Düsseldorf. Jahrzehntelang war der Gebäudekomplex an der Kruppstraße in Düsseldorf Sitz mehrerer Finanzbehörden. Inzwischen ist die Geschichte des Finanzamtsstandorts beendet. Das Finanzamt Düsseldorf-Mitte zog Ende 2024 an die Moskauer Straße um. Der marode Gebäudekomplex steht damit vor einer neuen Zukunft. Die Probleme des Gebäudes sind allerdings nicht neu. Bereits vor Jahren sorgten Feuchtigkeitsschäden, Probleme in der Tiefgarage und weitere bauliche Mängel für Schlagzeilen. Der Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW investierte nach Angaben der Landesregierung bereits rund neun Millionen Euro in Sanierungsmaßnahmen. 2018 wurde zudem deutlich, dass die ursprünglich veranschlagten Sanierungskosten massiv gestiegen waren.
Mit dem Auszug der Behörden stellt sich nun die entscheidende Frage nach der weiteren Nutzung des Areals. Schon seit Jahren wird über eine Neubebauung und insbesondere Wohnungsbau diskutiert. Der Gebäudekomplex gilt als sanierungsbedürftig; zugleich eröffnet der Standort in Oberbilk Potenzial für eine städtebauliche Neuordnung. Ein Architekturprojekt zeigte zuletzt, wie aus dem ehemaligen Finanzamt durch Bauen im Bestand ein neues Quartier entstehen könnte. Der Entwurf von Marie Müller wurde 2025 mit einem Düsseldorfer Architekturförderpreis ausgezeichnet und setzt auf die Weiterentwicklung der vorhandenen Gebäudestruktur statt auf einen vollständigen Ersatzneubau.
Damit steht die Kruppstraße exemplarisch für eine Frage, die viele ehemalige Verwaltungs- und Industriebauten betrifft: Abriss oder Weiterbauen? Nach Jahrzehnten als Behördenstandort könnte die Immobilie künftig eine völlig andere Rolle im Düsseldorfer Stadtgefüge übernehmen. Ob der Bestand tatsächlich erhalten wird oder am Ende doch die Abrissbirne kommt, ist die entscheidende Frage für die Zukunft des lange problembehafteten Standorts.
