Tief im Eilenburger Ratsforst bei Strelln, heute Ortsteil von Mockrehna, verbirgt sich eines der weitläufigsten ehemaligen Militärgelände der Region. Die Munitionsanstalt Strelln, kurz Muna, entstand ab 1935/36 im Zuge der Aufrüstung der Wehrmacht. Auf einer Fläche von rund 150 Hektar entstand ein weitgehend abgeschirmter Komplex aus Lagerbunkern, Arbeitsgebäuden, Straßen und Gleisanlagen.
Die Anlage war konsequent auf die Lagerung und Versorgung mit Munition ausgelegt. Rund 100 Lagerbunker, Munitionsarbeitshäuser, Luftschutz-Deckungsgräben, Generator- und Trafobunker, Feuerwache, Kommandantur, Garagen, Unterkunftsgebäude und ein Lokschuppen gehörten zum Komplex. Ein eigener Bahnanschluss verband die Muna zunächst mit dem Bahnhof Mockrehna. Später kam eine weitere Verbindung in Richtung Doberschütz hinzu. Bis 1942 war das Waldgebiet weitgehend mit der militärischen Infrastruktur überzogen. Die abgeschiedene Lage war dabei kein Zufall: Die Munition sollte möglichst weit entfernt von dichter Besiedlung gelagert werden.

Rüstungsstandort im Zweiten Weltkrieg
Die Muna war Bestandteil der nationalsozialistischen Kriegs- und Rüstungswirtschaft. 1942 wurde im Nordwestteil der Anlage zudem eine Füllstelle für Kampfstoffmunition eingerichtet. Damit erhielt der Standort eine besonders brisante Funktion innerhalb des militärischen Systems. Der Ausbau der Anlage ging mit erheblichem Arbeitseinsatz einher. Nach der Chronik des Ortsteils Strelln waren neben deutschen Firmen auch Strafgefangene des Strafbataillons 999 und sowjetische Kriegsgefangene am Bau beteiligt.

Nach 1945 übernahm die Sowjetarmee
Mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs war die Geschichte der Muna keineswegs vorbei. Im April 1945 besetzte die Rote Armee das Gelände. Ab 1946 wurde es als Artillerie-Munitionslager der sowjetischen Streitkräfte genutzt. In den folgenden Jahrzehnten kamen weitere Gebäude und technische Einrichtungen hinzu. Parallel dazu wurde ein Teil des Areals von der NVA genutzt. Das ehemalige Wehrmachtsgelände blieb damit über Jahrzehnte militärisches Sperrgebiet. Die abgeschottete Lage im Wald und die militärische Geheimhaltung sorgten dafür, dass sich um die Muna zahlreiche Geschichten und Erinnerungen entwickelten. Zeitzeugen berichteten unter anderem von einem Vorfall mit einer Giftgaswolke, der sich in der DDR-Zeit ereignet haben soll. Die entsprechenden Erinnerungen sind allerdings nicht in allen Einzelheiten belegt.








Von der NVA zur Bundeswehr
Nach dem Ende der DDR veränderte sich die militärische Nutzung erneut. Die sowjetischen Streitkräfte zogen 1993 aus dem Gelände ab. Der westliche beziehungsweise von der NVA genutzte Bereich wurde anschließend von der Bundeswehr übernommen und als Munitionslager weitergeführt. Damit blieb die Muna auch nach dem Ende des Kalten Krieges ein militärisch genutzter und entsprechend abgeschirmter Ort. Erst mit dem späteren Rückzug der Bundeswehr begann die Geschichte des Areals als ehemaliger Militärstandort.

Lost Place mit Sicherheitsgeschichte
Was heute von der Muna Strelln sichtbar ist, erzählt deshalb mehrere Kapitel deutscher Militärgeschichte. Die Betonbunker und teilweise überwucherten Wege verweisen auf die Wehrmacht, die späteren Veränderungen auf die sowjetische Besatzungsmacht und die NVA. Zugleich steht das Gelände für die jahrzehntelange militärische Nutzung während des Kalten Krieges. Anders als bei vielen verlassenen Kasernen handelt es sich dabei nicht einfach um einen aufgegebenen Gebäudekomplex. Munitionslager sind besondere Orte: Altlasten, Kampfmittel und teilweise schwer zugängliche Bereiche machen eine zivile Nachnutzung erheblich komplizierter.

Ein Wald als Archiv der Militärgeschichte
Die Muna Strelln ist damit ein außergewöhnliches Beispiel dafür, wie sich militärische Infrastruktur über mehrere politische Systeme hinweg erhalten hat. Aus einer Luftmunitionsanstalt der NS-Zeit wurde ein sowjetisches und später ostdeutsches Militärgelände, bevor Teile schließlich von der Bundeswehr weitergenutzt wurden. Heute liegt die Geschichte vieler dieser Anlagen verborgen zwischen Bäumen und überwucherten Wegen. Die Muna Strelln ist deshalb weniger ein klassischer Lost Place als ein weitläufiges Freiluftarchiv deutscher Militärgeschichte – und zugleich ein Ort, an dem die Hinterlassenschaften von Krieg, Rüstung und jahrzehntelanger Geheimhaltung bis heute sichtbar sind.
