Eine Brautradition, die sich bis ins Mittelalter zurückverfolgen lässt, endete im späten 20. Jahrhundert hinter den Mauern einer traditionsreichen Brauerei. Die ehemalige Brauerei Weida an der Greizer Straße und Quellenstraße war über Jahrzehnte ein wichtiger Teil der örtlichen Wirtschaft. Heute erinnern vor allem die alten Ziegelgebäude an den einstigen Brauereibetrieb. Brauen hat in Weida eine außergewöhnlich lange Tradition. Bereits 1377 ist das Brauereiwesen in der Stadt urkundlich belegt. Über Jahrhunderte entwickelte sich die Bierherstellung weiter, bevor Ende des 19. Jahrhunderts der Schritt zur industriellen Produktion erfolgte.
Die neue Brauerei wurde ab 1897 geplant. 1898 erfolgte die Grundsteinlegung, bereits ein Jahr später ging der Betrieb in Betrieb. Die bis heute erhaltenen Ziegelbauten prägten fortan das Bild des Areals.

Bock, Pils und Malzbier
Produziert wurden verschiedene Biersorten. Zum Sortiment gehörten unter anderem Bockbier, Pilsner, Kraftbier und Malzbier. Damit bediente die Brauerei nicht nur den lokalen Markt, sondern war Teil einer größeren regionalen Bierwirtschaft. Mit der politischen Neuordnung nach dem Zweiten Weltkrieg änderten sich jedoch auch die Eigentums- und Organisationsstrukturen.
Die Brauerei in der DDR
In der DDR wurde die Brauerei zum VEB Brauerei Weida. Ab den 1970er-Jahren gehörte der Betrieb zum VEB Getränkekombinat Gera. Später kam der Standort in die Regie der VEB Köstritzer Schwarzbierbrauerei. Damit war die einst eigenständige Brauerei Teil der zentralisierten DDR-Getränkeindustrie. Die alten Produktionsanlagen wurden weiterhin genutzt. Noch 1988 wurden Gärbottiche aus dem Jahr 1975 ausgebaut und verschrottet. Doch zu diesem Zeitpunkt zeichnete sich bereits das Ende des eigentlichen Braubetriebs ab.

1988 endet das Bierbrauen
1988 wurde die Bierproduktion in Weida eingestellt. Bier wurde anschließend per Tankwagen angeliefert und in der ehemaligen Brauerei lediglich noch abgefüllt. Damit verlor der traditionsreiche Standort seine wichtigste Funktion. Nur wenige Jahre später war endgültig Schluss. Nach dem Ende der DDR fehlte dem historischen Komplex eine wirtschaftliche Perspektive. Seit 1992 stand die ehemalige Brauerei weitgehend leer. Über Jahre verfielen die Gebäude. Die rund 25.000 Quadratmeter große Fläche wurde zunehmend von Leerstand und Verfall geprägt.
Die markanten Ziegelbauten, alte Produktionsbereiche und der große Brauteich blieben jedoch erhalten und machten das Gelände zu einem eindrucksvollen Zeugnis der Weidaer Industriegeschichte.

Ein Lost Place mit Zukunft?
Lange galt die ehemalige Brauerei als typischer Lost Place. Die Gebäude zeigten zunehmend die Spuren des jahrzehntelangen Leerstands. Gleichzeitig gab es immer wieder Überlegungen für eine neue Nutzung des großen Areals. Die vorhandene Bausubstanz bietet dabei einen ungewöhnlichen Rahmen: historische Ziegelarchitektur, industrielle Räume und die lange Geschichte der Braustätte könnten miteinander verbunden werden. Nach Angaben einer aktuellen Dokumentation gibt es inzwischen einen neuen Eigentümer und Überlegungen für eine Kombination aus Gastronomie, Übernachtungsmöglichkeiten, Wohnen und Gewerbe.

Ein Stück Weidaer Industriegeschichte
Die ehemalige VEB Brauerei Weida erzählt damit nicht nur die Geschichte eines DDR-Betriebes. Ihre Wurzeln reichen Jahrhunderte weiter zurück. Von den ersten Nachweisen des Brauwesens im 14. Jahrhundert über die industrielle Brauerei ab 1899 bis zum VEB der DDR und dem Ende der Bierproduktion 1988 spannt sich ein außergewöhnlicher historischer Bogen.
Heute stehen die alten Gebäude für den Wandel einer ganzen Industrie. Wo einst Bier gebraut, vergoren und abgefüllt wurde, zeugen inzwischen Ziegelmauern und verlassene Produktionsräume von einer vergangenen Epoche. Die Brauerei Weida ist damit ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie schnell ein einst lebendiger Industriebetrieb zum Lost Place werden kann – und wie wertvoll solche Orte für das Verständnis regionaler Geschichte sind.
