Dachau. Der markante Wasserturm der ehemaligen Dachauer Papierfabrik verschwindet vorübergehend aus dem Stadtbild. Die stark verrostete Stahlkonstruktion wird derzeit vollständig demontiert und anschließend denkmalgerecht saniert. Ein 700-Tonnen-Kran hebt die einzelnen Bauteile vom ehemaligen MD-Gelände. Danach soll der historische Turm wieder aufgebaut werden. Der 1951 errichtete Turm war lange Bestandteil der industriellen Infrastruktur der Münchner-Dachauer Papierfabrik. Sein 240 Kubikmeter fassender Behälter diente als Frischwasserreserve und konnte die Papierproduktion im Notfall rund 20 Minuten versorgen. Die Fabrik stellte ihren Betrieb 2007 nach rund 145 Jahren ein. Inzwischen hat der Zahn der Zeit deutliche Spuren hinterlassen. Die Stahlkonstruktion ist stark korrodiert und gilt seit Jahren als nicht mehr standsicher. Eine Sanierung ist deshalb nur möglich, wenn der Turm zunächst vollständig zerlegt wird.
Geplant war der Abbau ursprünglich deutlich schneller. Doch festgerostete Verbindungen machten den Einsatz von Schneidbrennern notwendig. Der Wasserbehälter ließ sich erst nach mehreren Tagen von seiner Plattform lösen und konnte schließlich mit dem schweren Kran abgehoben werden. Die Turmteile werden auf dem Gelände zwischengelagert und vor Witterung geschützt. Nach der Restaurierung sollen Wasserbehälter und Stahlkonstruktion wieder zusammengefügt werden. Der Erhalt des Wasserturms ist nicht unumstritten. Während die Denkmalschutzbehörde ihn als wichtiges Zeugnis der frühen Industriekultur und künftig möglichen Identifikationsort des neuen Quartiers betrachtet, gibt es auch kritische Stimmen. Der frühere Chef der Papierfabrik hält die Sanierung für unnötig und bezeichnet sie als Geldverschwendung.
Für die Stadt und den Denkmalschutz steht dagegen fest: Mit dem Turm soll ein sichtbares Stück Dachauer Industriegeschichte bewahrt werden. Auf dem rund 18 Hektar großen Areal der ehemaligen Papierfabrik entsteht schrittweise ein neues urbanes Quartier. Der Wasserturm soll dabei als markantes Relikt der industriellen Vergangenheit erhalten bleiben und künftig einen sichtbaren Bezug zur Geschichte des Standorts herstellen. Der Abbau bedeutet damit nicht das Ende des Dachauer Wasserturms – sondern den ersten Schritt zu seiner Rettung.
