Willroth. Der Förderturm der Grube Georg in Willroth ist seit mehreren Wochen für den Publikumsverkehr geschlossen. Wie die Rhein-Zeitung berichtet, sind die Prüfungen zur Sanierung des Bauwerks noch nicht abgeschlossen. Das bestätigte der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Altenkirchen-Flammersfeld, Fred Jüngerich, auf Nachfrage der Zeitung. Wann der Turm wieder bestiegen werden kann, ist derzeit offen. Hintergrund der Sperrung sind baustatische Sicherheitsbedenken. Die Verbandsgemeinde weist ausdrücklich darauf hin, dass Führungen und der Aufstieg zum Förderturm bis auf Weiteres nicht möglich sind. Auch der Zugang zu den Förderrädern ist untersagt. Von außen bleibt das Industriedenkmal jedoch weiterhin zugänglich.
Ein Wahrzeichen des Erzbergbaus im Westerwald
Die Grube Georg steht für eine lange Bergbautradition in der Region. Bereits vor mehr als 1000 Jahren wurde im Gebiet des sogenannten Horhauser Gangzuges Eisenerz gewonnen. Der moderne Bergwerksbetrieb endete am 31. März 1965 mit der Schließung der Grube. Damit ging auch der Siegerländer Erzbergbau im sogenannten Wieder-Bezirk zu Ende. Rund 550 Bergleute verloren damals ihre Arbeit.
Während der Betriebszeit verfügte die Anlage über zwei Schachtanlagen mit jeweils eigenen Fördergerüsten. Der heute erhaltene Förderturm steht über Schacht II, der eine Tiefe von rund 970 Metern erreichte. Insgesamt wurden in der Grube etwa 6,5 Millionen Tonnen Eisenerz gefördert. Der Turm erinnert damit an eine Epoche, in der der Bergbau die wirtschaftliche und soziale Entwicklung der Region maßgeblich prägte.
Seit 1988 unter Denkmalschutz
1988 wurde der Förderturm zum Industriedenkmal erklärt. In den Jahren 1994 und 1995 erfolgte eine Sanierung mit Unterstützung des Landes. Seither entwickelte sich das Bauwerk zu einer touristischen Attraktion. Besucher konnten im Rahmen von Führungen das kleine Bergbaumuseum erkunden und den Turm erklimmen. Von der Aussichtsplattform reicht der Blick bei guter Sicht weit über den Westerwald hinaus, teilweise sogar bis zum Kölner Dom.
Der Förderverein Bergbau- und Hüttentradition sowie die Verbandsgemeinde haben die Anlage für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Die aktuelle Sperrung trifft deshalb nicht nur Ausflügler, sondern auch das Engagement derjenigen, die das bergbauliche Erbe der Region vermitteln.
Wie geht es mit dem Förderturm weiter?
Entscheidend wird sein, welche Schäden oder baulichen Schwachstellen die laufenden Untersuchungen ergeben und welche Maßnahmen daraus folgen. Erst wenn der Sanierungsbedarf feststeht, lassen sich Aufwand, Kosten und ein möglicher Zeitplan für die Wiederöffnung abschätzen. Konkrete Angaben dazu liegen bislang nicht vor.
Der Förderturm kann weiterhin von außen besichtigt werden. Informationstafeln vermitteln die Geschichte des Bergbaus und der Grube Georg. Für Besucher bleibt der Blick auf das markante Bauwerk damit möglich – der Weg hinauf zur Aussicht ist jedoch bis auf Weiteres versperrt.
Der Fall zeigt einmal mehr, wie anspruchsvoll der langfristige Erhalt technischer Denkmale sein kann. Fördergerüste und Industrieanlagen sind nicht nur historische Zeugnisse, sondern auch Konstruktionen, deren Sicherheit regelmäßig überprüft und deren Substanz dauerhaft instand gehalten werden muss. Für Willroth bleibt zu hoffen, dass sich eine tragfähige Sanierungslösung findet und das Wahrzeichen der Region wieder für Besucher geöffnet werden kann.
