Wismar. Die Brandruine der ehemaligen Getränkefabrik Wismaria in Wismar kommt nicht zur Ruhe. In der Nacht zum Donnerstag, 22. Oktober 2026, meldeten Anwohner erneut Flammen aus dem schwer beschädigten Backsteingebäude. Die Feuerwehr rückte aus und löschte den Brand. Bereits nach dem Großfeuer am vergangenen Sonntag hatten Einsatzkräfte wiederholt Glutnester bekämpfen müssen (wir berichteten mehrfach). Die Polizei vermutet Brandstiftung und ermittelt weiter.
Am 18. Oktober war in der seit Jahrzehnten leer stehenden Fabrik ein Feuer ausgebrochen, das sich bis in die oberen Geschosse und den Dachbereich ausbreitete. Rund 150 Einsatzkräfte waren zeitweise mit den Löscharbeiten beschäftigt. Das Dach und sämtliche Zwischendecken wurden zerstört, Teile des Gebäudes stürzten ein. Menschen wurden nach bisherigen Erkenntnissen nicht verletzt. Die starke Rauchentwicklung führte zeitweise zu Warnungen an die Bevölkerung, Fenster und Türen geschlossen zu halten.
Die Wismaria ist ein historisches Backsteingebäude aus dem späten 19. Jahrhundert. Zu DDR-Zeiten wurde der Standort als Getränkefabrik genutzt. Seit Jahrzehnten steht die Anlage leer und ist als Lost Place bekannt. Obwohl das Gebäude unter Denkmalschutz steht, ist seine bauliche Substanz nach dem Brand akut gefährdet. Weil die Fassade einzustürzen droht, haben bereits kontrollierte Abrissarbeiten begonnen. Ein geordneter Rückbau wurde von der Stadt als notwendige Maßnahme angekündigt.
Die wiederholten Feuer werfen neue Fragen zum Schutz der verlassenen Immobilie auf. Die Polizei geht von möglicher Brandstiftung aus und sucht weiterhin Zeugen, die Beobachtungen rund um den Brand gemacht haben. Eine abschließende Klärung der Ursache steht noch aus. Für die historische Wismaria ist die Lage dramatisch: Was jahrzehntelangen Leerstand überstanden hat, droht nun nach einem Großbrand und wiederkehrenden Glutnestern weitgehend verloren zu gehen. Der Fall zeigt erneut, wie schnell ungesicherte Industriedenkmäler zu unwiederbringlichen Verlusten werden können.
