Berlin. Ein brachliegendes Grundstück in Berlin-Oberschöneweide soll zu einem modernen Quartier für gewerbliches Wohnen und Arbeiten werden. Das Projekt „Spree27“ sieht zwei mehrgeschossige Neubauten mit Serviced Apartments, Büroflächen und Coworking-Angeboten vor. Doch das Vorhaben wirft auch Fragen zur Zukunft des historischen Industriestandorts auf.
Direkt an der Oberspree, in der Tabbertstraße im Berliner Bezirk Treptow-Köpenick, liegt ein ehemaliges Fabrikgelände, das seit längerer Zeit ungenutzt ist. Die Lage am Wasser und die Nähe zu den Entwicklungsgebieten von Oberschöneweide machen das Grundstück für Investoren interessant. Während sich der Berliner Südosten zunehmend zu einem Standort für Technologie, Kreativwirtschaft und neue Arbeitswelten entwickelt, wartet das Areal noch auf seine nächste Nutzung.
Unter dem Namen „Spree27“ wird eine Neubebauung des Grundstücks vorbereitet. Die Projektpläne sehen ein modernes Gebäudeensemble vor, das gewerbliche Übernachtungsmöglichkeiten mit Büro- und Gemeinschaftsarbeitsflächen verbinden soll. Damit könnte sich das Gelände grundlegend verändern – von einer verlassenen Gewerbefläche zu einem neuen Baustein der Stadtentwicklung am Spreeufer.
Nach den veröffentlichten Planungen sollen auf dem rund 8.369 Quadratmeter großen Grundstück zwei L-förmige, sechsgeschossige Baukörper entstehen. Vorgesehen sind insgesamt bis zu rund 18.000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche. Je nach Variante könnten die Gebäude zwischen 248 und 431 Serviced Apartments aufnehmen. Alternativ sind eine Kombination aus gewerblichem Wohnen und Büroflächen sowie Angebote für Coworking und New Work vorgesehen.
Ergänzt werden könnte das Angebot durch Gastronomie, Fitness- und Veranstaltungsflächen. Die Projektentwickler verweisen außerdem auf eine nachhaltige Bauweise und einen angestrebten Energiestandard nach KfW-40 beziehungsweise KfW-55. Die konkrete Ausgestaltung hängt von der gewählten Nutzungsvariante ab.
Das Vorhaben steht in einem größeren Zusammenhang. Oberschöneweide war über Jahrzehnte ein bedeutender Industriestandort Berlins. Fabriken und Werkhallen prägten das Spreeufer und machten den Ort zu einem Zentrum der Elektroindustrie. Nach dem wirtschaftlichen Umbruch der 1990er-Jahre blieben zahlreiche Flächen zurück, die erst nach und nach neue Funktionen erhielten.
Inzwischen entstehen in der Umgebung neue Arbeits- und Kreativstandorte. Auch ehemalige Industrieareale werden umgebaut oder neu bebaut. Die Nähe zur Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin sowie zu weiteren Entwicklungsgebieten bietet dafür günstige Voraussetzungen. „Spree27“ fügt sich in diese Transformation ein, setzt allerdings auf gewerbliches Wohnen und Büroangebote statt auf eine klassische Wohnsiedlung.
Bei der Entwicklung ehemaliger Fabrikgrundstücke stellt sich regelmäßig die Frage, welchen Stellenwert die vorhandene Bausubstanz künftig haben soll. Die Industriegeschichte Oberschöneweides ist ein wichtiger Teil der Identität des Stadtteils. Wo historische Gebäude erhalten bleiben, können sie die Vergangenheit des Standorts sichtbar machen und neue Nutzungen mit dem gewachsenen Stadtbild verbinden.
Für das Projekt „Spree27“ stehen bislang vor allem die geplanten Neubauten und ihre Nutzungsmöglichkeiten im Mittelpunkt. Ob und in welchem Umfang vorhandene historische Bausubstanz erhalten oder in die Entwicklung integriert wird, lässt sich aus den veröffentlichten Projektinformationen nicht abschließend ableiten. Damit bleibt auch die Frage offen, welche sichtbaren Spuren des früheren Fabrikstandorts künftig bestehen werden.
Ob aus dem Projekt tatsächlich zeitnah ein neues Quartier entsteht, hängt von den weiteren Umsetzungsschritten ab. Die veröffentlichten Planungen zeigen eine klare Entwicklungsrichtung, sind jedoch nicht mit einer bereits abgeschlossenen Bebauung gleichzusetzen. Für den Lost Place an der Tabbertstraße beginnt damit eine neue Phase – zwischen wirtschaftlicher Verwertung, städtebaulicher Veränderung und der Frage, wie viel industrielle Vergangenheit am Spreeufer sichtbar bleiben wird.
