Duisburger Stadtmauer nach Sanierung wieder begehbar

Foto: Stadt Duisburg
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Duisburg. Ein Stück mittelalterliches Duisburg ist wieder zugänglich: Der historische Wehrgang an der Stadtmauer im Bereich des Innenhafens kann nach abgeschlossener Sanierung wieder betreten werden. Neue Geländer sorgen dafür, dass Besucher den historischen Abschnitt wieder sicher begehen können. Damit wird ein bedeutendes Zeugnis der Duisburger Stadtgeschichte erneut unmittelbar erlebbar. Der Wehrgang war zuletzt für die Öffentlichkeit gesperrt. Grund dafür war der bauliche Zustand der vorhandenen Geländer. Erst nach deren Erneuerung konnte der Abschnitt wieder freigegeben werden. Nun können Spaziergänger den historischen Weg entlang der Stadtmauer erneut nutzen.

Die Maßnahme wirkt auf den ersten Blick unspektakulär. Tatsächlich geht es dabei jedoch um den Zugang zu einem Bauwerk, dessen Geschichte viele Jahrhunderte zurückreicht. Die Stadt verfolgt damit zugleich das Ziel, das Denkmal nicht lediglich zu konservieren, sondern es im Alltag der Duisburger wieder sichtbar und begehbar zu machen.

Stadtmauer reicht bis ins frühe Mittelalter zurück

Die Duisburger Stadtbefestigung gehört zu den ältesten erhaltenen historischen Befestigungsanlagen im Ruhrgebiet. Die ältesten heute nachweisbaren Bereiche reichen bis in das späte 10. Jahrhundert zurück. Im Laufe der folgenden Jahrhunderte wurde die Befestigung immer wieder erweitert, verändert und verstärkt. Ein Teil der Anlage im Bereich des Alten Wehrgangs entstand im 13. Jahrhundert neu. Dabei kamen unter anderem Ziegel zum Einsatz. Die mittelalterliche Befestigung war Teil der Entwicklung Duisburgs zu einer bedeutenden Handelsstadt. Die Lage am Rhein und die Verbindung zu wichtigen Handelswegen machten die Stadt bereits im Mittelalter zu einem strategisch wichtigen Ort.

Was von der Befestigung übrig blieb

Von der einstigen Stadtmauer ist heute nur noch ein Teil erhalten. Im Zuge der Stadtentwicklung und der beginnenden Industrialisierung verschwanden große Abschnitte der historischen Befestigungsanlage. Andere Bereiche wurden überbaut oder in jüngere Gebäude integriert. Die erhaltenen Reste bestehen nicht nur aus sichtbaren Mauerabschnitten. Auch frühere Wall- und Grabenanlagen sind Bestandteil der historischen Befestigung. Archäologische und baugeschichtliche Untersuchungen haben gezeigt, wie umfangreich das ursprüngliche Befestigungssystem einst war.

Gerade deshalb kommt den erhaltenen Abschnitten eine besondere Bedeutung zu. Sie machen eine Stadtgeschichte sichtbar, die im heutigen Duisburg ansonsten vielfach von Industrie, Hafen und Nachkriegsarchitektur überlagert wird.

Foto: Stadt Duisburg
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Der Wehrgang wurde bereits früher rekonstruiert

Dass Besucher heute wieder über den historischen Wehrgang gehen können, ist nicht selbstverständlich. Bereits in den späten 1980er-Jahren war dieser Abschnitt wieder begehbar gemacht worden. Die jüngste Sanierung war deshalb keine erstmalige Erschließung, sondern eine erneute Instandsetzung des historischen Rundgangs. Damit setzt sich eine Entwicklung fort, die darauf abzielt, die verbliebenen Reste der Stadtbefestigung miteinander zu verbinden und Geschichte im Stadtbild erlebbar zu machen.

Mittelalter trifft auf Duisburger Innenhafen

Besonders reizvoll ist der Standort am Innenhafen. Nur wenige Meter entfernt beginnt eine völlig andere Epoche der Stadtgeschichte. Speicher, Hafenanlagen und industrielle Gebäude erinnern an Duisburgs Entwicklung zu einem der wichtigsten Binnenhäfen Europas. Der historische Wehrgang steht damit gewissermaßen an einer Schnittstelle verschiedener Zeitschichten. Mittelalterliche Stadtbefestigung, frühneuzeitliche Stadtentwicklung und industrielle Hafenstadt liegen hier unmittelbar nebeneinander.

Denkmalpflege wird erst durch Nutzung sichtbar

Die Wiederöffnung zeigt zugleich ein grundsätzliches Problem der Denkmalpflege. Ein historisches Bauwerk kann noch so wertvoll sein – wenn es abgesperrt, unzugänglich oder im Alltag kaum wahrgenommen wird, verschwindet seine Bedeutung schnell aus dem Bewusstsein. Ein begehbarer Wehrgang funktioniert dagegen anders. Wer über die historische Mauer läuft, erlebt ihre Dimension unmittelbar. Die Befestigung wird nicht nur erklärt, sondern körperlich erfahrbar. Genau darin liegt der Wert der aktuellen Maßnahme: Das Denkmal wird wieder Teil des öffentlichen Raums.

Duisburg besitzt mehr Mittelalter, als man denkt

Das Bild Duisburgs wird bis heute stark von der Industriegeschichte geprägt. Stahlwerke, Hafenanlagen, Zechen und gewaltige Verkehrsbauten bestimmen die Wahrnehmung der Stadt. Doch unter dieser industriellen Schicht liegt eine wesentlich ältere Geschichte. Die städtischen Führungen verweisen auf zahlreiche erhaltene Zeugnisse aus dem 10. bis 16. Jahrhundert. Dazu gehören neben Teilen der Stadtbefestigung unter anderem historische Bauwerke und Spuren rund um die Altstadt. Duisburg war bereits lange vor Kohle und Stahl eine bedeutende Handelsstadt.

Der wieder zugängliche Wehrgang ist deshalb mehr als ein kurzer Spazierweg. Er ist ein sichtbarer Beleg dafür, dass die Geschichte Duisburgs nicht erst mit der Industrialisierung beginnt.

Ein kleines Stück Stadtmauer mit großer Wirkung

Die Sanierung des Wehrgangs ist kein spektakuläres Großprojekt. Es geht nicht um Millioneninvestitionen in eine neue Arena oder einen kompletten Industriekomplex. Es geht um Geländer, Mauerwerk und einen vergleichsweise kurzen Abschnitt der historischen Stadtbefestigung. Doch gerade solche kleinen Maßnahmen entscheiden darüber, ob Denkmale im Stadtbild tatsächlich präsent bleiben. Mit der erneuten Öffnung ist ein Stück Duisburger Geschichte zurück im öffentlichen Raum.

Wer heute über den Wehrgang am Innenhafen spaziert, bewegt sich damit buchstäblich auf den Spuren des mittelalterlichen Duisburgs – und gleichzeitig mitten durch eine Stadt, die sich Jahrhunderte später zu einem Zentrum der deutschen Industriekultur entwickelte.

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