VEB Fahrzeughydraulik Karl-Marx-Stadt

Anhänger, Kippaufbauten und hydraulische Fahrzeugtechnik: Der VEB Fahrzeughydraulik war ein wichtiger Bestandteil der DDR-Fahrzeugindustrie. Obwohl der eigentliche Stammbetrieb in Frankenberg lag, gehörte auch ein Betriebsteil in Karl-Marx-Stadt zum Unternehmen. Die Geschichte des Betriebes ist eng mit dem Namen Walter Hunger und später mit den VEB Barkas-Werken verbunden. Die Ursprünge reichen in die Nachkriegszeit zurück. Der Schmiedemeister Walter Hunger betrieb in Gunnersdorf bei Frankenberg zunächst einen Handwerksbetrieb für Schmiedearbeiten, Anhänger- und Fahrzeugbau sowie Reparaturen. Aus dem kleinen Unternehmen entwickelte sich ein spezialisierter Hersteller von Fahrzeugtechnik. Neben dem Hauptbetrieb in Frankenberg entstanden Zweigwerke, darunter ab 1957 in Karl-Marx-Stadt und ab 1958 in Leipzig.

Enteignung und VEB Fahrzeughydraulik

Ein entscheidender Einschnitt folgte 1958. Walter Hunger verließ die DDR und kehrte nicht zurück. Sein Vermögen wurde anschließend beschlagnahmt und schließlich enteignet. Zum 1. Januar 1961 wurde der Betrieb in Volkseigentum überführt und firmierte als VEB Fahrzeug-Hydraulik beziehungsweise VEB Fahrzeughydraulik Frankenberg. Das Unternehmen war als Exportbetrieb tätig und fertigte vor allem Spezialanhänger sowie hydraulische Kippaufbauten für Lastkraftwagen.

Ein Betriebsteil in Karl-Marx-Stadt

Der Fahrzeughydraulik-Betrieb bestand aus mehreren Betriebsteilen. Neben Frankenberg gehörte auch der Standort Karl-Marx-Stadt zum Unternehmen. Damit war der Betrieb unmittelbar mit der Fahrzeugindustrie der heutigen Stadt Chemnitz verbunden. Die Produkte wurden für unterschiedliche Nutzfahrzeuge benötigt. Hydraulische Systeme ermöglichten beispielsweise das Anheben von Kippaufbauten und gehörten damit zu den wichtigen technischen Komponenten im DDR-Fahrzeugbau.

Eingliederung in die Barkas-Werke

Die Eigenständigkeit des Betriebes währte allerdings nicht lange. Zum 1. Juli 1965 wurde der VEB Fahrzeughydraulik als Betriebsteil in die VEB Barkas-Werke Karl-Marx-Stadt eingegliedert. Damit wurde die Fahrzeughydraulik Teil eines der wichtigsten Fahrzeugbaubetriebe der DDR. Die Verbindung war naheliegend: Die Barkas-Werke produzierten Nutzfahrzeuge, während die Fahrzeughydraulik entsprechende technische Komponenten und Aufbauten lieferte.

Technik für die DDR-Fahrzeugindustrie

Das Produktionsprogramm war umfangreich. Neben hydraulischen Kippaufbauten entstanden verschiedene Anhänger und Spezialfahrzeuge. Das Sächsische Staatsarchiv dokumentiert zahlreiche technische Zeichnungen, Typenblätter, Ersatzteilkataloge, Versuchsberichte und Produktunterlagen des Betriebes. Damit lässt sich heute noch nachvollziehen, wie spezialisiert die Produktion war und welchen Stellenwert der Betrieb innerhalb der staatlich organisierten Fahrzeugindustrie besaß.

1990 endet eine Industriegeschichte

Mit dem Ende der DDR brach auch die bisherige Struktur des ostdeutschen Fahrzeugbaus zusammen. Die Verbindung zwischen Fahrzeughydraulik, Barkas und der staatlichen Fahrzeugindustrie verlor ihre Grundlage. 1990 endete die Geschichte des Betriebes in seiner bisherigen Form. Die Stadt Frankenberg erinnert heute mit einem eigenen Industrie- und Geschichtslehrpfad an die Station „Walter Hunger Fahrzeugwerke – VEB Fahrzeughydraulik – VEB Barkas Frankenberg“.

Ein vergessenes Kapitel des DDR-Fahrzeugbaus

Der VEB Fahrzeughydraulik ist heute weit weniger bekannt als die Barkas-Werke oder andere große DDR-Fahrzeugbetriebe. Dennoch spielte das Unternehmen eine wichtige Rolle: Ohne hydraulische Systeme, Anhänger und spezielle Fahrzeugaufbauten hätte ein großer Teil der Nutzfahrzeugproduktion nicht funktioniert. Vom kleinen Handwerksbetrieb Walter Hungers zum volkseigenen Spezialbetrieb und schließlich zum Barkas-Betriebsteil – die Geschichte der Fahrzeughydraulik zeigt exemplarisch, wie die DDR ihre Fahrzeugindustrie organisierte und nach 1990 unterging.

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