Chemiewerk Coswig – Betriebsteil Dessau

Das Chemiewerk Coswig gehörte zu den bedeutenden Betrieben der chemischen Industrie in der DDR. Der historische Werksverbund geht auf Anlagen und Unternehmen zurück, deren Wurzeln bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts reichen. Das Landesarchiv Sachsen-Anhalt führt den Bestand des VEB Chemiewerk Coswig für den Zeitraum von 1933 bis 1993 und dokumentiert darin unter anderem Forschung, Produktion, Umwelt- und Arbeitsschutz sowie die verschiedenen Zweigbetriebe.

Düngemittel und chemische Grundstoffe

Der Standort Coswig entwickelte sich insbesondere zu einem Zentrum der Düngemittelproduktion. Bereits historische Unterlagen belegen Anlagen für Superphosphat und weitere Phosphatprodukte. In der DDR wurde der Betrieb schließlich in die staatliche Chemie- und Agrochemie-Struktur eingebunden. Nach Angaben der Stadt Coswig nahm der neu aufgebaute VEB Chemiewerk Coswig 1960 die Produktion auf; hergestellt wurden unter anderem Schwefelsäure und Zement.

Zum Werksverbund gehörten im Laufe der Zeit mehrere Betriebsteile. Das Landesarchiv nennt unter anderem Standorte in Rüdersdorf, Salzwedel, Steudnitz, Draschwitz und Oranienburg.

Ein weit verzweigter Werksverbund

Die Bezeichnung „Betriebsteil Dessau“ ist dabei mit Vorsicht zu verwenden: Die archivalische Überlieferung des VEB Chemiewerk Coswig wird heute beim Landesarchiv Sachsen-Anhalt, Abteilung Dessau, verwahrt. Dort sind auch die Unterlagen zu den verschiedenen Zweigbetrieben zusammengeführt.

Nach der politischen Wende zerfiel der große DDR-Chemiebetrieb. Einzelne Bereiche wurden privatisiert beziehungsweise ausgegliedert. Ein kleiner Betriebsteil wurde nach 1990 als Anhaltische Düngemittelfabrik mit etwa 35 Beschäftigten weitergeführt.

Das Ende einer Industrieära

Mit dem Zusammenbruch der DDR-Wirtschaft verloren viele Produktionsstandorte ihre bisherigen Absatzmärkte. Auch beim Chemiewerk Coswig führte die Neuordnung der ostdeutschen Chemieindustrie zu tiefgreifenden Veränderungen. Während einzelne Bereiche weitergenutzt wurden, verfielen andere Anlagen oder wurden aufgegeben.

Heute steht der Name Chemiewerk Coswig vor allem für ein Stück ostdeutscher Industriegeschichte. Die erhaltenen Archivbestände dokumentieren dabei nicht nur die Produktion, sondern auch die technische Entwicklung und die zahlreichen Betriebsteile des einstigen Chemiekonzerns.

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