VEB Heizkesselwerk Schönebeck

Schwere Gusskessel, Radiatoren und Heiztechnik gehörten jahrzehntelang zum industriellen Bild von Schönebeck. Im Heizkesselwerk an der Paulstraße wurden Anlagen gefertigt, die in zahlreichen Haushalten und Betrieben der DDR für Wärme sorgten. Die Geschichte des Standortes begann allerdings lange vor der Gründung des VEB. Die industrielle Geschichte des Areals reicht bis 1902 zurück. Damals begann die Nationale Radiator-Gesellschaft (NARAG) in Schönebeck mit der Großproduktion von Heizkörpern. Neben Radiatoren entstanden auch Wasser- und Dampfkessel sowie Küchenherde. Das Unternehmen gehörte zur internationalen American Radiator Company. Der Standort entwickelte sich zu einem wichtigen Zentrum der Heiztechnik. Auch nach dem Zweiten Weltkrieg blieb die Produktion erhalten.

Heiztechnik für die gesamte DDR

Nach Kriegsende wurde der Betrieb enteignet und zunächst in die Industriewerke Sachsen-Anhalt eingegliedert. 1948 erfolgte die Umwandlung in einen Volkseigenen Betrieb. Produziert wurden weiterhin Heizkessel und Radiatoren; bis 1968 gehörten auch Heizkörper zum Sortiment. Ab 1969 firmierte das Werk als VEB Heizkesselwerk Schönebeck. Der Betrieb entwickelte sich zu einem wichtigen Lieferanten der DDR-Heizungswirtschaft. Heizkessel aus Schönebeck wurden im gesamten Land eingesetzt. Das Landesarchiv Sachsen-Anhalt dokumentiert zudem eine eigene SED-Betriebsparteiorganisation des Werkes für die Jahre 1962 bis 1986.

GK21, K30 und K31

Besonders bekannt wurden die robusten Gussheizkessel. Modellbezeichnungen wie GK21, K30 und GK31 waren vielen DDR-Haushalten vertraut. Die Kessel waren für verschiedene feste Brennstoffe ausgelegt, darunter Braunkohle, Braunkohlebriketts und Koks. Noch Jahrzehnte später waren zahlreiche dieser massiven Anlagen in Betrieb. In den 1970er-Jahren wurde der Standort als Zweigbetrieb des VEB Harzer Werke geführt. Ein DDR-Produktkatalog von 1977 nennt für das Werk in der Paulstraße unter anderem Wasserrohr-Rauchrohrkessel der Typen OW 100 und OW 200.

Das Ende nach der Wende

Mit der deutschen Wiedervereinigung geriet auch das Heizkesselwerk unter den Druck der neuen Wirtschaftsordnung. Der Betrieb wurde als Gussheizkessel GmbH weitergeführt, konnte sich langfristig jedoch nicht behaupten. 1994 bedeutete ein Insolvenzverfahren das endgültige Aus für den traditionsreichen Produktionsstandort. Damit endete eine mehr als neun Jahrzehnte dauernde Geschichte der Heiztechnikproduktion in Schönebeck.

Vom Industriewerk zur Brache

Nach der Stilllegung verfiel das rund 8,7 Hektar große Werksgelände zunehmend. Große Teile der Fabrik wurden abgerissen, später entstanden auf Teilen des Areals neue Gebäude. Von der ursprünglichen Anlage blieb nur ein Teil erhalten. Besonders bemerkenswert ist das historische dreigeschossige Verwaltungsgebäude aus rotem Ziegelmauerwerk. Es steht unter Denkmalschutz und gehört zu den letzten sichtbaren Zeugnissen der einstigen Fabrikanlage.

Ein Stück DDR-Industriegeschichte

Das Heizkesselwerk Schönebeck steht beispielhaft für den Wandel der ostdeutschen Industrie: Aus einem internationalen Heiztechnikunternehmen wurde nach dem Krieg ein volkseigener Großbetrieb, dessen Produkte in Millionen Haushalten zum Alltag gehörten. Nach 1990 zerbrach die wirtschaftliche Grundlage innerhalb weniger Jahre. Heute erinnern nur noch wenige Gebäude und die erhaltenen Heizkessel an den einst bedeutenden Betrieb. Die robusten Gusskessel aus Schönebeck haben ihre Zeit dagegen vielfach überlebt – manche von ihnen arbeiten noch Jahrzehnte nach dem Ende des VEB.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert