Rheinland: Bildarchiv zu denkmalwerten Siedlungen jetzt online

Foto: LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland
Foto: LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland

Das baukulturelle Erbe des Rheinlands erhält eine neue digitale Plattform: Rund 2.300 historische und aktuelle Bilddokumente sowie zugehörige Objektdaten über denkmalwerte Siedlungen in Nordrhein-Westfalen sind ab sofort öffentlich zugänglich. Das umfangreiche Datenmaterial wurde vom Landschaftsverband Rheinland (LVR) aufbereitet und über das Portal der Deutschen Digitalen Bibliothek (DDB) veröffentlicht. Damit wird ein bedeutender Bestand der rheinischen Siedlungs- und Architekturgeschichte erstmals in dieser Form für die breite Öffentlichkeit verfügbar.

Denkmalpflege macht historische Siedlungen digital erlebbar

Hinter dem veröffentlichten Bild- und Datenbestand steht das LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland (LVR-ADR). Grundlage der Digitalisierung ist ein umfangreiches Fotoarchiv, das ursprünglich im Zusammenhang mit der wissenschaftlichen Publikation „Siedlungen in Nordrhein-Westfalen: Rheinschiene“ entstanden war. Das zweibändige Werk wurde 2021 von Landeskonservatorin Dr. Andrea Pufke herausgegeben und erschien innerhalb der Reihe „Bau- und Kunstdenkmäler in Nordrhein-Westfalen“.

Der nun digital veröffentlichte Bestand geht allerdings deutlich über die fotografische Dokumentation der gedruckten Ausgabe hinaus. Interessierte können auf rund 2.300 Bilder und Objektdaten zugreifen, die insgesamt 207 Siedlungen im Rheinland erfassen. Die Veröffentlichung eröffnet damit neue Möglichkeiten, sich mit der Entstehung, Entwicklung und architektonischen Vielfalt historischer Wohnquartiere auseinanderzusetzen.

Landeskonservatorin Andrea Pufke sieht in dem Projekt einen wichtigen Schritt, um die gesellschaftliche Bedeutung historischer Siedlungen stärker ins öffentliche Bewusstsein zu rücken. Die digitale Bereitstellung der Bilddaten sei ein wesentlicher Baustein, um dieses baukulturelle Erbe einer breiteren Öffentlichkeit zu vermitteln.

Von der Werkssiedlung bis zum gehobenen Wohnquartier

Die digitalisierten Aufnahmen bilden ein bemerkenswert breites Spektrum der rheinischen Siedlungsgeschichte ab. Unterschiedliche Siedlungstypen, architektonische Konzepte und städtebauliche Entwicklungen werden anhand der Bilddokumente nachvollziehbar. Dabei geht es nicht allein um die äußere Erscheinung der Gebäude. Auch die räumliche Anordnung der Siedlungen und die Entwicklung der Wohnungsgrundrisse spielen eine wichtige Rolle.

Gerade die Grundrisse liefern aufschlussreiche Einblicke in den gesellschaftlichen Wandel. Sie verdeutlichen, wie sich Vorstellungen vom Wohnen, familiäre Lebensmodelle und soziale Ansprüche im Laufe der Jahrzehnte verändert haben. Die Architektur wird damit zugleich zum Spiegel gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Entwicklungen.

Zu den besonders bemerkenswerten Beispielen zählen die Werkssiedlung an der Ter-Meer-Straße in Krefeld-Uerdingen sowie die sogenannte Professorensiedlung in Köln-Marienburg. Während die Werkssiedlung Einblicke in die Geschichte des industriell geprägten Wohnungsbaus bietet, steht die Professorensiedlung exemplarisch für gehobene Wohnarchitektur und bürgerliche Siedlungsstrukturen des frühen 20. Jahrhunderts.

Die dokumentierten Objekte zeigen eindrucksvoll, wie unterschiedlich die Antworten auf die Wohnungsfragen ihrer jeweiligen Entstehungszeit ausfielen. Vom zweckmäßigen Wohnraum für Beschäftigte industrieller Betriebe bis hin zu repräsentativen Wohnquartieren für gesellschaftlich privilegierte Gruppen reicht die Bandbreite.

Kostenloser Zugang über die Deutsche Digitale Bibliothek

Ein wesentlicher Aspekt des Projekts ist die freie Verfügbarkeit der Daten. Sämtliche veröffentlichten Bild- und Objektdaten können über die Deutsche Digitale Bibliothek kostenfrei und dauerhaft abgerufen werden. Auch eine Verwendung der Fotografien im Druck ist grundsätzlich kostenlos möglich, sofern die jeweiligen Copyright-Angaben korrekt ausgewiesen werden.

Damit richtet sich das Angebot nicht ausschließlich an Fachleute aus Architektur, Stadtplanung und Denkmalpflege. Auch Heimatforscher, Wissenschaftler, Studierende, Journalisten und geschichtlich Interessierte erhalten einen unkomplizierten Zugang zu einem umfangreichen Bestand, der bislang vor allem im fachlichen Zusammenhang genutzt wurde. Die digitale Veröffentlichung trägt somit dazu bei, denkmalgeschützte Siedlungen nicht nur als einzelne Gebäudeensembles zu betrachten, sondern sie in ihrem historischen, sozialen und städtebaulichen Zusammenhang zu verstehen.

Bundesweites Schaufenster für die Denkmalpflege geplant

Für das LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland ist die Veröffentlichung lediglich der Auftakt eines längerfristig angelegten Digitalisierungsvorhabens. Weitere Datenpakete sollen folgen und nach und nach über die Deutsche Digitale Bibliothek zugänglich gemacht werden. Das Rheinland orientiert sich dabei an vergleichbaren Initiativen anderer Denkmalfachämter in Deutschland. Perspektivisch sollen weitere Einrichtungen ihre Bildbestände und Objektdaten in das öffentliche Portal einbringen. Daraus könnte ein bundesweit zugängliches digitales Schaufenster für die Denkmalpflege entstehen.

Andrea Pufke verbindet damit die Hoffnung, das Bewusstsein für den Wert historischer Bausubstanz und gewachsener Siedlungsstrukturen nachhaltig zu stärken. Denn Denkmalschutz beschränkt sich längst nicht auf repräsentative Einzelgebäude, Schlösser oder Kirchen. Auch Wohnsiedlungen erzählen von Arbeitswelten, sozialen Verhältnissen, technischen Entwicklungen und den Lebensbedingungen vergangener Generationen.

Die jetzt veröffentlichten 2.300 Bilddokumente machen genau diese Geschichte sichtbar. Sie bewahren nicht nur architektonische Details, sondern dokumentieren ein Stück rheinischer Alltags- und Gesellschaftsgeschichte. Ein digitales Archiv, das zugleich Forschungsgrundlage, Wissensspeicher und öffentlich zugängliches Zeugnis regionaler Baukultur ist.

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