Im Magdeburger Stadtpark Rotehorn steht mit der Hyparschale eines der außergewöhnlichsten Bauwerke der DDR-Moderne. Die 1969 errichtete Mehrzweckhalle entstand nach den Plänen des Bauingenieurs Ulrich Müther und wurde zunächst als Messe-, Ausstellungs- und Veranstaltungshalle genutzt. Das Gebäude fällt vor allem durch sein spektakuläres Dach auf. Vier hyperbolische Paraboloidschalen aus Stahlbeton überspannen eine Fläche von 48 × 48 Metern. Die nur rund sieben Zentimeter starke Dachkonstruktion kommt dabei nahezu ohne innere Stützen aus. Damit gilt die Magdeburger Hyparschale als größtes erhaltenes Bauwerk dieser Art aus Müthers Bauunternehmen.

Mehrzweckhalle der DDR-Moderne
Die Halle war Teil des bereits bestehenden Messegeländes im Rotehornpark. Neben Ausstellungen fanden hier unter anderem Veranstaltungen, Konzerte und Feste statt. Die ungewöhnliche Konstruktion machte das Gebäude schnell zu einem markanten Bestandteil des Magdeburger Stadtbildes. Müther, der zahlreiche Schalenbauten in der DDR entwarf, setzte auch in Magdeburg auf eine damals außergewöhnliche Verbindung aus filigraner Betonkonstruktion und großzügiger Verglasung.


Leerstand und drohender Abriss
Mit den Jahren verschlechterte sich der Zustand der Hyparschale erheblich. 1997 wurde die Halle baupolizeilich gesperrt, anschließend begann ein mehr als zwei Jahrzehnte dauernder Leerstand. Das undichte Dach und die alternde Bausubstanz wurden zunehmend zum Problem. Zwischenzeitlich war das Gebäude sogar akut gefährdet und musste zeitweise durch eine Stützkonstruktion gesichert werden. Mehrere Initiativen setzten sich für den Erhalt des außergewöhnlichen Bauwerks ein. Nachdem die Suche nach einem privaten Investor erfolglos geblieben war, entschied sich die Stadt Magdeburg 2017, die Sanierung selbst in Angriff zu nehmen.

Rettung für ein DDR-Baudenkmal
Die denkmalgerechte Sanierung begann Ende 2019. Eine besondere Herausforderung war die Erneuerung der Betonschalen. Dabei kam Carbonbeton zum Einsatz, mit dem die Tragfähigkeit des historischen Daches wiederhergestellt und verbessert werden konnte. Gleichzeitig wurden die ursprünglichen Lichtbänder zwischen den Schalen wieder geöffnet. Auch im Inneren wurde das Gebäude grundlegend neu organisiert. Galerieebenen, Brücken und Funktionsbereiche schaffen heute flexible Möglichkeiten für Ausstellungen, Tagungen, Kongresse und Veranstaltungen.

Vom Lost Place zurück ins Stadtleben
Nach mehr als 20 Jahren Leerstand wurde die sanierte Hyparschale wiedereröffnet. Heute steht sie wieder als multifunktionaler Veranstaltungsort zur Verfügung. Im Inneren können bis zu 500 Besucher Platz finden. Damit ist die Geschichte der Hyparschale ein ungewöhnliches Beispiel dafür, wie ein einst vom Abriss bedrohtes DDR-Bauwerk durch Denkmalschutz, technische Innovation und eine neue Nutzung erhalten werden kann. Aus dem verfallenden Lost Place im Rotehornpark wurde wieder ein funktionierender Bestandteil des Magdeburger Kultur- und Veranstaltungslebens.
