VEB Globus Werke Leipzig

Ein monumentaler Atlas am Eingang, historische Backsteinfassaden und eine mehr als hundertjährige Industriegeschichte: Die Globus-Werke in Leipzig gehören zu den bemerkenswerten Zeugnissen der Leipziger Industriekultur. Einst wurden hier Putz- und Pflegemittel, Schuhcreme, Bohnerwachs, Autopolitur und später bekannte DDR-Produkte hergestellt. Heute ist aus dem ehemaligen Fabrikstandort ein modernes Quartier geworden. Die Wurzeln reichen bis 1878 zurück, als Fritz Schulz ein Unternehmen für chemische Produkte gründete. Um die Jahrhundertwende entstand daraus die Fritz Schulz jun. AG. Das Unternehmen entwickelte sich zu einem international tätigen Hersteller von Reinigungs-, Pflege- und Chemieprodukten.

Für die Produktion entstand 1897/98 an der heutigen Limburger Straße 30 ein großes Fabrikensemble. Der Komplex wurde in den folgenden Jahren mehrfach erweitert und erhielt seine markante Architektur mit Eisenbetonrippendecken und zahlreichen Schmuckelementen. Besonders auffällig ist die Atlasfigur am Eingangsbereich, die einen Globus trägt – und dem Werk seinen bekannten Namen gab.

Putzmittel, Schuhcreme und Autopolitur

Das Leipziger Unternehmen produzierte eine breite Palette chemischer Erzeugnisse. Dazu gehörten Putz- und Poliermittel, Waschpulver, Schuhcreme, Bohnerwachs und Autopflegemittel. Auch Schädlingsbekämpfungsmittel wurden später hergestellt. Marken wie „Globus“, „Global“ und „Palma“ machten die Produkte über die Region hinaus bekannt. Damit war die Fabrik ein typisches Beispiel für die vielseitige chemische Industrie Leipzigs vor dem Zweiten Weltkrieg.

Zerstörung und Neubeginn

Der Zweite Weltkrieg hinterließ schwere Schäden. Nach Angaben des Sächsischen Staatsarchivs waren die betrieblichen Gebäude und Einrichtungen zu etwa 85 Prozent zerstört. Der Wiederaufbau konnte erst ab 1949 mit gezielten Investitionen systematisch vorangetrieben werden. Im selben Jahr erfolgte die Verstaatlichung. Aus der Fritz Schulz jun. AG wurde der Chemisch-technische Betrieb VEB Globus-Werke Leipzig. Damit begann die DDR-Geschichte des traditionsreichen Unternehmens.

„Elsterglanz“ und Autopflegemittel

In der DDR wurde die Produktion weitergeführt und auf neue Erzeugnisse ausgerichtet. Ende der 1950er-Jahre begann in den Globus-Werken die Herstellung des bekannten Putz- und Poliermittels „Elsterglanz“. Daneben spielten Autopflegemittel eine zunehmend wichtige Rolle. Der Betrieb wechselte allerdings mehrfach seinen Namen und seine organisatorische Zugehörigkeit. Aus den Globus-Werken wurde unter anderem ein Betriebsteil von VEB Aerosol-Automat Karl-Marx-Stadt, später von VEB Wittol Lutherstadt Wittenberg und schließlich des VEB Otto Grotewohl Böhlen.

Nach der Wende kommt das Aus

Nach 1990 wurde der Betrieb reprivatisiert. Die Produktion wurde zunächst unter neuer Eigentümerschaft fortgeführt. Am Leipziger Standort entstand unter anderem die Karipol GmbH, die dort noch bis 1995 produzierte. Danach war endgültig Schluss. Das historische Fabrikensemble blieb anschließend ungenutzt. Ab 1995 stand das Gelände leer und entwickelte sich zunehmend zu einer markanten Industriebrache in Leipzig-Plagwitz.

Vom Lost Place zum Wohnquartier

Die Geschichte der Globus-Werke nahm jedoch eine überraschende Wendung. Ab 2017 wurde der denkmalgeschützte Fabrikkomplex umfassend umgebaut. Die historische Bausubstanz blieb dabei weitgehend erhalten und wurde in ein modernes Wohn- und Arbeitsquartier integriert. Damit verschwand der Lost Place, ohne dass die industrielle Vergangenheit vollständig ausgelöscht wurde. Die markante Architektur und die Atlasfigur erinnern noch heute an die einstige Fabrik.

Ein Stück Leipziger Industriegeschichte

Die Globus-Werke stehen exemplarisch für den Wandel Leipzigs: vom international tätigen Chemieunternehmen über den volkseigenen DDR-Betrieb bis zur verlassenen Fabrik und schließlich zum sanierten Denkmal. Wo einst Reinigungsmittel, Schuhcreme und Autopolitur produziert wurden, befinden sich heute Wohnungen und Gewerberäume. Die historische Fassade erzählt dabei weiterhin von einer Zeit, in der Plagwitz zu den wichtigsten Industriestandorten Leipzigs gehörte.

Die Globus-Werke sind damit ein gelungenes Beispiel dafür, wie sich ein ehemaliger Lost Place erhalten und zugleich neu erfinden kann.

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