Mehr als anderthalb Jahrzehnte nach der endgültigen Schließung des Freibades in Grünenplan steht das weitläufige Gelände möglicherweise vor seinem größten Wandel seit seiner Eröffnung. Wo einst tausende Besucher ihre Freizeit verbrachten, Schwimmabzeichen erwarben und Sommertage genossen, bestimmen heute Vandalismus, Verfall und überwuchernde Vegetation das Bild. Nun soll das rund 1,5 Hektar große Areal verkauft und vollständig neu entwickelt werden.
Mit den Plänen eines ortsansässigen Unternehmens könnte aus dem seit Jahren brachliegenden Gelände ein modernes Mischgebiet mit Gewerbe, Wohnbebauung und öffentlich nutzbaren Bereichen entstehen. Gleichzeitig endet damit womöglich endgültig die Geschichte eines traditionsreichen Schwimmbades.


Vom beliebten Freizeitort zum städtebaulichen Problem
Über Jahrzehnte gehörte das Grünenplaner Frei- und Hallenbad zu den wichtigsten Freizeiteinrichtungen im Flecken Delligsen. Das Freibad öffnete bereits 1936 seine Tore und entwickelte sich schnell zu einem beliebten Treffpunkt für Familien, Schulen und Vereine. 1974 wurde die Anlage um ein Hallenbad erweitert, wodurch ganzjährig Schwimmsport möglich wurde. Viele Menschen aus der Region lernten hier schwimmen oder legten ihre ersten Schwimmabzeichen vom Seepferdchen bis zum Deutschen Jugendschwimmabzeichen in Gold ab.
Doch der wirtschaftliche Betrieb wurde zunehmend schwieriger. Bereits 2005 wurde das Hallenbad geschlossen, vier Jahre später folgte auch das Freibad. Die hohen Unterhaltungskosten und fehlende wirtschaftliche Perspektiven besiegelten das Ende der traditionsreichen Einrichtung. Seitdem verfällt das Gelände zusehends. Eingeschlagene Fensterscheiben, beschädigte Gebäude, überwachsene Wege und marode Anlagen prägen heute das Bild. Der einst belebte Freizeitkomplex gilt inzwischen offiziell als städtebaulicher Missstand.

Kurze Zwischennutzungen konnten den Niedergang nicht stoppen
Nach der Schließung gab es mehrere Versuche, dem Gelände neues Leben einzuhauchen. Unter anderem wurde zeitweise eine Paintball-Anlage eingerichtet. Dauerhaft etablieren konnte sich jedoch keine Nutzung. Es fehlte sowohl an tragfähigen Konzepten als auch an den finanziellen Möglichkeiten, die umfangreichen Sanierungsmaßnahmen zu stemmen. Mit jedem Jahr verschlechterte sich der bauliche Zustand der Gebäude weiter. Eine Wiederinbetriebnahme als Schwimmbad wäre heute nur noch mit erheblichen Investitionen möglich.

Heitec Rohstoffe plant neuen Unternehmensstandort
Eine entscheidende Wendung brachte schließlich das Interesse der in Grünenplan ansässigen Heitec Rohstoffe GmbH. Das international tätige Unternehmen, das im Handel mit Wertstoffen aktiv ist, benötigt aufgrund seines Wachstums größere Büroflächen. Der bisherige Firmensitz reicht für die Expansion nicht mehr aus. Die Geschäftsführer Henner Heise und Dirk Schnake möchten deshalb auf dem ehemaligen Badgelände einen modernen Unternehmensstandort errichten. Darüber hinaus sehen die Planungen weiteren Wohnraum für Familien und Senioren vor. Nach Angaben des Unternehmens soll das Gelände jedoch nicht ausschließlich privat genutzt werden. Vielmehr könnten auch Bereiche entstehen, die der Öffentlichkeit zugänglich bleiben und den Ort aufwerten.


Gemeinde sieht einmalige Entwicklungschance
Die Verkaufspläne sorgten in den politischen Gremien des Fleckens Delligsen für intensive Diskussionen. Während viele Ratsmitglieder den Verlust des traditionsreichen Schwimmbades bedauerten, überwog letztlich die Einschätzung, dass sich hier eine einmalige Gelegenheit bietet, das seit Jahren brachliegende Areal sinnvoll weiterzuentwickeln. Angesichts der angespannten Haushaltslage fehlen der Gemeinde die finanziellen Möglichkeiten, selbst eine Sanierung oder Neugestaltung des Grundstücks zu finanzieren.
Dennoch gab es auch kritische Stimmen. Einige Kommunalpolitiker sprachen sich dafür aus, alternative Nutzungskonzepte zu prüfen. Genannt wurden unter anderem eine touristisch ausgerichtete Freizeitanlage oder ein Gastronomiebetrieb als Ergänzung zum Naherholungsgebiet. Schließlich wurde die Verwaltung beauftragt, gemeinsam mit dem Investor Möglichkeiten für öffentlich nutzbare Bereiche auszuarbeiten. Erst danach soll der Gemeinderat endgültig über die weitere Entwicklung entscheiden.

Mischgebiet statt Freibad
Nach den bisherigen Planungen soll auf dem Gelände kein klassisches Gewerbegebiet entstehen. Vorgesehen ist vielmehr ein modernes Mischgebiet. Im nördlichen Bereich sollen Gewerbebetriebe angesiedelt werden, während im südlichen Teil Wohnbebauung entstehen könnte. Neben Heitec sollen sich dort auch weitere Unternehmen ansiedeln können, sofern sie das Wohnumfeld nicht beeinträchtigen. Für die Umsetzung müssen sowohl der Flächennutzungsplan als auch der Bebauungsplan geändert werden.
Bereits 2025 lagen die Unterlagen öffentlich aus. Behörden, Verbände und Bürger konnten Stellungnahmen abgeben. Dabei wurden unter anderem mögliche Asbestbelastungen in den Bestandsgebäuden sowie eine erhöhte Gefahr von Bodenerosion aufgrund der Hanglage thematisiert.

Planverfahren nähert sich der entscheidenden Phase
Nach Angaben der Gemeindeverwaltung befindet sich das Bebauungsplanverfahren inzwischen in der entscheidenden Phase. Nach der Abwägung aller eingegangenen Stellungnahmen soll der Entwurf erneut öffentlich ausgelegt werden. Anschließend stehen Beratungen im Ortsrat, Bauausschuss und Verwaltungsausschuss an, bevor der Gemeinderat über die endgültige Satzung entscheidet. Erst nach der Veröffentlichung im Amtsblatt werden die Planungen rechtskräftig und schaffen die Grundlage für den eigentlichen Baubeginn.
Investor wartet seit Jahren auf grünes Licht
Für die Heitec Rohstoffe GmbH zieht sich das Verfahren inzwischen deutlich länger hin als ursprünglich erwartet. Bereits 2020 hatte das Unternehmen das Gelände erworben und seine Pläne vorgestellt. Seitdem wartet die Geschäftsführung auf die notwendigen Genehmigungen. Nach eigenen Angaben könnte unmittelbar nach Abschluss der Bauleitplanung mit den konkreten Bauvorbereitungen begonnen werden. Das Unternehmen sieht in dem Projekt nicht nur eine Investition in den eigenen Standort, sondern auch einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung Grünenplans.

Ein Kapitel Ortsgeschichte geht zu Ende
Mit der geplanten Neubebauung dürfte das ehemalige Frei- und Hallenbad endgültig aus dem Ortsbild verschwinden. Für viele Einwohner ist das Gelände eng mit persönlichen Erinnerungen verbunden. Hier fanden Schwimmkurse, Vereinsveranstaltungen und unzählige Sommertage statt. Heute erinnert lediglich die verfallene Anlage an diese Zeit. Sollte die Umnutzung umgesetzt werden, endet zwar die Geschichte eines traditionsreichen Schwimmbades. Gleichzeitig eröffnet sich jedoch die Chance, einen seit Jahren brachliegenden Lost Place in einen lebendigen Bestandteil des Ortes zurückzuverwandeln – und damit einem Symbol des Verfalls eine neue Zukunft zu geben.
