dafür waren unter anderem die Freigabe der Planungen und die Aufhebung einer zuvor verhängten Haushaltssperre durch die Neubrandenburger Stadtvertretung im Februar 2025. Bereits Ende 2023 hatte ein Berliner Architekturbüro einen Wettbewerb für die Entwicklung des Areals gewonnen. Die Umsetzung bleibt allerdings ein längerfristiges Vorhaben: Nach früheren Planungsangaben könnte mit dem eigentlichen Bau frühestens 2028 begonnen werden.
Historischer Lokschuppen soll erhalten bleiben
Besonders interessant ist der denkmalpflegerische Aspekt des Projekts. Das Areal ist teilweise denkmalgeschützt. Vor allem der historische Lokschuppen bildet ein wichtiges Zeugnis der Eisenbahngeschichte Neubrandenburgs. Das Gebäude soll nicht einfach verschwinden, sondern in das neue Nutzungskonzept integriert werden. Vorgesehen ist, das Industriedenkmal zum zentralen Bestandteil des Digitalen Innovationszentrums umzubauen.
Der bauliche Zustand des Lokschuppens hatte allerdings bereits umfangreiche Sicherungsmaßnahmen erforderlich gemacht. Im August 2025 begannen Arbeiten, bei denen das marode Dach zurückgebaut und die Mauerkronen stabilisiert werden sollten. Für diese Maßnahmen waren rund 240.000 Euro veranschlagt, finanziert aus Städtebaufördermitteln von Bund, Land und Stadt.
Zwischen Abriss und Aufbruch
Das Bahnhofsareal in Neubrandenburg steht beispielhaft für die schwierige Transformation ehemaliger Bahn- und Industrieflächen. Nach dem Ende ihrer ursprünglichen Nutzung blieben vielerorts große Gebäude und Grundstücke zurück, die über Jahre verfielen und neue städtebauliche Entwicklungen erschwerten. Die geplante Umgestaltung soll diese Flächen wieder in das Stadtgefüge integrieren und ihnen eine wirtschaftliche Zukunft geben.
Entscheidend wird sein, ob es gelingt, den historischen Lokschuppen nicht nur als architektonische Kulisse zu bewahren, sondern seine industrielle Vergangenheit auch in der neuen Nutzung sichtbar zu machen. Das Digitale Innovationszentrum könnte damit einen ungewöhnlichen Brückenschlag zwischen Eisenbahngeschichte und Zukunftstechnologie schaffen. Bis dahin stehen jedoch noch weitere Planungs- und Bauphasen bevor.
