Essen. Das UNESCO-Welterbe Zollverein und die angrenzenden Stadtteile in Essen sollen in den kommenden zehn Jahren weiterentwickelt werden. Dafür hat die Stadt gemeinsam mit der Stiftung Zollverein ein neues Integriertes Entwicklungskonzept (IEK) erarbeitet. Unter dem Titel „Schichtwechsel – Zollverein und Umgebung“ werden darin zahlreiche Maßnahmen gebündelt, die sowohl den Erhalt bedeutender Zeugnisse der Industriegeschichte als auch die städtebauliche Entwicklung der umliegenden Quartiere voranbringen sollen. Im Mittelpunkt stehen die historische Koksofenbatterie, die Sanierung industrieller Infrastruktur und die Neugestaltung öffentlicher Räume.
Neuer Förderrahmen konzentriert sich auf Zollverein
Seit Jahrzehnten fließen Städtebaufördermittel in die Entwicklung des Essener Stadtbezirks VI mit den Stadtteilen Katernberg, Schonnebeck und Stoppenberg. Das bisherige Integrierte Entwicklungskonzept aus dem Jahr 2020 ermöglichte zahlreiche Projekte auf dem Gelände des Welterbes und in dessen Umfeld. Dazu gehören unter anderem die laufende Neugestaltung des Barbarossaplatzes in Stoppenberg sowie der 2026 eröffnete Denkmalpfad auf Zollverein.
Da der bisherige Förderprozess ausläuft, soll das neue Konzept die Grundlage für die weitere Entwicklung schaffen. Das künftige Fördergebiet fällt allerdings kleiner aus als bisher: Es umfasst nicht mehr den gesamten Stadtbezirk VI, sondern konzentriert sich auf das UNESCO-Welterbe Zollverein und die unmittelbar angrenzenden Quartiere. Hintergrund sind die Vorgaben der Städtebauförderrichtlinie Nordrhein-Westfalen von 2023. Die vorgesehenen Maßnahmen müssen innerhalb eines Zeitraums von zehn Jahren verbindlich umgesetzt werden.
Koksofenbatterie steht im Zentrum der Denkmalpflege
Fünf Maßnahmen sind unmittelbar auf dem Gelände des Welterbes vorgesehen. Besonders bedeutsam ist die geplante Sicherung und Instandsetzung der Koksofenbatterie. Für den ersten Bauabschnitt ist ein Schutzdach vorgesehen, das die historische Anlage vor Witterungseinflüssen schützen soll. Darüber hinaus soll die Koksofenbatterie instand gesetzt und für eine weitere Nutzung beziehungsweise Vermittlung hergerichtet werden.
Auch die technischen Anlagen des ehemaligen Hütten- und Kokereibetriebs stehen auf der Agenda. Ein Erhaltungskonzept für die Maschinen soll deren Zustand erfassen und Perspektiven für ihren langfristigen Erhalt aufzeigen. Hinzu kommen die Instandsetzung der Bandbrücke am Tiefbunker sowie Arbeiten an den Bandbrücken der Rückführung. Damit rückt neben der markanten Architektur auch die technische Infrastruktur des einstigen Industriekomplexes stärker in den Fokus.
Katernberger Markt soll grüner und attraktiver werden
Elf weitere Maßnahmen sind im Umfeld des Welterbes geplant. Eine zentrale Rolle spielt dabei die Neugestaltung des Katernberger Marktes. Vorgesehen ist eine grün-blaue Gestaltung, bei der unter anderem Begrünung und Elemente zur Verbesserung des Stadtklimas berücksichtigt werden sollen. Auch soziale Herausforderungen wie Vermüllung und Vandalismus sollen in die Planung einfließen. Die Bürgerschaft soll an der Gestaltung beteiligt werden.
Ergänzend ist ein planerisches Quartiersmanagement mit einem eigenen Stadtteilbüro vorgesehen. Es soll die Umsetzung der Maßnahmen begleiten und als Anlaufstelle für die weitere Entwicklung dienen. Damit will die Stadt die städtebaulichen Projekte stärker mit den Bedürfnissen der Menschen vor Ort verbinden.
Historische Siedlungen und Stadtpark ebenfalls im Blick
Neben den großen Vorhaben sind weitere Maßnahmen vorgesehen, die das historische Umfeld von Zollverein stärken sollen. Dazu zählen ein Hof- und Fassadenprogramm sowie ein Verfügungsfonds, über den bürgergetragene Projekte unterstützt werden können. Das Projekt „Siedlungskultur hautnah“ soll Bewohnerinnen, Bewohner und Gäste für die Geschichte der Werkssiedlungen sensibilisieren und den historischen Alltag in den Quartieren analog und digital erlebbar machen.
Auch der Stadtpark Am Hallo soll denkmalgerecht aufgewertet werden. Hinzu kommen geplante Gestaltungsmaßnahmen auf den Schulhöfen der Glückauf-Schule und der Zollverein-Realschule sowie auf dem Außengelände der Freien Schule Essen. Eigentümerinnen und Eigentümer sollen außerdem durch eine Stadtteilarchitektenberatung Unterstützung bei der Gestaltung ihrer Gebäude erhalten.
Ratsentscheidung im November vorgesehen
Das neue Entwicklungskonzept wurde vom Amt für Stadtplanung und -entwicklung in Zusammenarbeit mit der Stiftung Zollverein erarbeitet. Auch Bürgerinnen und Bürger waren in den Prozess eingebunden. Das Land Nordrhein-Westfalen und die Bezirksregierung Düsseldorf haben die Perspektive für eine weitere Förderung im Programm „Sozialer Zusammenhalt – Zusammenleben im Quartier gemeinsam gestalten“ bereits positiv bewertet.
In den kommenden Wochen soll das Konzept in den politischen Gremien beraten werden. Der Ratsbeschluss ist nach Angaben der Stadt für den 18. November 2026 vorgesehen. Erst danach können die nächsten Schritte für die Umsetzung konkretisiert werden.
Für Zollverein bedeutet das Konzept eine Fortsetzung der Bemühungen, das industrielle Erbe nicht nur als historisches Denkmal zu bewahren, sondern als Bestandteil eines lebendigen Stadtquartiers weiterzuentwickeln. Ob die geplanten Maßnahmen innerhalb des vorgesehenen Jahrzehnts vollständig realisiert werden können, wird sich an den kommenden Planungs- und Förderentscheidungen zeigen.
