Frische Quelle Detmold-Hiddesen

Über mehr als ein Jahrhundert war die „Frische Quelle“ in Hiddesen ein prägender Ort des gesellschaftlichen Lebens. Der historische Gasthof an der heutigen Friedrich-Ebert-Straße 55 war Gaststätte, Ausflugsziel, Eisenbahner-Erholungsheim und später sogar Schauplatz der Nachkriegsgeschichte. Heute ist von dem Gebäude nichts mehr zu sehen. Die Geschichte des Ortes reicht weit zurück. Das Grundstück gehörte ursprünglich zum alten Hof Plaßmeier, einem der historischen Höfe Hiddesens. Nach Einführung der Gewerbefreiheit im 19. Jahrhundert konnte hier ein Gastwirtschaftsbetrieb entstehen. Der früheste belegte Hinweis auf die „Frische Quelle“ stammt aus dem Jahr 1875. Damals wurde zur Eröffnung eines neuen Tanzsaals eingeladen. Der Gasthof entwickelte sich anschließend zu einem beliebten Treffpunkt und Ausflugsziel.

Endstation der Hiddeser Straßenbahn

Eine besondere Bedeutung erhielt die „Frische Quelle“ durch die Straßenbahn. Ab 1900 führte eine elektrische Verbindung von Detmold nach Hiddesen. Die Endstation befand sich zunächst direkt an der „Frischen Quelle“. Damit wurde der Gasthof noch leichter erreichbar und lag zugleich an einem wichtigen Ausgangspunkt für Ausflüge in Richtung Teutoburger Wald und Hermannsdenkmal. 1912 wurde die Straßenbahnstrecke über die „Frische Quelle“ hinaus bis zum Hülsenweg verlängert.

Vom Ausflugslokal zum Eisenbahnerheim

Nach zahlreichen Besitzerwechseln kam 1921 ein entscheidender Wendepunkt: Die Eisenbahndirektion Essen erwarb das Anwesen und richtete dort ein Erholungsheim für Eisenbahnbedienstete ein. Die „Frische Quelle“ wurde damit zu einem Erholungsort für Beschäftigte der Eisenbahn. Der neue Zweck veränderte die Nutzung des traditionsreichen Hauses, doch der Name „Frische Quelle“ blieb erhalten.

Ein ungewöhnliches Kapitel nach dem Krieg

Nach dem Zweiten Weltkrieg erhielt das Gebäude eine völlig andere Funktion. Zwischen 1946 und 1949 wurde die Anlage von der britischen Besatzungsmacht beschlagnahmt und für das Entnazifizierungs-Spruchgericht Hiddesen genutzt. Dort wurden zahlreiche Verfahren der Nachkriegszeit bearbeitet. Später kehrte das Gebäude wieder zu seiner Nutzung als Erholungs- beziehungsweise Bildungsstandort zurück. In den 1970er-Jahren befand sich dort unter anderem die Bundesbahnschule Detmold-Hiddesen.

Leerstand und Verfall

Mit der Zeit verlor das Gebäude seine frühere Bedeutung. Nach jahrelangem Leerstand verschlechterte sich der Zustand zunehmend. Die historische „Frische Quelle“ stand schließlich einer neuen städtebaulichen Entwicklung im Weg. 2011 wurde das ehemalige Hotel beziehungsweise Gasthaus abgerissen. Damit verschwand ein Gebäude, dessen Geschichte vom Kaiserreich über die Eisenbahnzeit und die Nachkriegsjahre bis in die Bundesrepublik reichte.

Heute erinnert nur noch der Name

Das Areal wurde anschließend neu bebaut. Der Bebauungsplan „Frische Quelle“ umfasst heute rund 9,4 Hektar und sieht unter anderem Wohnbebauung vor. Ein kleiner Teil der jüngeren Geschichte ist allerdings noch sichtbar: Ein in den 1970er-Jahren errichteter Fertigteil-Pavillon der Bundesbahnschule blieb zunächst erhalten. Die historische Gaststätte selbst ist verschwunden. Geblieben ist vor allem der Name „Frische Quelle“, der in Hiddesen bis heute an einen Ort erinnert, an dem sich über Jahrzehnte ganz unterschiedliche Kapitel der Ortsgeschichte begegneten.

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