Nur knapp zwei Jahrzehnte lang wurde der Hochschulkomplex an der Bielefelder Straße in Detmold genutzt. Danach stand das markante Ensemble aus Sichtbeton leer, verfiel zunehmend und wurde schließlich abgerissen. Heute erinnert kaum noch etwas an die ehemalige Fachhochschule Lippe – dabei war der Bau bei seiner Entstehung ein architektonisch anspruchsvolles Beispiel für den Hochschulbau der 1970er-Jahre. Mit der Gründung der Fachhochschule Lippe am 1. August 1971 entstand ein neuer Hochschulstandort, der aus der Zusammenlegung von fünf bereits bestehenden Ingenieurschulen hervorgegangen war. Für die wachsende Zahl an Studierenden und die neuen Fachbereiche wurden entsprechende Gebäude benötigt.

In Detmold entstand deshalb Mitte der 1970er-Jahre ein umfangreicher Hochschulkomplex an der Bielefelder Straße. Der Osnabrücker Architekt Friederich Helbrecht plante und errichtete das Ensemble 1974/75. Eine Besonderheit lag in den Eigentumsverhältnissen: Helbrecht war nicht nur Architekt, sondern zugleich Eigentümer der Gebäude. Er vermietete den Komplex an das Land Nordrhein-Westfalen, das die Räume für den Hochschulbetrieb nutzte. Der Gebäudekomplex spiegelte die Architektur seiner Zeit wider. Vorgefertigte Sichtbeton-Elemente bestimmten die Fassaden, während die Gebäude funktional auf die Anforderungen einer modernen technischen Hochschule zugeschnitten waren.
Was heute vielfach als nüchtern oder abweisend wahrgenommen wird, galt damals als zeitgemäße Architektur. Der Komplex verband eine klare Formensprache mit einer auf den Hochschulbetrieb abgestimmten inneren Struktur. Gerade die konsequente Verwendung von Beton machte die Anlage zu einem charakteristischen Vertreter der Architektur der 1970er-Jahre. Ihre Qualitäten erschließen sich allerdings nicht unbedingt auf den ersten Blick.

Fachhochschule mit besonderem Profil
Detmold entwickelte sich zu einem wichtigen Standort für Architektur und Bauwesen. Mehrere Studienangebote waren eng mit diesen Fachrichtungen verbunden und verliehen dem Hochschulstandort überregional Bedeutung. Unter anderem wurden Architektur, Innenarchitektur und Wirtschaftsingenieurwesen Bau angeboten. Hinzu kamen spezialisierte Studienrichtungen, die das Profil des Standorts ergänzten. Die Fachhochschule war damit eng mit der Bau- und Architekturbranche verbunden – ausgerechnet jener Branche, deren Entwicklung sich auch in der Architektur des Hochschulgebäudes widerspiegelte.

Warum wurde der Komplex aufgegeben?
Umso überraschender war die Entwicklung nach nur rund 20 Jahren Nutzung. Der Hochschulbetrieb zog aus dem Betonkomplex aus. In unmittelbarer Nähe an der Bielefelder Straße entstand ein neuer Campus, in den auch Teile einer ehemaligen Kaserne einbezogen wurden. Warum die ursprünglichen Gebäude bereits nach vergleichsweise kurzer Zeit vollständig aufgegeben wurden, lässt sich nach den vorliegenden Informationen nicht eindeutig erklären. Sicher ist jedoch: Für den alten Hochschulkomplex gab es nach dem Umzug keine dauerhafte neue Nutzung.





Vom Hochschulstandort zum Lost Place
Mit dem Ende der Hochschulnutzung begann der langsame Niedergang. Die einst modernen Räume standen leer, Fenster und Türen verfielen, technische Anlagen wurden unbrauchbar. Der markante Sichtbetonbau entwickelte sich zunehmend zu einem verlassenen Ort. Vandalismus hinterließ deutliche Spuren. Was einst für Studium, Forschung und Lehre errichtet worden war, wurde schließlich zum Symbol eines ungelösten Nachnutzungsproblems. Gerade für Freunde verlassener Architektur war der Komplex aufgrund seiner Größe und seiner ungewöhnlichen Betonarchitektur interessant.

2013 kommt das endgültige Aus
Eine Zukunft für den ehemaligen Hochschulbau gab es letztlich nicht. 2013 wurde der Betonkomplex abgerissen. Damit verschwand ein Bauwerk, das gerade einmal rund vier Jahrzehnte alt geworden war und davon nur etwa 20 Jahre tatsächlich als Fachhochschule genutzt wurde. Auf dem ehemaligen Hochschulgelände entstand anschließend privater Wohnungsbau. Die Nutzung änderte sich damit erneut grundlegend: Wo einst Ingenieure, Architekten und Bauingenieure ausgebildet wurden, entstanden Wohnungen.

Ein verschwundenes Stück Hochschularchitektur
Die Geschichte der ehemaligen Fachhochschule Lippe in Detmold steht beispielhaft für den Umgang mit Architektur der 1970er-Jahre. Gebäude, die bei ihrer Entstehung als modern, funktional und fortschrittlich galten, werden heute häufig kritisch betrachtet oder entsprechen nicht mehr den wirtschaftlichen und baulichen Anforderungen ihrer Eigentümer. Der Detmolder Komplex hatte dabei eine besondere Geschichte: Er war architektonisch anspruchsvoll geplant, wurde vergleichsweise kurz genutzt, stand anschließend lange leer und verschwand schließlich vollständig.

Vom einstigen Hochschulcampus ist heute nichts mehr zu sehen. Geblieben sind historische Fotografien und Erinnerungen an einen Bau, dessen konsequente Sichtbetonarchitektur einst für die Zukunft des Hochschulstandorts Detmold stehen sollte. Was als moderne Hochschule begann, endete nach wenigen Jahrzehnten mit dem Abriss.
