Kassel. Fast drei Jahre nach dem Einsturz des Daches der Kasseler Elisabethkirche liegen neue Ergebnisse zur Unglücksursache vor. Untersuchungen der Universität Kassel zeigen erhebliche Mängel an den geleimten Holzverbindungen der Dachkonstruktion. In nahezu allen untersuchten Proben fehlte Klebstoff oder die Verbindungen waren unregelmäßig ausgeführt.
256 Proben untersucht
Bauingenieur Prof. Werner Seim und sein Team untersuchten die sogenannten Generalkeilzinkenstöße von zehn Dachträgern. Insgesamt wurden 256 Proben analysiert. Das Ergebnis fiel deutlich aus: Die Klebungen waren nach Angaben des Wissenschaftlers durchgehend fehlerhaft. Die Mängel seien von außen allerdings nicht erkennbar gewesen.
Dach stürzte 2023 komplett ein
Am 6. November 2023 war die rund 63 Jahre alte Dachkonstruktion der katholischen Elisabethkirche am Kasseler Friedrichsplatz nahezu vollständig in den Kirchenraum gestürzt. Verletzt wurde niemand, der Sachschaden war jedoch erheblich. Ein früheres Gutachten hatte bereits verschiedene Planungs- und Ausführungsmängel festgestellt. Auch die Dimensionierung der damaligen Träger entsprach nicht den heutigen technischen Anforderungen.
Neue Technik mit Schwachstellen
Die verwendeten geleimten Holzverbindungen waren Ende der 1950er-Jahre noch eine vergleichsweise neue Konstruktionstechnik. Nach Einschätzung von Seim fehlten damals Qualitätsstandards, die mit heutigen Prüf- und Sicherheitsanforderungen vergleichbar gewesen wären. Über Jahrzehnte blieb die Konstruktion dennoch bestehen, bis die Schwachstellen schließlich zum Versagen führten.
Neues Dach soll noch 2026 kommen
Für die Elisabethkirche gibt es inzwischen eine konkrete Perspektive. Noch im September sollen die Arbeiten am neuen Dach beginnen. Vorgefertigte Metall- und Holzelemente werden per Kran auf das Gebäude gesetzt. Bis November sollen die Arbeiten abgeschlossen sein und der Kirchenraum wieder genutzt werden können. Weitere Schäden an Fenstern und Mauerwerk sollen anschließend behoben werden.
