VEB Berliner Metallhütten und Halbzeugwerke (BMHW)

Wo heute neue Nutzungen und Wohnquartiere entstehen, befand sich jahrzehntelang einer der bedeutenden Metallbetriebe Ost-Berlins: der VEB Berliner Metallhütten- und Halbzeugwerke (BMHW). Das weitläufige Industrieareal erstreckte sich beiderseits der Spree über Niederschöneweide und Oberschöneweide. Bis zu 2.300 Menschen arbeiteten hier im Schichtbetrieb. Der VEB BMHW entstand am 1. Januar 1951. Zusammengeführt wurden drei zuvor verstaatlichte Unternehmen: das ehemalige Hüttenwerk, das Berliner Halbzeugwerk und der Betrieb Sonderbronze. Damit entstand ein breit aufgestellter Metallindustriebetrieb, der zunächst direkt dem DDR-Ministerium für Schwerindustrie unterstand. 1970 wurde das Unternehmen Teil des VEB Mansfeld Kombinat „Wilhelm Pieck“.

Die Produktionsstandorte lagen in drei Werkteilen. In Niederschöneweide befand sich unter anderem die eigentliche Hütte mit Kupfer-, Aluminium- und Zinkproduktion. Ein weiterer Werksteil stellte Rohre, Stangen und Profile aus Kupfer und Kupferlegierungen her. In Oberschöneweide konzentrierte sich die Produktion unter anderem auf Metallguss und Gleitlager.

Schwere Arbeit am Schmelzofen

Die Arbeit im BMHW war körperlich hart. Schmelzöfen, Pressen, Walz- und Ziehanlagen bestimmten den Arbeitsalltag. Historische Fotografien aus den 1960er- und 1980er-Jahren dokumentieren die Arbeitsbedingungen eindrucksvoll. Das Deutsche Technikmuseum bezeichnete die Aufnahmen des Fotografen Günter Krawutschke als Einblicke in eine heute verschwundene Welt der Ostberliner Industriearbeit.

Die Produktion lief vielfach im Dreischichtbetrieb. Besonders die Schmelz- und Hochöfen mussten möglichst kontinuierlich betrieben werden. Der BMHW war damit nicht nur ein großer Arbeitgeber, sondern ein wichtiger Bestandteil der industriellen Infrastruktur der DDR-Hauptstadt.

Ein eigener Mikrokosmos

Wie viele große DDR-Betriebe war der BMHW weit mehr als eine Produktionsstätte. Zum Unternehmen gehörten soziale und kulturelle Einrichtungen. In den 1950er-Jahren entstand das Kulturhaus „Ernst Schneller“ an der Fließstraße. Außerdem unterhielt der Betrieb einen Kindergarten, ein Ferienlager und ein Betriebsferienheim auf Hiddensee. Auch der Sport spielte eine wichtige Rolle. Die Betriebssportgemeinschaft BSG Stahl Schöneweide war unter anderem im Fußball und Boxen aktiv.

Die Schattenseite der Metallproduktion

Die intensive industrielle Produktion hinterließ jedoch deutliche Spuren. Abgase aus den Schmelzöfen belasteten die Umgebung, hinzu kamen Verunreinigungen des Kühlwassers und Belastungen des Bodens. Auch Jahrzehnte später sind die Flächen deshalb Gegenstand von Altlastenuntersuchungen. Für Teile des früheren Werkgeländes dokumentieren Berliner Behörden eine jahrzehntelange industrielle Nutzung und erhebliche Auffüllungen im Untergrund.

Nach der Wende kommt das Ende

Mit dem politischen und wirtschaftlichen Umbruch von 1989/90 verlor der BMHW seine Grundlage. 1990 wurde die Produktion eingestellt, das Unternehmen abgewickelt. Nur einzelne Betriebsteile konnten weitergeführt werden, darunter die spätere ADMOS Gleitlager GmbH. Auf großen Teilen des ehemaligen Werksgeländes begann anschließend eine lange Phase des Leerstands. Produktionshallen verfielen, Fenster gingen zu Bruch und die Natur eroberte Teile des Areals zurück.

Vom Industrieareal zum neuen Stadtquartier

Das ehemalige BMHW-Gelände blieb über Jahre ein eindrucksvolles Zeugnis der untergegangenen DDR-Industrie. Einige historische Gebäude wurden erhalten und in neue Nutzungen überführt. Andere verschwanden.

Auf dem früheren Industrieareal in Niederschöneweide sind inzwischen neue städtebauliche Entwicklungen entstanden. Für Teile des ehemaligen Werkgeländes waren beziehungsweise sind Wohnungsbau und neue Quartiersstrukturen vorgesehen. Berliner Planungsunterlagen beschreiben die alten Produktions- und Lagergebäude als stark sanierungsbedürftig; einige wiesen bereits fehlende Dächer, Brandschäden und erhebliche Bauschäden auf.

Ein Stück DDR-Industriegeschichte verschwindet

Der VEB Berliner Metallhütten- und Halbzeugwerke steht heute für eine Industrieepoche, die Berlin nachhaltig geprägt hat. Tausende Menschen waren über die Jahrzehnte mit dem Werk verbunden. Hier wurde geschmolzen, gegossen, gepresst, gezogen und gewalzt. Von dieser industriellen Welt ist nur noch ein Bruchteil erhalten. Einige Gebäude und Relikte erinnern an den früheren Großbetrieb, während andere Flächen längst einer neuen Nutzung zugeführt wurden.

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