Hinter dem Namen VEB Mertik Quedlinburg verbirgt sich eines der bedeutendsten Kapitel der Industriegeschichte der Harzstadt. Aus einer 1877 gegründeten Armaturenfabrik entwickelte sich ein hoch spezialisierter DDR-Großbetrieb für Mess-, Regel- und Steuerungstechnik. Zeitweise arbeiteten hier mehrere tausend Menschen. Die Geschichte begann am 1. April 1877, als der Ingenieur Otto Steinle und der Kaufmann Hermann Hartung in Quedlinburg eine Maschinen- und Armaturenfabrik gründeten. Zunächst wurden unter anderem Armaturen und Messgeräte für Dampfmaschinen und Dampfkessel gefertigt. Das Unternehmen wuchs schnell und entwickelte sich zu einem wichtigen Quedlinburger Industriebetrieb.

Mit der technischen Entwicklung erweiterte sich das Sortiment. Hinzu kamen unter anderem Pumpen, Druckregler, Thermometer, Manometer sowie pneumatische und elektrische Messgeräte. Damit bewegte sich das Unternehmen zunehmend in Richtung Mess- und Regeltechnik.
Nach dem Krieg beginnt eine neue Ära
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Betrieb zunächst als sowjetische Aktiengesellschaft geführt. 1950 ging das Werk als Messgerätewerk Quedlinburg an die DDR über. Anschließend wurde es als volkseigener Betrieb weitergeführt und erhielt den Namen VEB Mertik. In den folgenden Jahren wurde der Standort erheblich ausgebaut. Zwischen 1953 und 1964 entstanden neue Produktionsgebäude in Stahlbeton-Skelettbauweise zwischen Klopstockweg und dem Bahnhofsgelände.

Tausende Beschäftigte
Mertik entwickelte sich zu einem der wichtigsten Arbeitgeber Quedlinburgs. Rund 2.600 Menschen waren zeitweise im Unternehmen beschäftigt, davon etwa 2.200 direkt in Quedlinburg. Damit prägte das Werk nicht nur die Wirtschaft, sondern auch das gesellschaftliche Leben der Stadt. Zum Betrieb gehörte auch eine eigene Betriebsberufsschule. Die Ausbildung junger Fachkräfte war ein wichtiger Bestandteil des Unternehmens und wirkte über das Ende der DDR hinaus.



Technik für Industrie und Energie
Die Produkte von Mertik waren typische Erzeugnisse einer spezialisierten DDR-Industrie. Messgeräte, Regler und Steuerungstechnik wurden dort eingesetzt, wo industrielle Prozesse überwacht und geregelt werden mussten. Unterlagen aus den 1970er-Jahren weisen den Betrieb beispielsweise als Werk Mertik des VEB Kombinat Mess- und Regelungstechnik Dessau aus. Damit war Quedlinburg in die überregionale Struktur der DDR-Mess- und Regeltechnik eingebunden.

Das Ende nach 1990
Mit dem Zusammenbruch der DDR-Wirtschaft begann auch für Mertik eine schwierige Phase. Aus dem volkseigenen Betrieb wurde Anfang der 1990er-Jahre die Mertik Regelungstechnik GmbH. Der traditionsreiche Standort in Quedlinburg konnte seine frühere Bedeutung jedoch nicht bewahren. Die industrielle Nachfolge wurde schließlich außerhalb Quedlinburgs fortgeführt. Heute ist die Traditionslinie des Unternehmens mit Mertik Maxitrol verbunden, dessen Standort sich inzwischen in Thale befindet.

Die Fabrik erinnert an Quedlinburgs Industriezeitalter
Auf dem ehemaligen Werksgelände am Klopstockweg 10 sind Teile der historischen Fabrikanlage erhalten. Die Gebäude stehen für mehr als ein Jahrhundert Industriegeschichte – von der privaten Armaturenfabrik über den volkseigenen DDR-Großbetrieb bis zum Strukturbruch nach der Wiedervereinigung. Der VEB Mertik war damit weit mehr als eine Fabrik. Er war über Jahrzehnte einer der wichtigsten Arbeitgeber Quedlinburgs und ein bedeutender Hersteller von Mess- und Regeltechnik.
