Der Name sorgt bis heute regelmäßig für Irritationen: Bei der ehemaligen Schwarzwaldklinik in Bad Rippoldsau handelt es sich nicht um die bekannte Fernsehklinik aus der Kultserie der 1980er Jahre, deren Drehort im Glottertal lag. Dennoch besitzt auch dieses Klinikareal eine bemerkenswerte Geschichte und galt über Jahrzehnte als eine der renommiertesten Rehabilitationseinrichtungen im Schwarzwald. Die Klinik befindet sich im traditionsreichen Kurort Bad Rippoldsau, der insbesondere durch seine Mineral- und Moorheilbäder bekannt wurde. Die reine Luft, die ausgedehnten Wälder und die natürlichen Heilquellen machten die Region weit über die Landesgrenzen hinaus zu einem beliebten Ziel für Erholungssuchende und Rehabilitationspatienten.
Wirtschaftliche Probleme führen zum Ende der Klinik
Doch die Erfolgsgeschichte fand ein abruptes Ende. Seit dem Jahr 2012 steht die 1977 errichtete Klinik leer. Gemeinsam mit dem Hauptgebäude wurden auch die Jugendstilvilla „Sonnenberg“ sowie ein Verwaltungsbungalow aufgegeben. Bereits in den Jahren zuvor hatte die Einrichtung mit erheblichen wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu kämpfen. Sinkende Patientenzahlen, eine unzureichende Auslastung und steigende Verbindlichkeiten brachten die traditionsreiche Rehabilitationsklinik zunehmend in finanzielle Bedrängnis.
Hoffnungsträger Investor scheitert nach wenigen Monaten
Noch 2011 schien die Rettung des Klinikstandortes greifbar nahe. Ein neuer Investor kündigte umfassende Modernisierungsmaßnahmen und eine langfristige Zukunftsstrategie an. Ein neues Erscheinungsbild, ein modernes Logo und eine überarbeitete Internetpräsenz sollten den Neustart einleiten. Im Mittelpunkt der neuen Ausrichtung stand insbesondere die geplante Einrichtung einer Fachabteilung für psychosomatische Erkrankungen, mit der neue Patientengruppen angesprochen werden sollten. Die Hoffnungen hielten jedoch nur kurze Zeit an. Bereits wenige Monate später musste die Betreibergesellschaft Insolvenz anmelden. Für die Klinik bedeutete dies endgültig das Aus.

Leerstand unter Bewachung: Die Klinik blieb erstaunlich gut erhalten
Anders als viele vergleichbare Großimmobilien verfiel die Schwarzwaldklinik nach ihrer Schließung nicht unmittelbar. Um Schäden an der Bausubstanz zu verhindern, wurden die Gebäude weiterhin beheizt und durch einen externen Sicherheitsdienst überwacht. Auch die Außenanlagen blieben über Jahre hinweg gepflegt. Besucher berichteten von ordentlich gehaltenen Grünflächen und einer überraschend intakten Innenausstattung. Selbst Zimmerpflanzen wurden weiterhin versorgt und standen noch lange nach der Schließung in voller Blüte. Zeitweise wurde das gesamte Klinikensemble auf verschiedenen Immobilienportalen für rund 5,5 Millionen Euro angeboten.
Chinesische Investoren planen Luxusresort im Schwarzwald
Im November 2015 kam schließlich neue Bewegung in die Zukunft des Areals. Eine Investorengruppe um die Unternehmerfamilie Chen aus Hongkong übernahm die ehemalige Kurklinik. Die Familie präsentierte ehrgeizige Pläne: Aus der ehemaligen Rehabilitationsklinik sollte ein internationales Fünf-Sterne-Resort mit medizinischem Schwerpunkt entstehen. Vorgesehen waren ein großzügiger Wellness- und Spa-Bereich, moderne Gesundheitsangebote, Restaurants, eine Shopping-Passage sowie ein Ärztehaus für internationale Gäste. Unter dem Namen „Medical Spa Resort“ sollte eine Investitionssumme im hohen zweistelligen Millionenbereich in den Standort fließen.
Bis zu 150 neue Arbeitsplätze geplant
Mit dem Projekt verband die Gemeinde große Hoffnungen. Nach Angaben der Investoren könnten durch die Wiederbelebung des Areals bis zu 150 neue Arbeitsplätze entstehen. Das Klinikgelände bietet dafür ideale Voraussetzungen: Auf einer Fläche von rund 7,5 Hektar befinden sich Gebäude mit insgesamt etwa 24.000 Quadratmetern Nutzfläche und rund 270 Zimmern. Für die Familie Chen handelte es sich zugleich um die erste Auslandsinvestition überhaupt. Das notwendige Kapital stammte vollständig aus Familienvermögen, eigens für das Vorhaben wurde eine Projektgesellschaft gegründet.
Verzögerungen bremsen das Millionenprojekt
Ursprünglich sollten bereits im Jahr 2017 die ersten Gäste in dem neuen Luxusresort übernachten können. Die vollständige Fertigstellung war für Ende 2018 vorgesehen. Doch infrastrukturelle Schwierigkeiten verzögerten die Arbeiten erheblich. Nach Angaben der Projektentwickler verschob sich der Baustart um mehrere Monate. Dennoch versicherten die Verantwortlichen, die Finanzierung sei gesichert und die nächsten Investitionsmittel stünden bereit.
Klinikinventar kommt unter den Hammer
Um die geplanten Umbauarbeiten vorzubereiten, entschied sich der Eigentümer im Jahr 2017 zu einer umfangreichen Versteigerung des Klinikinventars. Rund 350 Positionen der ehemaligen Rehaklinik wurden im Rahmen einer öffentlichen Auktion angeboten. Die Bandbreite reichte von medizinischen Spezialgeräten bis hin zu klassischen Einrichtungsgegenständen einer Rehabilitationsklinik. Unter den angebotenen Objekten befanden sich unter anderem Defibrillatoren, Röntgengeräte, Ultraschall- und Elektrotherapieanlagen, Behandlungsliegen, Ergometer, Fitnessgeräte, medizinisches Praxismobiliar sowie zahlreiche weitere Ausstattungsgegenstände aus dem Klinikbetrieb.
Vor der Versteigerung konnten Interessenten die Objekte besichtigen. Zusätzlich stellte das beauftragte Auktionshaus einen umfangreichen Online-Katalog zur Verfügung. Die Auktion war öffentlich zugänglich und richtete sich sowohl an Unternehmen als auch an Privatpersonen.
Zwischen Vergangenheit und Zukunft
Die ehemalige Schwarzwaldklinik in Bad Rippoldsau steht beispielhaft für viele traditionsreiche Kur- und Rehabilitationsstandorte in Deutschland. Nach wirtschaftlichen Problemen und jahrelangem Leerstand ruhen die Hoffnungen heute auf einer umfassenden Neuentwicklung des Areals. Ob das geplante Luxusresort die große Wiedergeburt des Standortes einleiten kann, bleibt abzuwarten. Sicher ist jedoch: Die Geschichte der Klinik ist noch längst nicht zu Ende geschrieben.
Hinweis
Aufgrund der Anzahl der Gebäude und deren positive und/oder negative Veränderungen der Bausubstanz im Laufe der Zeit, stellen einzelne Abbildungen (häufig) nicht den derzeitigen Zustand dar. Die Reihenfolge der Bilder ist keine Zeitreihenfolge.
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