VEB Dietzold Elektroschaltgeräte

In der Franz-Flemming-Straße 9 steht ein markanter Industriebau, dessen Geschichte mehrere Kapitel Leipziger Wirtschaftsgeschichte verbindet. Die Dietzold-Werke wurden ursprünglich als Metallwarenfabrik errichtet. Später wurden hier Elektroschaltgeräte produziert, bevor der Standort in der DDR zum VEB und schließlich zu einem Betriebsteil des VEB Maiswerke Zerbst wurde. Nach dem Ende der Produktion verfiel das Gebäude – bis ein Brand und eine spätere Sanierung eine neue Entwicklung einleiteten.

Fabrik aus der Kaiserzeit

Das Gebäude entstand 1905 nach Plänen des Leipziger Architekten Emil Franz Hänsel. Auftraggeber war der Unternehmer J. Arthur Dietzold. In den Anfangsjahren wurden unter anderem Nägel, Schrauben, Drähte, Sprungfedern und Kellerfenstergewebe hergestellt. Schon wenige Jahre später änderte sich die Nutzung. Ab 1912 zog eine Kürschnerei in das Gebäude ein. Die Fabrik wurde damit Teil der für Leipzig bedeutenden Pelz- und Textilindustrie.

Elektroschaltgeräte statt Metallwaren

Später hielt die Elektroindustrie Einzug. Im Gebäude wurden Elektroschaltgeräte gefertigt. Nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte sich daraus das Elektroschaltgerätewerk Leipzig. Der historische Fabrikbau blieb damit über Jahrzehnte ein Produktionsstandort. In der DDR änderte sich die Zuordnung des Betriebes mehrfach. 1969 wurde das Werk in das Mitteldeutsche Maiswerk eingegliedert, 1974 folgte die Zuordnung als Betriebsteil zum VEB Maiswerk Zerbst. Damit endete auch die eigenständige Geschichte der Dietzold-Werke.

Nach der Wende beginnt der Verfall

Mit dem Ende der DDR verlor der traditionsreiche Fabrikstandort seine industrielle Funktion. Die Produktion wurde aufgegeben und das Gebäude stand über Jahre leer. Die einstige Fabrik entwickelte sich zu einer typischen Leipziger Industriebrache. Der imposante Ziegelbau mit seinen großen Produktionsräumen wurde zunehmend vom Verfall geprägt. Für Lost-Place-Fotografen wurde das ehemalige Werk zu einem interessanten Motiv.

Großbrand zerstört den Dachstuhl

Ein dramatischer Einschnitt folgte im Juli 2010. Gegen 3.30 Uhr brach im ehemaligen Dietzold-Werk ein Feuer aus. Der rund 1.500 Quadratmeter große Dachstuhl stand vollständig in Flammen. Die Feuerwehr konnte die Konstruktion nicht mehr retten und ließ sie kontrolliert abbrennen. Zurück blieb eine schwer beschädigte Industriebrache. Der charakteristische Giebel stand anschließend ohne Dachstuhl frei.

Neues Leben für die alte Fabrik

Doch das Dietzold-Werk sollte nicht endgültig verschwinden. 2013 übernahm ein Investor das Gebäude. In den folgenden Jahren begann die schrittweise Sanierung und Umnutzung. Ab etwa 2015 wurden erste Räume als Ateliers genutzt. Heute gilt die ehemalige Fabrik als Beispiel für eine erfolgreiche private Revitalisierung historischer Leipziger Industriebauten. Statt Maschinen und Produktionslinien finden sich inzwischen unter anderem Ateliers und kreative Nutzungen in dem historischen Gebäude.

Ein Denkmal der Leipziger Industriekultur

Die Geschichte der Dietzold-Werke zeigt, wie vielfältig die industrielle Vergangenheit Leipzigs ist. Metallwaren, Pelzverarbeitung, Elektroschaltgeräte und später sogar Lebensmittelproduktion gehören zu den unterschiedlichen Kapiteln des Gebäudes. Heute ist der Bau kein klassischer Lost Place mehr. Vielmehr steht er beispielhaft dafür, wie eine aufgegebene Fabrik durch neue Konzepte wiederbelebt werden kann. Vom Industrieunternehmen der Kaiserzeit über den DDR-Betrieb bis zum Kreativstandort: Das Dietzold-Werk hat mehr als ein Jahrhundert Leipziger Wandel überstanden.

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