Alte Wagenhalle in Bingen soll neues Leben erhalten

Foto: Marion Halft/CC BY-SA 3.0
Foto: Marion Halft/CC BY-SA 3.0

Bingen. Das Industriedenkmal im Park am Mäuseturm rückt wieder in den Fokus. Für die Bundesgartenschau 2029 ist eine Nutzung als Blumenhalle vorgesehen. Ob die historische Wagenausbesserungshalle damit dauerhaft aus ihrem Dornröschenschlaf erwacht, hängt allerdings noch von offenen Fragen ab. Wo einst Eisenbahnwaggons gewartet, ausgebessert und gereinigt wurden, ist es seit Jahren weitgehend ruhig. Die rund 3.000 Quadratmeter große Wagenausbesserungshalle entstand um 1960 auf dem ehemaligen Hafengelände von Bingerbrück.

Nachdem die Bahn den Betrieb am früheren Bahnhofsgelände 1978 eingestellt hatte, verlor auch die Halle ihre ursprüngliche Funktion. Das Areal verfiel zunehmend, während sich auf den brachliegenden Flächen unter anderem die streng geschützte Zauneidechse ansiedelte. Erst die Landesgartenschau 2008 brachte eine neue Perspektive. Das Gelände westlich der Nahe wurde in die Gartenschau integriert und landschaftlich aufgewertet. Die Halle wurde saniert und anschließend als Veranstaltungsort genutzt.

Veranstaltungen brachten nur zeitweise Schwung

Ende 2009 übernahm der Binger Unternehmer Ludger Lüning die Immobilie. Er wollte verhindern, dass die markante Halle ausschließlich unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten von einem auswärtigen Investor genutzt wird. Mit Platz für rund 2.000 stehende oder 1.000 sitzende Gäste bot das Gebäude Möglichkeiten für größere Veranstaltungen, die in Bingen zuvor kaum realisierbar waren.

In den folgenden Jahren fanden dort Messen, Konzerte, Firmenveranstaltungen, Kunstausstellungen und Feste statt. Auch die Binger Wiesn nutzten die Halle als Veranstaltungsort. Doch das Potenzial ließ sich nicht dauerhaft ausschöpfen. Die Idee, das Gebäude als Show-Location zu etablieren, verlief im Sande. Fehlende Infrastruktur, eine schwierige Parkplatzsituation und vor allem offene Fragen beim Brandschutz erschwerten eine nachhaltige Nutzung.

Buga 2029 soll neue Perspektiven eröffnen

Mit der Bundesgartenschau 2029 könnte sich nun erneut eine Chance ergeben. Die Buga gGmbH strebt an, die alte Wagenausbesserungshalle für eine Blumenhallenschau einzubeziehen. Noch werden allerdings die notwendigen Voraussetzungen gemeinsam mit den Beteiligten geprüft. Ein abschließendes Nutzungs- und Ausstellungskonzept liegt bislang nicht vor.

Besonders anspruchsvoll bleibt das Sicherheitskonzept. Im Brandfall ist die Löschwasserversorgung problematisch; hinzu kommt die schwierige Erreichbarkeit über die Gleisanlagen. Löschwasserspeicher mit einer Wasseraufbereitungsanlage im Park am Mäuseturm könnten einen Teil der Probleme lösen. Auch die fehlende Infrastruktur muss bei einer künftigen Nutzung berücksichtigt werden.

Die Buga-Planungen sehen derzeit keine Umbauarbeiten durch die Veranstalter an der Halle selbst vor. Die Arbeiten im Park am Mäuseturm sollen voraussichtlich Ende 2027 beginnen.

Bleibt die Halle auch nach 2029 erhalten?

Die Bundesgartenschau könnte dem Industriedenkmal einen neuen Auftritt verschaffen. Entscheidend wird jedoch sein, ob aus der zeitlich begrenzten Nutzung eine tragfähige Perspektive für die Zeit danach entsteht. Die Geschichte der Halle zeigt, dass Sanierung und einzelne Veranstaltungserfolge allein nicht ausreichen, um einen solchen Bau dauerhaft mit Leben zu füllen.

Für Bingen wäre eine langfristige Lösung ein Gewinn: Die alte Wagenhalle ist ein Zeugnis der Eisenbahngeschichte und zugleich ein Beispiel dafür, wie ehemalige Industrieflächen neue Funktionen übernehmen können. Ob die Buga 2029 tatsächlich den entscheidenden Impuls liefert, ist noch offen.

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