Auf dem Kumberg bei Glienick, heute ein Ortsteil von Zossen im Landkreis Teltow-Fläming, ragt ein 93 Meter hoher Stahlbetonturm aus dem Wald. Der sogenannte Glienicker Fernsehturm entstand zwischen 1960 und 1963 und war ursprünglich als Relaisstation für den DDR-Fernsehfunk vorgesehen. Noch während des Innenausbaus änderte sich jedoch das Nutzungskonzept. Statt Fernsehsignale weiterzuleiten, wurde der Turm 1963 als Funkmesskontrollstelle der Deutschen Post der DDR in Betrieb genommen. Damit begann seine eigentliche Geschichte als technisches Überwachungs- und Messobjekt.

Funkkontrolle statt Fernsehen
Die Einrichtung gehörte zum sogenannten Funkkontroll- und Messdienst (FuKMD) der Deutschen Post. Aufgabe war es, elektromagnetische Aussendungen zu überwachen, Funkstörungen aufzuspüren und unzulässige Frequenznutzungen zu erkennen. Dabei ging es keineswegs ausschließlich um militärische Kommunikation. Kontrolliert wurden unter anderem Rundfunk- und Fernsehbänder, Landfunk, Amateurfunk, Seefunk und ziviler Flugfunk. Auch unerwünschte Oberwellen und andere Störsignale konnten mit entsprechender Messtechnik erfasst und geortet werden. Der Standort Glienick war damit Teil eines größeren Netzes von Funkmess- und Richtfunkanlagen der DDR. Die außergewöhnliche Höhe des Turms bot dabei einen entscheidenden Vorteil: Von erhöhten Standorten aus konnten Funksignale deutlich effektiver erfasst und gepeilt werden.

Ein Relikt der DDR-Fernmeldetechnik
Der Turm selbst war ursprünglich als Bestandteil des DDR-Fernseh- und Richtfunknetzes geplant. Dass seine vorgesehene Nutzung bereits während der Bauphase geändert wurde, macht die Anlage zu einem interessanten Zeugnis der rasanten technischen Entwicklung jener Zeit. Der Glienicker Turm steht dabei nicht allein. Die Deutsche Post nutzte an verschiedenen Standorten vorhandene Türme zusätzlich für Funkmessaufgaben. Glienick gehörte zu einer Reihe solcher Messpunkte, die über das Gebiet der DDR verteilt waren.




Nach der Wende begann der Verfall
Mit dem Ende der DDR verlor die Funkmesskontrollstelle ihre ursprüngliche Funktion. Die technischen Anlagen wurden ausgebaut, der Turm wurde gesichert und schließlich versiegelt. Die einst wichtige Einrichtung der Deutschen Post wurde damit innerhalb weniger Jahre zu einem Relikt der untergegangenen DDR-Fernmeldetechnik. In den folgenden Jahren verfiel auch das übrige Gelände. Dokumentierte Aufnahmen aus den 2000er- und 2010er-Jahren zeigen bereits deutliche Spuren von Vandalismus und Verwahrlosung.

Heute ein markanter Lost Place
Der weithin sichtbare Turm prägt bis heute die Landschaft rund um Glienick. Gerade seine ungewöhnliche Architektur und die abgeschiedene Lage machen die ehemalige Funkmesskontrollstelle zu einem markanten DDR-Lost-Place. Das Objekt ist allerdings kein frei zugängliches Ausflugsziel. Neuere Hinweise berichten von einer Sicherung des Turms und des Geländes. Wer sich für das Bauwerk interessiert, sollte daher ausschließlich öffentlich zugängliche Wege und Bereiche nutzen.
Der Glienicker Fernsehturm steht heute sinnbildlich für eine technische Infrastruktur, die nach 1990 fast vollständig aus dem Alltag verschwand. Was einst der Überwachung und Kontrolle des Funkverkehrs diente, ist heute vor allem ein weithin sichtbares Denkmal der DDR-Technikgeschichte.
