Aus dem Michelin-Werk wird das „Profilwerk“

Foto: Stadt Karlsruhe/Monika Müller-Gmelin
Foto: Stadt Karlsruhe/Monika Müller-Gmelin

Karlsruhe. Das ehemalige Michelin-Werk im Karlsruher Stadtteil Grünwinkel bekommt eine neue Zukunft – allerdings weitgehend ohne seine bisherige Bausubstanz. Auf dem rund 126.000 Quadratmeter großen Industrieareal soll in den kommenden Jahren das „Profilwerk Karlsruhe“ entstehen. Der Projektentwickler Aurelis Real Estate hat das Gelände von Michelin übernommen und plant dort einen neuen Gewerbestandort für Produktion, technologieorientierte Unternehmen und Logistik.

Damit beginnt ein neues Kapitel auf einem Gelände, das über Jahrzehnte fest mit der Karlsruher Industriegeschichte verbunden war. Michelin war seit 1931 an dem Standort aktiv. Nach der angekündigten Schließung des Werkes bis Ende 2025 endete dort eine lange industrielle Ära. Rund 600 Beschäftigte waren von der Stilllegung betroffen.

Große Teile der alten Fabrik verschwinden

Von der bisherigen Fabriklandschaft wird allerdings nur ein Teil übrig bleiben. Aurelis will einen Großteil der vorhandenen Gebäude zurückbauen und das Areal anschließend neu strukturieren. Geplant sind vier große Halleneinheiten, ein Unternehmerpark mit acht Einheiten sowie kleinere Gewerbeflächen unter dem Namen „Aurelis Ateliers“. Insgesamt sollen rund 74.300 Quadratmeter Mietfläche entstehen.

Die neuen Hallen richten sich an Unternehmen mit größerem Flächenbedarf. Im Unternehmerpark sind kombinierbare Einheiten zwischen 2.500 und 4.200 Quadratmetern vorgesehen. Die Ateliers sollen bereits ab 200 Quadratmetern verfügbar sein und damit auch kleineren Betrieben Raum bieten. Das Konzept folgt damit einem inzwischen bekannten Muster der Stadtentwicklung: Ein aufgegebener Industriestandort wird nicht zum Wohnquartier, sondern bleibt Gewerbestandort. Die industrielle Nutzung verschwindet – die wirtschaftliche Funktion des Areals soll dagegen erhalten bleiben.

Ein Stück Michelin bleibt

Ganz verschwinden soll die Vergangenheit allerdings nicht. Ein Teil des Gebäudebestands bleibt erhalten. Dazu gehört das sogenannte Gewerkshaus, das von der Wirtschaftsförderung Karlsruhe als Gründungs- und Gewerbezentrum für Handwerk und kleinere produzierende Unternehmen betrieben wird. Die Stadt bleibt damit auch nach dem Verkauf des Geländes Mieterin auf dem ehemaligen Michelin-Areal. Gerade dieser erhaltene Baustein dürfte künftig zu einem der wenigen sichtbaren Bindeglieder zwischen alter und neuer Nutzung werden. Ansonsten wird sich das Erscheinungsbild des Areals grundlegend verändern.

Vom Reifenwerk zum modernen Gewerbestandort

Für die Stadt Karlsruhe ist die Entwicklung vor allem wirtschaftspolitisch interessant. Das Gelände liegt verkehrsgünstig an der B10, mit schneller Verbindung zu den Autobahnen A5 und A8. Auch der Rheinhafen befindet sich in unmittelbarer Nähe. Damit besitzt der Standort Voraussetzungen, die für produzierende Unternehmen und Logistikbetriebe attraktiv sind. Schon während der Diskussion um die Michelin-Schließung war eine Revitalisierung des Standorts ein wichtiges Thema. Die Stadt und Michelin hatten vereinbart, Möglichkeiten für eine weitere gewerbliche Nutzung zu prüfen. Ziel war ausdrücklich, neue Arbeitsplätze zu schaffen und die wirtschaftliche Bedeutung des Areals für Karlsruhe zu erhalten. Nun wird aus dieser Idee konkrete Stadtentwicklung.

Foto: List Bau
Foto: List Bau

Der Abriss beginnt noch 2026

Der Zeitplan ist ambitioniert. Der Rückbau der Bestandsgebäude soll noch in diesem Jahr beginnen. 2027 sollen die ersten Neubauten starten. Die Fertigstellung des neuen Gewerbestandorts ist schrittweise bis 2029 vorgesehen. Das „Profilwerk Karlsruhe“ steht damit exemplarisch für den Umgang mit aufgegebenen Industriearealen: Die Fläche bleibt wirtschaftlich aktiv, doch die baulichen Zeugnisse ihrer Geschichte werden weitgehend beseitigt. Aus dem Reifenwerk wird ein moderner Gewerbestandort. Die Frage, wie viel industrielle Identität dabei tatsächlich erhalten bleibt, wird sich erst beantworten lassen, wenn der letzte alte Hallenträger verschwunden ist.

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