Munster. Das verlassene Dorf Lopau im Landkreis Heidekreis verliert einen großen Teil seiner historischen Bausubstanz. Im vergangenen Winter ließ die Bundeswehr sechs Gebäude auf dem Gelände des Truppenübungsplatzes Munster abreißen. Neben dem schlechten baulichen Zustand spielte offenbar auch der zunehmende Besuch unerlaubter Lost-Place-Touristen eine Rolle. Das Betreten des militärischen Geländes ist gefährlich und außerhalb freigegebener Wege verboten.
Sechs Gebäude verschwunden
Wo früher verlassene Wohnhäuser und Scheunen das Bild des einstigen Dorfes prägten, stehen heute nur noch wenige Gebäude. Nach Angaben von Touristik Munster blieben unter anderem die alte Forstwartei, die Schule und Hof Roth erhalten. Die Bundeswehr begründet den Abriss mit dem schlechten Zustand der nicht mehr genutzten Gebäude. Der Besuch durch sogenannte Urbexer sei zwar nicht der ausschlaggebende Grund gewesen, habe die Entscheidung aber möglicherweise beschleunigt.
Lebensgefahr auf dem Truppenübungsplatz
Lopau liegt mitten im Wald auf einem militärisch genutzten Übungsgelände. Dort befinden sich Blindgänger, zudem finden Schießübungen statt. Wer das Dorf auf eigene Faust erreichen will, riskiert deshalb mehr als eine Begegnung mit maroder Bausubstanz. Die Bundeswehr weist darauf hin, dass Besucher die freigegebenen Wege nicht verlassen dürfen. Schranken und Absperrungen sind keine Einladung, sondern sollen den Zugang zum gefährlichen Gelände verhindern.
Der Fall zeigt den Konflikt zwischen der Faszination verlassener Orte und den Grenzen legaler Erkundung. Wenn Neugierige trotz Verboten in militärische Sperrgebiete eindringen, gefährden sie nicht nur sich selbst, sondern erschweren auch den verantwortungsvollen Umgang mit den verbliebenen historischen Zeugnissen.
Ein Dorf, das der Erweiterung des Truppenübungsplatzes weichen musste
Die Geschichte Lopaus reicht weit über den heutigen Lost-Place-Hype hinaus. Bereits 1968 begannen die Vorbereitungen für die Räumung des Dorfes, das der Erweiterung des Truppenübungsplatzes weichen musste. 1972 lebten noch 28 Menschen in Lopau. Eine Bürgerinitiative namens „Rettet das Lopautal“ kämpfte 1975 vergeblich gegen die vollständige Räumung. 1983 mussten schließlich die letzten Bewohner ihre Häuser verlassen.
Seitdem hat sich die Natur Teile des Dorfes zurückerobert. Wer Lopau kennenlernen möchte, muss dafür allerdings nicht unerlaubt in das Militärgelände eindringen: Touristik Munster bietet geführte Wanderungen an. Eine Tour ist für den 23. Oktober von 15 bis 17.30 Uhr angekündigt. Die rund 6,5 Kilometer lange Strecke führt durch das Gebiet; feste Schuhe und wetterangepasste Kleidung werden empfohlen. Eine Anmeldung ist bei Touristik Munster erforderlich.
