VEB Lautex Weberei Eibau

Die Oberlausitz gehörte einst zu den wichtigsten Textilregionen Deutschlands. Auch in Eibau bestimmten Webereien über Generationen den Alltag. Später wurden viele der traditionsreichen Fabriken in den großen staatlichen VEB Lautex-Verbund integriert. Damit wurde die Textilproduktion in der Region zentral organisiert – und zugleich entstand einer der größten Textilbetriebe der DDR.

Die industrielle Textilgeschichte Eibaus reicht weit ins 19. Jahrhundert zurück. Die vorhandenen handwerklichen Strukturen entwickelten sich mit der Industrialisierung zu mechanischen Webereien. Unternehmen wie die C. G. Hoffmann AG in der benachbarten Region wuchsen zu großen Textilproduzenten heran und beschäftigten zeitweise mehr als tausend Menschen. Auch kleinere Webereien in Eibau und den umliegenden Orten wurden im Laufe der DDR-Geschichte schrittweise verstaatlicht und größeren Betriebseinheiten zugeordnet.

Lautex bündelt die Textilindustrie

In den 1970er-Jahren entstand mit den VEB Oberlausitzer Textilbetrieben Neugersdorf – Lautex ein gewaltiger Textilverbund. Zahlreiche frühere Privatbetriebe wurden darin zusammengeführt. Der Konzern entwickelte sich zu einem der größten Textilhersteller der DDR. 1979 beschäftigte Lautex nach historischen Untersuchungen rund 13.000 Menschen, etwa 70 Prozent davon waren Frauen. Produziert wurden unter anderem Bekleidungsstoffe, Tisch- und Haushaltswäsche, Garne und Zwirne. Ab 1977 gehörten sogar Lautex-Jeans zum Produktionsprogramm.

Weberei als wichtiger Arbeitgeber

Die Webereien waren für Eibau und die umliegenden Orte weit mehr als reine Produktionsstätten. Sie sicherten Einkommen für ganze Familien und prägten das soziale Leben der Gemeinden. In den Werkhallen liefen Webmaschinen teilweise im Schichtbetrieb. Der typische Rhythmus der Maschinen gehörte über Jahrzehnte zur Geräuschkulisse der Oberlausitz. Moderne Webtechnik wurde auch innerhalb des Lautex-Verbundes eingeführt. Zeitgenössische Berichte aus den 1970er-Jahren beschreiben beispielsweise den Einsatz sowjetischer Webautomaten und die damit verbundene Rationalisierung der Produktion.

Der große Bruch nach 1990

Mit dem Ende der DDR zerbrach auch das wirtschaftliche Fundament von Lautex. Die bisherigen Absatzmärkte und staatlichen Strukturen verschwanden, während die Betriebe plötzlich mit westdeutschen und internationalen Textilherstellern konkurrieren mussten. Am 1. Juli 1990 wurde Lautex in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Wenige Wochen später begann die Aufteilung des Unternehmens in einzelne Betriebsteile. Die großflächige Textilproduktion der Region konnte unter den neuen Bedingungen nicht aufrechterhalten werden.

Das Ende einer Industrieepoche

In den folgenden Jahren verschwanden zahlreiche Produktionsstätten. Fabrikhallen wurden stillgelegt, Maschinen abgebaut und Gebäude teilweise abgerissen. Auch in Eibau und den benachbarten Gemeinden veränderte sich das industrielle Erscheinungsbild grundlegend. Was über mehr als ein Jahrhundert gewachsen war, verschwand innerhalb weniger Jahre.

Ein Stück Oberlausitzer Industriekultur

Die VEB Lautex Weberei Eibau steht stellvertretend für eine ganze Industrielandschaft. Die Geschichte erzählt von der Entwicklung der Oberlausitz zur Textilregion, von der Verstaatlichung nach 1945 und der Zusammenfassung vieler Betriebe im DDR-Großbetrieb Lautex – aber auch vom dramatischen Niedergang nach der Wiedervereinigung. Wo einst Webstühle Tag und Nacht liefen, sind heute vielerorts nur noch historische Fabrikgebäude und Erinnerungen geblieben. Die Weberei gehört damit zu jener verschwundenen Arbeitswelt, die das Gesicht der Oberlausitz über Generationen geprägt hat.

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