Düsseldorf. In Düsseldorf-Rath beginnt der Abriss – und damit der wohl tiefgreifendste Wandel eines ehemaligen Industriestandorts in diesem Stadtteil. Auf dem rund 830.000 Quadratmeter großen Gelände des früheren Vallourec-Werks hat der Projektentwickler CTP mit den Abbrucharbeiten begonnen. Mehr als 700 Millionen Euro sollen in den kommenden Jahren in die Transformation des Areals zum neuen „CTPark Düsseldorf“ fließen.
Das Gelände blickt auf eine mehr als 125-jährige Industriegeschichte zurück. Die industrielle Nutzung begann hier bereits 1899. Später wurde das Werk Teil der Mannesmann-Gruppe, bevor Vallourec den Standort übernahm. Bis zur Schließung Ende 2023 wurden hier Stahlrohre produziert. Was über Generationen ein abgeschirmtes Fabrikareal war, soll nun zu einem modernen Gewerbestandort werden.
Der Großteil der Fabrik verschwindet
Für die alte Werkslandschaft bedeutet die Neuentwicklung allerdings einen tiefen Einschnitt. Der überwiegende Teil der derzeit brachliegenden Gebäude soll zurückgebaut werden. An ihre Stelle treten moderne Hallen und Gewerbebauten mit insgesamt rund 232.000 Quadratmetern vermietbarer Fläche.
Geplant ist ein sogenannter Multi-User-Park. Vorgesehen sind Flächen für Industrie und Produktion, Light Industrial sowie Forschung und Entwicklung. Die Gebäude sollen unterschiedliche Unternehmensgrößen aufnehmen können und damit ein möglichst breites Spektrum gewerblicher Nutzer ansprechen. Erste Flächen sollen ab 2030 bezugsfertig sein. Aus der ehemaligen Großfabrik wird damit ein flexibel nutzbarer Gewerbepark. Die industrielle Funktion des Grundstücks bleibt zwar erhalten – die konkrete Form dieser Industrie aber verändert sich grundlegend.
Denkmäler bleiben als Zeitzeugen
Ganz ausgelöscht wird die Vergangenheit dennoch nicht. Einzelne denkmalgeschützte Gebäude sollen erhalten und in das neue Nutzungskonzept integriert werden. Welche Wirkung diese historischen Bauten zwischen den geplanten Neubauten künftig entfalten werden, dürfte eine der spannendsten Fragen der Entwicklung sein. Gerade bei einem Areal dieser Größenordnung wird damit sichtbar, wie schwierig der Spagat zwischen wirtschaftlicher Neunutzung und Industriegeschichte sein kann. Ein Großteil der alten Gebäudestrukturen ist für die neue Nutzung offenbar nicht mehr wirtschaftlich oder funktional geeignet. Gleichzeitig sind einzelne Gebäude wertvoll genug, um als bauliche Zeugnisse der Vergangenheit weiterzuleben.

Ein Brownfield mit enormer Dimension
CTP bezeichnet das Projekt als das bislang größte eigene Entwicklungsprojekt in Deutschland und zugleich als größte Brownfield-Entwicklung der Unternehmensgeschichte. Das Konzept setzt bewusst auf die Wiedernutzung einer bereits industriell geprägten Fläche, statt neue Gewerbegebiete auf bislang unbebauten Flächen auszuweisen. Der Standort ist dafür nahezu prädestiniert. Das Areal liegt im Düsseldorfer Stadtteil Rath, rund acht Kilometer vom Stadtzentrum und etwa zwei Kilometer vom Flughafen entfernt. Die A52 ist nur rund 300 Meter entfernt, auch A44 und A3 sind schnell erreichbar. Damit besitzt das Gelände eine für Industrie, Produktion und Logistik ausgesprochen günstige Lage.
Vom Lost Place zum Gewerbepark
Für Lost-Place-Freunde beginnt damit gleichzeitig das Ende eines industriellen Zwischenzustands. Das ehemalige Vallourec-Gelände war nach dem Produktionsende 2023 zu einer riesigen Industriebrache geworden. Nun rücken Bagger und Abrissgeräte an. Der Begriff „Transformation“ klingt dabei moderner als das, was auf dem Gelände tatsächlich passiert: Ein erheblicher Teil der historischen Fabrik wird verschwinden. Hallen, Produktionsgebäude und andere Strukturen, die über Jahrzehnte das Gesicht des Standorts geprägt haben, werden durch neue Gebäude ersetzt. Das ist die übliche Logik einer Brownfield-Entwicklung: Die Fläche bleibt erhalten, die Nutzung bleibt gewerblich – die gebaute Geschichte wird jedoch nur teilweise mitgenommen.
2030 beginnt ein neues Kapitel
Die ersten Neubauten sollen ab 2030 bezugsfertig sein. Bis dahin dürfte sich das Erscheinungsbild des Areals mehrfach verändern. Aus dem ehemaligen Rohrwerk wird Schritt für Schritt ein moderner Gewerbestandort mit neuen Arbeitsplätzen und zeitgemäßen Produktions- und Forschungsflächen. Für Düsseldorf ist das Projekt wirtschaftlich zweifellos bedeutend. Für die Industriegeschichte der Stadt bedeutet es dagegen einen weiteren Einschnitt. Das ehemalige Vallourec-Areal steht exemplarisch für eine Entwicklung, die sich vielerorts beobachten lässt: Große Industrieflächen werden neu erfunden, während ihre ursprüngliche Architektur Stück für Stück verschwindet.
Einige Denkmäler dürfen bleiben. Der überwiegende Rest wird Geschichte.
