VEB Zetti

Kaum ein Name ist so eng mit der DDR-Süßwarenindustrie verbunden wie Zetti. Hinter der bekannten Marke stand der VEB Zetti Schokoladen- und Zuckerwaren Zeitz, ein traditionsreicher Betrieb, dessen Wurzeln bis ins 19. Jahrhundert zurückreichen. Produkte wie Knusperflocken und kleine Schokoladentafeln machten Zetti in der DDR zu einer bekannten Marke. Die Geschichte des Zeitzer Unternehmens beginnt 1831, als Friedrich August Oehler in Zeitz zunächst eine Material-, Tabak- und Farbwarenhandlung gründete. Ab 1846 wurden auch Back- und Zuckerwaren hergestellt. Sein Schwiegersohn Robert Gustav Donalies baute das Unternehmen anschließend zu einem größeren Süßwarenbetrieb aus.

1885 entstand im Norden von Zeitz eine große Fabrikanlage, in der später Schokolade und weitere Süßwaren industriell produziert wurden. Der Standort entwickelte sich zu einem bedeutenden Arbeitgeber der Stadt.

Aus Oehler wird Zetti

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der private Betrieb enteignet und in die volkseigene Wirtschaft der DDR überführt. 1953 entstand daraus der VEB Zetti, der später als VEB Zetti Schokoladen- und Zuckerwaren Zeitz firmierte. Das Landeshauptarchiv Sachsen-Anhalt führt für den Betrieb umfangreiche Unterlagen aus den Jahren 1946 bis 1967. Die Schokoladenproduktion wurde 1955 wieder aufgenommen. In den folgenden Jahren entwickelte sich Zetti zu einem wichtigen Bestandteil der DDR-Süßwarenindustrie.

Knusperflocken und Schokolade

Ab 1970 wurden kleine Schokoladentafeln mit unterschiedlichen Motiven produziert. Die handlichen Tafeln trugen dazu bei, die Marke Zetti in der DDR bekannt zu machen. Auch Motive aus der beliebten Kinderwelt des Sandmännchens fanden sich auf den Verpackungen. Ein besonders großer Erfolg waren die Zetti Knusperflocken. Die Produktion begann in den 1970er-Jahren auf einer leistungsfähigen Anlage in Zeitz. Daneben stellte der Betrieb unter anderem Kakao, Fondant-, Gelee- und Schaumzuckerwaren, Dragees und Nuss-Nougat-Creme her.

Ein Großbetrieb der DDR

1980 wurde der Zeitzer Betrieb in das neu organisierte VEB Kombinat Süßwaren eingebunden. Die Produktionspalette wurde nochmals erweitert. Zum Ende der DDR gehörten neben Schokolade und Knusperflocken zahlreiche weitere Süßwaren zum Programm. Der Betrieb beschäftigte zeitweise rund 1.500 Menschen und gehörte damit zu den bedeutenden Arbeitgebern der Stadt.

Nach 1990 beginnt der Umbruch

Mit der Wiedervereinigung musste sich Zetti in kurzer Zeit auf völlig neue Marktbedingungen einstellen. 1993 wurde die Goldeck Süßwaren GmbH gegründet, ein Jahr später übernahm sie die Produktionsanlagen und Markenrechte von Zetti. Damit begann die Privatisierung und der Neustart der traditionsreichen Marke. Die alten Fabrikanlagen konnten jedoch langfristig nicht erhalten werden. 1999 wurden die historischen Produktionsstandorte in Leipzig und Zeitz geschlossen. Die Produktion zog in eine neu errichtete Fabrik im Nordosten von Zeitz um.

Die alte Fabrik verfällt

Die historischen Gebäude an der Donaliesstraße verloren damit ihre ursprüngliche Funktion. Während die moderne Zetti-Produktion in Zeitz fortgeführt wurde, blieb die alte Fabrik zurück. Teile des denkmalgeschützten Komplexes verfielen zunehmend und wurden zu einem bekannten Beispiel für den Niedergang historischer Industriearchitektur.

Die Geschichte des VEB Zetti zeigt damit gleich zwei Seiten ostdeutscher Industriegeschichte: den Aufstieg einer traditionsreichen Fabrik zum erfolgreichen DDR-Süßwarenproduzenten – und den tiefgreifenden Wandel nach 1990. Die Marke Zetti überlebte, die alte Fabrik jedoch nicht in ihrer ursprünglichen Funktion.

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