Neubrandenburg. In Neubrandenburg rückt ein bislang wenig beachteter Teil der Stadtgeschichte in den Fokus: Rund ein Drittel aller Denkmäler stammt aus der DDR-Zeit, doch viele dieser Zeugnisse der Ostmoderne sind kaum dokumentiert oder drohen in Vergessenheit zu geraten. Das Landesprojekt „Ostmoderne“, das als Modell für ganz Mecklenburg-Vorpommern dienen soll, geht deshalb auf Suchmission. Ziel ist es, Kunstwerke und Bauobjekte aus der sozialistischen Ära systematisch zu erfassen, ihren kulturellen Wert zu beurteilen und gegebenenfalls unter Schutz zu stellen.
Aktuell prüfen zwei Wissenschaftlerinnen ein großformatiges Aluminium-Wandbild, das einst die Fassade der legendären Neubrandenburger Grillbar prägte. Das Werk gilt als typisches Beispiel jener künstlerischen Handschrift, die den öffentlichen Raum der DDR über Jahrzehnte formte. Ob es künftig offiziell als Denkmal geführt wird, entscheidet sich erst nach einer detaillierten Untersuchung.
Oberbürgermeister Nico Klose ruft die Bevölkerung ausdrücklich auf, beim Aufspüren solcher Werke mitzuwirken. Viele Kunstobjekte aus der DDR-Zeit stehen unbeachtet in Hinterhöfen, an Plattenbauten oder auf alten Betriebsarealen. Hinweise aus der Stadtgesellschaft sollen helfen, diese vergessenen Stücke Zeitgeschichte sichtbar zu machen und zu bewahren.
Das Projekt läuft seit gut einem Jahr und soll bis Ende 2026 abgeschlossen sein. Die Ergebnisse aus Neubrandenburg dienen dem Landesamt für Denkmalpflege anschließend als Grundlage für ähnliche Vorhaben in anderen Städten wie Rostock und Schwerin sowie in zahlreichen ländlichen Regionen. Mecklenburg-Vorpommern will damit einen neuen, differenzierten Blick auf die Ostmoderne etablieren und ihre künstlerischen wie städtebaulichen Beiträge dauerhaft sichern.
