Historische Industriebauten erhalten eine neue Zukunft

Foto: Aventos
Foto: Aventos

Berlin. Wo einst Aldi Nord Waren für die Hauptstadt lagerte und verteilte, entsteht ein vielseitig nutzbarer Gewerbestandort. Das frühere Logistikzentrum am Eichborndamm im Berliner Bezirk Reinickendorf wird unter dem Namen BRICKHUB umfassend modernisiert. Neben den bestehenden Lagerhallen stehen dabei zwei denkmalgeschützte Backsteingebäude im Mittelpunkt, deren Geschichte bis in die Zeit der deutschen Rüstungsindustrie zurückreicht. Das Projekt zeigt, wie sich ein ehemaliger Industriestandort neu entwickeln lässt, ohne seine historischen Zeugnisse vollständig aufzugeben.

43.000 Quadratmeter für neue gewerbliche Nutzungen

Das Areal am Eichborndamm 141–165 umfasst rund 55.000 Quadratmeter Grundstücksfläche. Der Projektentwickler AVENTOS erwarb das Gelände im Juli 2023 von Aldi Nord und entwickelt es seit 2025 zu einem modernen Gewerbequartier. Insgesamt sollen etwa 43.000 Quadratmeter Gewerbefläche für unterschiedliche Unternehmen zur Verfügung stehen. Das Konzept setzt auf einen Nutzungsmix aus Logistik, Produktion, Werkstätten, Laboren und Büros. Erste Unternehmen haben bereits Flächen bezogen. Damit beginnt für das Gelände eine neue Phase, nachdem die frühere Nutzung als Logistikzentrum für Aldi Nord Anfang der 2020er-Jahre beendet worden war.

Alte Lagerhallen bleiben Teil des Standorts

Den größten Flächenanteil bilden vier Logistikhallen, die zwischen 1982 und 1991 entstanden. Zusammen verfügen sie über rund 32.000 Quadratmeter Fläche. Hohe Hallendecken und vorhandene Lkw-Ladetore ermöglichen weiterhin die Nutzung für Lagerung, Warenumschlag und Produktion. Statt die vorhandene Bausubstanz vollständig zu ersetzen, setzt die Entwicklung auf Modernisierung und Weiterverwendung. Die Hallen bilden damit das funktionale Rückgrat des neuen Gewerbestandorts. Die Verbindung aus bestehender Infrastruktur und ergänzenden Nutzungen soll unterschiedliche Unternehmen an einem Ort zusammenbringen.

Denkmalgeschützte Backsteinbauten erzählen Industriegeschichte

Besondere Aufmerksamkeit verdienen die beiden historischen Backsteingebäude, die unter den Bezeichnungen „BRICK 1“ und „BRICK 2“ vermarktet werden. Die denkmalgeschützten Bauten stammen aus den Jahren 1912, 1915 und 1935 und gehören zu einem traditionsreichen Industriestandort in Borsigwalde.

Ursprünglich waren hier die Deutschen Waffen- und Munitionsfabriken ansässig. Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte sich die industrielle Nutzung unter dem Namen Deutsche Waggon- und Maschinenfabriken fort. Die Gebäude dokumentieren damit unterschiedliche Kapitel der Berliner Industriegeschichte – von der Rüstungsproduktion über den Maschinenbau bis zur späteren Logistiknutzung.

Im Zuge des Umbaus sollen die historischen Gebäude erhalten und für neue gewerbliche Zwecke hergerichtet werden. Vorgesehen sind unter anderem Büroflächen, Werkstätten und Labore. Teilweise bieten die Räume Deckenhöhen von bis zu fünf Metern. Der erste Gebäudeteil soll nach derzeitiger Planung Ende 2026 fertiggestellt werden, der zweite im Sommer 2027.

Vom Rüstungsbetrieb zum Aldi-Logistikzentrum

Mit dem Ausbau großer Lagerhallen Anfang der 1980er-Jahre begann eine weitere prägende Nutzungsphase des Areals. Aldi Nord entwickelte den Standort zu einem Logistikzentrum für die Versorgung der Berliner Filialen. Über Jahrzehnte bestimmten Warenlagerung und Verteilung den Charakter des Geländes. Mit dem Ende dieser Nutzung stand die Frage im Raum, wie das großflächige Gewerbeareal künftig genutzt werden könnte. Die heutige Entwicklung knüpft an die industrielle Tradition an, verändert aber die wirtschaftliche Ausrichtung. Statt eines einzelnen dominierenden Nutzers soll ein Standort entstehen, an dem Unternehmen aus verschiedenen Branchen zusammenarbeiten und voneinander profitieren können.

Denkmalschutz trifft auf moderne Gewerbeentwicklung

BRICKHUB steht beispielhaft für eine Herausforderung, die zahlreiche ehemalige Industriestandorte betrifft: Historische Gebäude sollen erhalten bleiben, müssen dafür aber eine wirtschaftlich tragfähige Funktion bekommen. Der Denkmalschutz allein sichert noch keine dauerhafte Nutzung. Erst wenn Gebäude an heutige Anforderungen angepasst werden, steigen die Chancen, dass sie langfristig bestehen bleiben.

Die Kombination aus modernisierten Logistikhallen und sanierten Backsteinbauten folgt diesem Ansatz. Während die Hallen ihre ursprüngliche Funktion in veränderter Form fortsetzen können, eröffnen die historischen Gebäude neue Möglichkeiten für Büros, Werkstätten und spezialisierte Betriebe. Das Projekt verbindet damit den Erhalt industrieller Bausubstanz mit der wirtschaftlichen Weiterentwicklung des Berliner Nordens. Ob das Konzept langfristig aufgeht, wird sich daran zeigen, wie dauerhaft die Flächen vermietet werden und ob sich die unterschiedlichen Nutzungen am Standort bewähren.

Fertigstellung in mehreren Etappen

Die Arbeiten am BRICKHUB laufen weiter. Neben den bereits bezogenen Flächen stehen insbesondere die denkmalgeschützten Gebäude im Fokus der nächsten Bauabschnitte. Für „BRICK 1“ ist die Fertigstellung Ende 2026 vorgesehen, „BRICK 2“ soll im Sommer 2027 folgen. Aus dem früheren Aldi-Logistikzentrum entsteht damit schrittweise ein Gewerbequartier, das historische Industriearchitektur mit zeitgemäßen Arbeits- und Produktionsflächen verbindet. Für den Industriestandort Borsigwalde bedeutet das eine neue Nutzungsperspektive – und für die denkmalgeschützten Backsteinbauten die Chance, als sichtbare Zeugnisse der Berliner Industriegeschichte erhalten zu bleiben.

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