Wilhelmshaven. Das ehemalige Minensuchboot „Steinbock“ ist in Wilhelmshaven erneut in schwere Schwierigkeiten geraten. Nach wiederholtem Wassereinbruch ist das Schiff weiter abgesunken, Betriebsstoffe sind ausgetreten. Nun steht die Zukunft des maritimen Relikts auf dem Spiel: Bergung und Verschrottung könnten das Ende des historischen Bootes besiegeln. Das ehemalige Minensuchboot liegt seit rund zehn Jahren dort und ist erneut abgesunken. Nachdem die Feuerwehr Mitte Oktober zunächst Wasser aus dem Schiff gepumpt hatte, verschlechterte sich die Lage kurz darauf wieder. Das Boot sackte weiter ab und dürfte inzwischen auf dem Grund des Kanals aufliegen.
Die Stadt ließ den unmittelbaren Bereich absperren und untersagte das Betreten des Schiffes. Die Festmacherleinen stehen unter erheblicher Spannung und könnten reißen. Damit besteht nicht nur eine Gefahr für Menschen, sondern auch für die Sicherheit im Hafenbereich.
Betriebsstoffe gelangen ins Wasser
Die Situation verschärfte sich am 16. Oktober, als aus dem weiter abgesunkenen Boot Betriebsstoffe austraten. Die Feuerwehr und ein vom Eigentümer beauftragtes Fachunternehmen brachten Ölsperren aus, um eine weitere Ausbreitung der Verunreinigung einzudämmen. Außerdem begann eine Spezialfirma damit, verbliebene Betriebsstoffe aus dem Schiff abzupumpen. Der Vorfall zeigt, dass es längst nicht mehr allein um den Erhalt eines alten Schiffes geht. Mit zunehmendem Verfall wachsen auch die Risiken für die Umwelt und die öffentliche Sicherheit. Die Sicherung des Wracks ist deshalb dringend erforderlich.
Bergung und Verschrottung stehen im Raum
Wie es mit der „Steinbock“ weitergeht, ist bislang nicht abschließend geklärt. Eine Bergung und anschließende Verschrottung sind mögliche Szenarien. Die Verantwortung für die Sicherung des Schiffes liegt nach Angaben der Stadt beim Eigentümer. Dieser muss grundsätzlich auch für die Kosten notwendiger Sicherungsmaßnahmen sowie einer möglichen Bergung und Entsorgung aufkommen. Zu seiner Identität macht die Stadt aus Datenschutzgründen keine Angaben.
Eine Bergung dürfte angesichts des Zustands des Schiffes und seiner Lage im Wasser eine anspruchsvolle Aufgabe werden. Zunächst müssen die verbliebenen Betriebsstoffe entfernt und die Gefahrenlage bewertet werden. Erst auf dieser Grundlage lässt sich entscheiden, wie das Schiff sicher aus dem Kanal geborgen werden kann.
Vom Minensucher zum vergessenen Relikt
Die „Steinbock“ war von 1960 bis 1974 als Minensuchboot im Einsatz. Danach verlor das Schiff seine ursprüngliche militärische Funktion und fand schließlich seinen Liegeplatz in Wilhelmshaven. Dort entwickelte es sich im Laufe der Jahre zu einem maritimen Lost Place, dessen Zustand zunehmend schlechter wurde.
Schon 2018 sank das Boot nach einem Leck. Im September 2024 musste die Feuerwehr erneut eingreifen, um ein weiteres Absinken zu verhindern. Der jüngste Vorfall reiht sich damit in eine lange Folge von Problemen ein. Der bis Juni 2027 gültige Schwimmfähigkeitsnachweis dürfte angesichts des maroden Zustands kaum eine tragfähige Perspektive bieten; die Stadt hatte eine Verlängerung bereits als unwahrscheinlich eingeschätzt.
Ein Stück Marinegeschichte vor dem Ende?
Für die maritime Geschichte Wilhelmshavens ist die „Steinbock“ mehr als ein rostendes Boot am Kanalufer. Sie erinnert an die Zeit, in der Minensuchboote eine wichtige Aufgabe bei der Sicherung von Seewegen übernahmen. Doch historische Bedeutung allein genügt nicht, um ein Schiff dauerhaft zu erhalten. Dafür wären eine tragfähige Nutzungsperspektive, ausreichende finanzielle Mittel und ein technisch vertretbarer Zustand erforderlich.
Ob es für die „Steinbock“ noch eine Zukunft als historisches Exponat geben kann, ist offen. Angesichts des fortgeschrittenen Verfalls, des Wassereinbruchs und der Umweltgefahr stehen zunächst Sicherung und Gefahrenabwehr im Vordergrund. Sollte sich eine Bergung mit anschließender Verschrottung als einzige praktikable Lösung erweisen, würde ein weiteres Stück maritimer Zeitgeschichte aus dem Stadtbild verschwinden.
Der Fall zeigt, wie schnell aus einem historischen Schiff ein Sicherheits- und Umweltproblem werden kann, wenn Instandhaltung und langfristige Nutzung ausbleiben. Für die „Steinbock“ läuft die Zeit ab – und die entscheidende Frage lautet inzwischen nicht mehr nur, wie das Schiff erhalten werden könnte, sondern wie es sicher aus dem Kanal entfernt werden kann.
