Seidenweberhaus: Vom Veranstaltungshaus zum Lost Place

Krefeld. Das Seidenweberhaus im Herzen Krefelds steht vor seinem endgültigen Ende. Der einst belebte Veranstaltungsort am Theaterplatz ist inzwischen weitgehend verwaist. Seit Jahren wird über die Zukunft des markanten Gebäudes diskutiert – nun rückt der geplante Abriss näher. Das 1976 eröffnete Seidenweberhaus entstand im Stil des Brutalismus und wurde schnell zu einem wichtigen Veranstaltungsort der Stadt. Konzerte, Tagungen, Feiern, Märkte und zahlreiche weitere Veranstaltungen fanden in dem Gebäudekomplex statt. Doch das Gebäude war von Beginn an umstritten. Hohe Unterhaltungskosten und zunehmender Sanierungsbedarf belasteten den Betrieb. 2018 entschied der Krefelder Stadtrat schließlich, das Seidenweberhaus abzureißen.

Mit dem weitgehenden Ende der Nutzung hat sich das einst belebte Gebäude zu einem ungewöhnlichen Lost Place mitten in der Innenstadt entwickelt. Leere Veranstaltungsräume, verschlossene Bereiche und die zunehmend vom Alltag entkoppelte Architektur vermitteln heute ein völlig anderes Bild als zu Zeiten des regulären Veranstaltungsbetriebs. Für Lost-Places-Fotografen ist das Gebäude damit zu einem besonderen Motiv geworden: Nicht eine abgelegene Fabrik oder ein verlassenes Sanatorium steht im Mittelpunkt, sondern ein Bauwerk mitten im urbanen Zentrum.

Die Stadt hält grundsätzlich am Abriss fest. Im Juli 2026 wies sie erneut Vorschläge zurück, das Gebäude doch zu erhalten. Nach Angaben der Stadt würde eine Sanierung eine mehrjährige Schließung voraussetzen und erhebliche Kosten verursachen. Parallel wird mit dem geplanten Kesselhaus ein neuer Veranstaltungsstandort verfolgt. Damit soll die jahrzehntelange Funktion des Seidenweberhauses an anderer Stelle fortgeführt werden.

Der geplante Abriss sorgt weiterhin für Diskussionen. Befürworter eines Erhalts verweisen auf die städtebauliche Bedeutung und die besondere Architektur des Hauses. Eine Initiative fordert deshalb, das Gebäude zu sanieren und weiter zu nutzen. Die Debatte zeigt zugleich den grundsätzlichen Konflikt beim Umgang mit Bauten der 1970er-Jahre: Was für die einen ein sanierungsbedürftiger Betonbau ist, gilt für andere als bedeutendes Zeugnis der Nachkriegsarchitektur. Das Seidenweberhaus steht dabei exemplarisch für den schwierigen Umgang mit dem architektonischen Erbe des Brutalismus.

Noch ist das Seidenweberhaus Teil des Krefelder Stadtbildes. Doch seine Zukunft scheint besiegelt. Sollte der geplante Abriss umgesetzt werden, verschwindet nicht nur ein ehemaliger Veranstaltungsort, sondern auch ein markantes Beispiel der Krefelder Nachkriegsarchitektur.

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