Waschmittel, Spülmittel, Seifen und chemische Hilfsstoffe: Der VEB Fettchemie Karl-Marx-Stadt gehörte zu den bedeutenden Chemiebetrieben der DDR. Besonders eng verbunden ist der Name mit den bekannten Marken Fewa und fit. Hinter dem Konsumprodukt stand jedoch ein großer Industriebetrieb mit mehreren Produktionsstandorten und zeitweise rund 2.500 Beschäftigten. Die Geschichte begann mit Hermann Theodor Böhme, der 1881 in Chemnitz eine Drogen-, Farben- und Chemikalienhandlung gründete. 1908 entstand an der heutigen Neefestraße im Stadtteil Kappel eine größere chemische Fabrik. Produziert wurden unter anderem Appreturmittel, Textilöle und Seifen.

Ein entscheidender Schritt folgte 1932: Der Chemiker Heinrich Bertsch entwickelte mit Fewa eines der ersten vollsynthetischen Feinwaschmittel. Der Erfolg des Produkts führte zu einem starken Ausbau des Unternehmens. 1934 entstand unter Beteiligung des Henkel-Konzerns die Böhme Fettchemie GmbH.
Enteignung und Neubeginn als VEB
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Unternehmen im Zuge des sächsischen Volksentscheids 1946 enteignet. Aus dem bisherigen Privatunternehmen entstand schrittweise der volkseigene Betrieb. 1948 firmierte er als VEB Fettchemie und Fewa-Werke Chemnitz. 1956 erhielt der Betrieb schließlich den Namen VEB Fettchemie Karl-Marx-Stadt.

Chemie für Haushalt und Industrie
Das Produktionsprogramm war breit gefächert. Hergestellt wurden Wasch- und Spülmittel, Seifen, Desinfektionsmittel, Pflanzenschutzmittel sowie Hilfsstoffe für die Textil- und Lederindustrie. Innerhalb des RGW war der Betrieb zudem der einzige Hersteller synthetischer Gerbstoffe. Besonders bekannt wurden die DDR-Marken Fewa, Fay und fit. Das Spülmittel fit wurde 1954 zunächst als Pulver eingeführt und entwickelte sich zu einem echten DDR-Kultprodukt.





Ein Großbetrieb mit mehreren Standorten
Die Fettchemie blieb nicht auf Chemnitz beschränkt. Im Laufe der Jahre kamen weitere Betriebsteile hinzu, unter anderem in Mohsdorf, Zwickau, Dresden und Hirschfelde. In den 1980er-Jahren arbeiteten insgesamt rund 2.500 Menschen für den Betrieb, etwa 1.800 davon im Stammwerk in Karl-Marx-Stadt. Organisatorisch wechselte der VEB mehrfach seine übergeordnete Zuordnung. Ab 1980 gehörte er zum VEB Kombinat Haushaltchemie Genthin, ab 1984 zum Chemiekombinat Bitterfeld.





Das Ende nach der Wende
Mit dem Zusammenbruch der DDR-Wirtschaft geriet auch die Fettchemie unter enormen Druck. 1990 wurde der VEB in die Fettchemie GmbH umgewandelt. Das Chemnitzer Stammwerk galt jedoch als nicht sanierungsfähig und wurde bis Ende 1991 stillgelegt. Damit endete die Geschichte des traditionsreichen Produktionsstandortes an der Neefestraße.

Aus der Industriebrache wird ein Technologiepark
Nach der Stilllegung wurde das rund 8,5 Hektar große Werksgelände beräumt und saniert. Seit 1992 entwickelte die Solaris-Gruppe das Areal zu einem Technologie- und Gewerbestandort. Auf Teilen des ehemaligen Werksgeländes entstanden neue Unternehmen und Einrichtungen; der Standort wurde damit grundlegend neu genutzt. Die alte Fettchemie ist damit weitgehend verschwunden. Ihre Geschichte lebt jedoch in den bekannten Marken und in der Erinnerung an einen der bedeutenden Chemiebetriebe der Stadt weiter.

Vom Chemikalienhandel des Hermann Theodor Böhme über Fewa und fit bis zum volkseigenen Großbetrieb – die Geschichte der Fettchemie steht exemplarisch für Aufstieg, Verstaatlichung und Niedergang der Chemieindustrie in Ostdeutschland.
