Nur wenige Kilometer westlich von Halle (Saale) liegt ein Ort, an dem sich militärische Vergangenheit und zivile Gegenwart auf eindrucksvolle Weise begegnen: der Flugplatz Allstedt (ICAO-Code: EDBT). Einst streng geheimes Gelände der sowjetischen Streitkräfte, ist das Areal heute Heimat für Luftsportbegeisterte, Tuningfans und nostalgische Autofreunde.

Zugelassen für Flugzeuge bis zu 5,7 Tonnen, dient der Sonderlandeplatz heute ausschließlich dem nicht-gewerblichen Flugverkehr. Linienverbindungen gibt es keine, jedoch sind Charterflüge mit entsprechendem Gerät möglich. Im Jahr 2018 waren 26 Flugzeuge in Allstedt stationiert – darunter eine seltene Antonow An-2, die für den Instrumentenflug zugelassen ist. Die Ostdeutsche Drachen- und Ultraleichtschule nutzt den Platz für Schulungen.
Festivalgelände mit Höhenflügen
Seit 2015 verwandelt sich der Flugplatz am letzten Augustwochenende in ein Mekka für Technik- und Flugbegeisterte. Das jährliche Flugplatzfest lockt mit Vorführungen, Rundflügen und vielfältigem Programm. Parallel dazu finden Autotreffen statt – darunter Veranstaltungen speziell für Opel-, Renault 19- und Ford Escort-Fahrer. Besonderer Publikumsmagnet: das im Juli stattfindende Tuning-Event „Meet for Speed“. Auch das christliche Musikfestival „Freakstock“ fand hier 2015 erstmals statt und ist seither regelmäßiger Gast.

Militärischer Schatten der Vergangenheit
Die Geschichte des Areals beginnt im Jahr 1955 mit dem Bau durch die sowjetischen Streitkräfte. Ursprünglich als Reserveflugplatz der 16. Luftarmee der GSSD genutzt, diente Allstedt vor allem als Ausweichstandort bei Bauarbeiten auf anderen Basen. Ab 1967 war der Flugplatz dauerhaft militärisch belegt – zunächst durch das 294. Aufklärungsfliegerregiment mit MiG-21R und Su-17, später ab 1985 durch das 225. Kampfhubschrauberregiment mit Mi-8 und Mi-24.
Der Standort war zudem wichtiger logistischer Knotenpunkt: Eine gut 10 Kilometer lange Bahnverbindung sicherte die Anlieferung von Treibstoffen und militärischem Material. Aus Gründen der Geheimhaltung war der Streckenverlauf in DDR-Karten unvollständig dargestellt. Auch Verkehrsflugzeuge der Aeroflot flogen ab den 1970er-Jahren regelmäßig zur Ablösung von GSSD-Soldaten den Platz an.
Rückbau mit Nachwirkungen
Nach dem Abzug der sowjetischen Truppen im Mai 1991 wurde das Gelände den deutschen Behörden übergeben. Es folgten umfassende Rückbaumaßnahmen: Die einst 2.500 Meter lange Start- und Landebahn wurde auf 1.200 Meter verkürzt. Eine 17 Gebäude umfassende Wohnsiedlung, die eigens für sowjetische Soldaten errichtet worden war, verschwand bis 1996 vollständig vom Stadtbild.

Heute zeugen nur noch wenige Spuren von der bewegten Geschichte des Flugplatzes Allstedt – einem Ort, der einst geheimer militärischer Drehpunkt war und sich heute als offene Bühne für Luftfahrt, Technik und Begegnung neu erfindet.
