Spielzeugwarenfabrik Zrost

In der Freiligrathstraße in Taucha bei Leipzig stehen die Reste eines ungewöhnlichen Industrieensembles. Einst wurden hier unter anderem Zelte und Medizinbälle produziert, nach der Wende zog die Spielwarenfirma Zrost ein und fertigte die bekannten Ankersteine. Heute sind große Teile der ehemaligen Fabrik zerstört. Brände, Leerstand und Verfall haben aus dem einstigen Produktionsstandort eine schwer gezeichnete Industriebrache gemacht. Dabei gehört das historische Fabrikensemble selbst zu den geschützten Sachzeugen der Tauchaer Industriegeschichte.

Vom Industriebetrieb zum VEB Zelta

Die Geschichte des Areals reicht deutlich weiter zurück als bis zur Spielwarenproduktion. Die ersten Gebäude der ehemaligen Emaillierfabrik Carl Hoep entstanden 1910, weitere Anlagen folgten in den 1920er und 1930er Jahren. Das erhaltene Verwaltungs- und Produktionsgebäude gilt als besonders charakteristischer Fabrikbau seiner Zeit. Zum Ensemble gehören unter anderem Kesselhaus, Schornstein, Maschinenhaus, Lager- und Sozialgebäude.

Während des Zweiten Weltkriegs und in der DDR-Zeit veränderte sich die Nutzung. Der Betrieb wurde zum VEB Zelta Taucha und produzierte unter anderem Zelte und Medizinbälle. Bis 1990 blieb das Areal ein industriell genutzter Standort. Mit dem Ende der DDR kam auch für diesen Betrieb der wirtschaftliche Umbruch.

Zrost und die Ankersteine

Nach der Auflösung des VEB wurde das rund 14.000 Quadratmeter große Gelände im Zuge der Treuhand-Abwicklung geteilt. Ab 1991 nutzte zunächst eine Sattlerei einen Teil der Gebäude. Wenig später kam die Zrost Spielwaren GmbH & Co. KG hinzu. Das Unternehmen produzierte beziehungsweise vertrieb hier die bekannten Ankersteine, die an die historische Tradition der Anker-Steinbaukästen anknüpften.

Für kurze Zeit schien damit eine neue industrielle Nutzung gefunden. Teile der alten Hallen wurden für die Spielwarenproduktion hergerichtet. Parallel dazu entwickelte sich das Areal zu einem ungewöhnlichen Kreativstandort. Künstler nutzten Gebäudeteile für Ateliers und Ausstellungen und versuchten, den historischen Bestand zumindest teilweise vor dem weiteren Verfall zu bewahren.

Insolvenz und Leerstand

Doch auch diese zweite Nutzungsgeschichte war nur von kurzer Dauer. Gegen die Zrost Spielwaren GmbH & Co. KG wurde 1999 das Insolvenzverfahren eröffnet. 2005 wechselte das Grundstück erneut den Besitzer beziehungsweise fiel an den Rechtsnachfolger der Treuhand zurück. Eine dauerhafte Nutzungsperspektive war damit endgültig verloren.

Danach begann der eigentliche Niedergang. Die leerstehenden Gebäude wurden zunehmend sich selbst überlassen. Brände beschädigten große Teile der Anlage, Dächer und Gebäudeteile gingen verloren. Innerhalb von zwei Jahren musste die Feuerwehr nach vorliegenden Berichten mehrfach zu Einsätzen auf dem Gelände ausrücken. Inzwischen sind Teile der historischen Fabrik eingestürzt.

Ein Denkmal im Verfall

Besonders bitter ist der heutige Zustand vor dem Hintergrund des Denkmalwerts. Die ehemalige Emaillierfabrik Carl Hoep ist als Sachgesamtheit erfasst und gilt als weitgehend authentisches Zeugnis der Industriearchitektur ihrer Entstehungszeit. Das Ensemble dokumentiert mehrere Generationen industrieller Nutzung – von der Emaillierfabrik über weitere Gewerbebetriebe und den VEB Zelta bis zur Spielwarenproduktion nach 1990.

Die Spielzeugwarenfabrik Zrost ist damit eigentlich nur ein Kapitel einer wesentlich älteren Industriegeschichte. Gerade dieser Umstand macht den Ort interessant: Nicht eine einzelne Firma hat hier Spuren hinterlassen, sondern mehr als ein Jahrhundert wechselnder Nutzungen. Heute erzählen die verbliebenen Mauern vor allem vom Ende dieser Geschichte.

Aus einem funktionierenden Industriegelände wurde nach der Wende ein Zwischenraum für neue Unternehmen und Künstler, anschließend eine Brache und schließlich eine vom Verfall gezeichnete Ruine. Die Zrost-Fabrik steht damit exemplarisch für jene ostdeutschen Industriestandorte, bei denen der Strukturwandel nicht in einer erfolgreichen Nachnutzung endete, sondern in Leerstand, Vandalismus und Substanzverlust.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert