Am Rand des heutigen Berzdorfer Sees bei Görlitz-Hagenwerder steht ein Relikt aus einer Zeit, in der hier nicht gebadet, gesegelt oder spaziert wurde. Statt Wasser erstreckte sich über Jahrzehnte ein gewaltiger Braunkohletagebau. Mittendrin arbeitete der Schaufelradbagger 1452. Der riesige Tagebaubagger gehört heute zu den eindrucksvollsten technischen Zeitzeugen der Lausitzer und mitteldeutschen Braunkohlegeschichte. Mit einer Höhe von 33,5 Metern und einer Länge von 75 Metern ist die Maschine noch immer weithin sichtbar.
1961 in Lauchhammer gebaut
Der Bagger trägt die Typenbezeichnung SRs 1200 und wurde 1961 vom VEB Schwermaschinenbau Lauchhammerwerk hergestellt. Seine erste Einsatzstätte war jedoch nicht der Tagebau Berzdorf. Zunächst wurde die Maschine im Tagebau Phönix südlich von Leipzig eingesetzt. Dort arbeitete sie bis zur Stilllegung des Tagebaus im Jahr 1968. Anschließend wurde der Bagger zerlegt und in Einzelteilen nach Berzdorf transportiert.

Jahrzehntelang fraß sich das Schaufelrad durch die Braunkohle
Im Tagebau Berzdorf wurde der 1452 zum Teil einer gewaltigen Fördertechnik. Das rotierende Schaufelrad löste das Erdreich und die Braunkohle aus der Tagebauwand. Über Förderbänder wurde das Material anschließend weitertransportiert. Das Schaufelrad besitzt einen Durchmesser von 8,6 Metern. Acht Schaufeln mit jeweils 1,2 Kubikmetern Inhalt konnten das Material aufnehmen. Bei maximaler Leistung waren theoretisch bis zu 3.744 Kubikmeter pro Stunde möglich. Die Dimensionen machen deutlich, in welcher Größenordnung im Tagebau gearbeitet wurde.

1.940 Tonnen auf sechs Raupenfahrwerken
Der Bagger ist nicht nur hoch und lang – er ist vor allem schwer. Rund 1.940 Tonnen bringt das Tagebaugroßgerät auf die Waage. Sein sechsteiliges Raupenfahrwerk ermöglicht es dennoch, den Koloss innerhalb des Tagebaus zu bewegen. Die maximale Fahrgeschwindigkeit lag allerdings lediglich bei etwa sechs Metern pro Minute. Für einen Richtungswechsel benötigte die Maschine einen Radius von rund 50 Metern. Angetrieben wurde die Technik mit einer installierten elektrischen Leistung von 1.650 Kilowatt und einer Versorgung über ein 6-kV-Stromkabel. Im regulären Betrieb waren mindestens drei Beschäftigte erforderlich.
Der Tagebau verschwand – der Bagger blieb
Die Braunkohleförderung im Tagebau Berzdorf endete im Dezember 1997. Damit war die ursprüngliche Aufgabe des riesigen Baggers beendet. Verschrottet wurde er jedoch zunächst nicht. Noch bis 2001 wurde der Bagger bei Arbeiten zur Rekultivierung eingesetzt. Danach sollte eigentlich auch für ihn das Ende kommen. Doch ehemalige Bergleute und Technikfreunde setzten sich für den Erhalt ein.

Aus dem Arbeitsgerät wird ein technisches Denkmal
Am 26. Oktober 2001 wurde anlässlich der Außerdienststellung des letzten Tagebaugroßgerätes der Verein Bergbaulicher Zeitzeugen gegründet. Ziel war und ist es, die Erinnerung an den Bergbau und seine Technik zu bewahren. Der Bagger wurde konserviert und als technisches Denkmal erhalten. Auch weitere historische Bergbaumaschinen befinden sich auf dem Ausstellungsgelände. Heute gehört der Schaufelradbagger 1452 zur Industriekultur der Region und ist als Kulturdenkmal erfasst.
Wo einst Mondlandschaft war, liegt heute ein See
Besonders eindrucksvoll wird die Geschichte des Baggers durch seine heutige Umgebung. Der ehemalige Tagebau wurde nach dem Ende der Kohleförderung geflutet. Aus der riesigen Bergbaugrube entstand der Berzdorfer See. Heute prägen Wasser, Uferwege und Freizeitangebote die Landschaft. Der gewaltige Bagger erinnert dagegen daran, dass diese scheinbar natürliche Seenlandschaft erst durch einen tiefgreifenden Eingriff in die Landschaft entstanden ist. Die Stadt Görlitz bezeichnet ihn entsprechend als Zeitzeugen der jahrzehntelangen Braunkohlegewinnung.

Ein begehbares Denkmal
Der Bagger ist nicht nur aus der Ferne zu betrachten. Besucher können die Maschine im Rahmen von Führungen erkunden und dabei bis in eine Höhe von etwa 24 Metern gelangen. Damit wird die Dimension des Tagebaugroßgeräts unmittelbar erfahrbar. Auch der Kontrollraum und weitere technische Einrichtungen vermitteln einen Eindruck vom damaligen Arbeitsalltag im Tagebau.
Kein Lost Place – aber ein außergewöhnlicher Zeitzeuge
Für die Lost-Places-Szene ist der Bagger 1452 ein Sonderfall. Er ist weder verlassen noch dem Verfall preisgegeben. Im Gegenteil: Der Koloss wird bewusst erhalten und museal betreut. Trotzdem besitzt er vieles, was Lost Places so faszinierend macht. Die Maschine erzählt von einer untergegangenen Arbeitswelt, von riesigen Tagebauen, verschwundenen Dörfern und einer Landschaft, die innerhalb weniger Jahrzehnte vollständig verändert wurde. Der Bagger selbst ist dabei das letzte große technische Bindeglied zu dieser Epoche.

Ein Dinosaurier aus Stahl
Heute steht der 1452 scheinbar ruhig am Rand des Berzdorfer Sees. Doch seine Dimensionen lassen noch erkennen, welche Gewalt hinter dem industriellen Braunkohleabbau steckte. 75 Meter lang, 33,5 Meter hoch und rund 1.940 Tonnen schwer – der Bagger ist ein Monument der DDR-Braunkohleindustrie und zugleich ein Mahnmal für die tiefgreifenden Veränderungen, die der Tagebau in der Oberlausitz hinterlassen hat. Wo früher Kohle gefördert wurde, erstreckt sich heute ein See. Und wo einst ein gigantischer Tagebaukomplex arbeitete, steht nun ein einzelner Stahlkoloss – als sichtbares Gedächtnis einer vergangenen Industrieepoche.
