Paderborn. Ein einst bedeutender Standort der deutschen Computerindustrie steht vor einer ungewissen Zukunft. Der ehemalige Siemens-Nixdorf-Komplex an der Riemekestraße in Paderborn soll zwangsversteigert werden. Das seit Jahren leerstehende Areal befindet sich inzwischen in einem desolaten Zustand. Der Verkehrswert wird dennoch auf rund 5 Millionen Euro geschätzt. Auf dem etwa 120.000 Quadratmeter großen Gelände stehen mehr als 40.000 Quadratmeter Bürofläche. Der Gebäudekomplex wurde 1989 von Nixdorf eröffnet und war später unter anderem Standort von Siemens Nixdorf und Fujitsu. Mit dem Niedergang der früheren Computerindustrie verlor das Areal jedoch zunehmend an Bedeutung und steht mittlerweile seit Jahren leer.
Heute prägen eingeschlagene Scheiben, beschädigte Gebäudeteile und Graffiti das Gelände. Eine Sachverständige bewertet die Immobilie als nicht mehr nutzbar. Neben dem baulichen Zustand sprechen auch die Veränderungen auf dem Büromarkt gegen eine wirtschaftliche Sanierung.
Noch vor wenigen Jahren gab es große Pläne für das Gelände. Die Essener Fakt AG wollte dort ein Technologiequartier entwickeln und Investitionen von rund 200 Millionen Euro tätigen. Doch auch dieses Vorhaben scheiterte: Das Unternehmen meldete 2022 Insolvenz an. Für einen möglichen Käufer dürfte vor allem das Grundstück interessant sein. Der reine Bodenwert wird laut Gutachten mit rund 10,1 Millionen Euro angegeben. Dem stehen jedoch geschätzte Abriss- und Entsorgungskosten von etwa fünf Millionen Euro gegenüber.
Der Leerstand bringt inzwischen auch Sicherheitsprobleme mit sich. Zwischen Anfang 2025 und Frühjahr 2026 rückte die Polizei nach Angaben des Berichts 45-mal zu dem Areal aus. Anlass waren unter anderem Hausfriedensbruch, Sachbeschädigungen und Diebstähle. Im Juli kam außerdem ein Brand hinzu, bei dem rund 50 Einsatzkräfte von Feuerwehr und Rettungsdienst vor Ort waren.
Das gesamte Areal soll am 2. Dezember 2026 um 13 Uhr beim Amtsgericht Paderborn versteigert werden. Ob sich für das stark heruntergekommene Gelände ein Käufer findet und welche Zukunft der ehemalige Computerstandort anschließend bekommt, ist derzeit offen.
