Am Schwarzenstein in Altena erinnert heute nur noch wenig an die einstige Größe von Basse & Selve. Wo über Jahrzehnte Metall verarbeitet, gegossen und gewalzt wurde, prägen inzwischen Verfall und überwucherte Industrieanlagen das Bild. Die ehemalige Gießerei gehört zu den markanten Relikten der Altenaer Industriegeschichte.n Die Geschichte des Unternehmens begann 1861, als Carl Basse und Hermann Dietrich Selve in Bärenstein bei Werdohl ein Messingwalzwerk gründeten. Zunächst entstanden vor allem Messingbleche und -drähte für die regionale Knopfindustrie. Schon wenige Jahre später stieß der Betrieb jedoch an seine räumlichen Grenzen.

Der Aufstieg am Schwarzenstein
1869 erwarb Basse & Selve ein stillgelegtes Werk am Schwarzenstein in Altena und verlegte den Firmensitz dorthin. Die Lage an der Lenne bot bessere Voraussetzungen für die weitere Expansion. Neben der Messingverarbeitung entstand eine Nickelhütte. Das Unternehmen erweiterte seine Produktion kontinuierlich und entwickelte sich zu einem bedeutenden Hersteller von Nichteisenmetallen und Metalllegierungen. Eine wichtige Rolle spielten dabei staatliche und militärische Aufträge. Produziert wurden unter anderem Materialien für Patronenhülsen und später Münzrohlinge. Basse & Selve entwickelte sich dadurch zu einem der wichtigsten Industrieunternehmen der Region. In Altena arbeiteten zeitweise rund 2.400 Menschen, im gesamten Unternehmen sogar bis zu 3.500.







Von Messing bis Aluminium
Das Produktionsspektrum wurde im Laufe der Jahrzehnte immer größer. Neben Messing und Nickel kamen unter anderem Tombak, Neusilber und Aluminium hinzu. Auch der Aluminiumguss wurde zu einem wichtigen Geschäftsfeld. Die Produkte fanden unter anderem Verwendung im Fahrzeug-, Motorboot- und Luftschiffbau. Aus dem ursprünglichen Messingwalzwerk war damit ein weit verzweigter Industriekonzern geworden. Der Name Basse & Selve stand über Jahrzehnte für die industrielle Entwicklung Altenas.

Der Konzern verschwindet
Die Unternehmensstruktur veränderte sich im 20. Jahrhundert mehrfach. 1921 wurde Basse & Selve zur Selve AG, 1927 folgte die Fusion mit der Carl Berg AG und der C. Heckmann AG zur Berg-Heckmann-Selve AG. Bereits 1930 ging dieser Verbund in der Vereinigten Deutschen Metallwerke AG (VDM) auf. Damit verschwand Basse & Selve als eigenständiges Unternehmen, während die Produktionsstandorte ihre industrielle Funktion noch viele Jahrzehnte behielten.

Das Ende der Gießerei
Auch der Standort am Schwarzenstein blieb lange ein wichtiger Bestandteil der Metallindustrie. Doch mit den späteren Umstrukturierungen verlagerte sich die Produktion. In den 1970er-Jahren wurden die Altenaer und Werdohler Aktivitäten neu organisiert; die Gießerei musste schließlich nach Werdohl umziehen. Für das alte Werksgelände bedeutete dies den schleichenden Bedeutungsverlust. Produktionshallen wurden aufgegeben, Gebäude verfielen und die Natur eroberte Teile des Areals zurück.



Eine Ruine mit Industriegeschichte
Heute ist die ehemalige Gießerei vor allem als Lost Place bekannt. Eingestürzte Dächer, überwucherte Gebäudereste und verlassene Produktionsbereiche vermitteln noch einen Eindruck von der Dimension des früheren Werks. Gleichzeitig geht mit dem Verfall ein bedeutendes Stück Altenaer Industriegeschichte verloren. Besonders bemerkenswert ist, dass von der ehemaligen Messinggießerei und Nickelhütte inzwischen nur noch wenige bauliche Zeugnisse erhalten sind. Eine 1913 errichtete, überdachte Werksbrücke über die Lenne wurde 2025 in die Denkmalliste aufgenommen und soll künftig an das Unternehmen erinnern.

Die Gießerei Basse & Selve steht damit beispielhaft für den Strukturwandel im märkischen Sauerland: Aus einem der größten Arbeitgeber der Region wurde ein historischer Name – und aus einem einst hochmodernen Industriekomplex ein zunehmend von der Natur zurückerobertes Relikt.
