Lost Place wird zum Sicherheitsproblem

Hamm. Der ehemalige Wetterschacht Sandbochum in Hamm zieht seit Jahren sogenannte Lost-Place-Jäger an. Der abgelegene Standort an der Kerstheider Straße wirkt wie ein Relikt aus der Bergbauzeit und übt gerade deshalb eine besondere Faszination aus. Doch der Zutritt zu dem verlassenen Gelände ist nicht nur unerlaubt, sondern kann auch gefährlich werden. In sozialen Netzwerken und auf YouTube kursieren Aufnahmen von Besuchern, die den Wetterschacht erkundet haben. Zu sehen sind unter anderem Schlupflöcher im Zaun, technische Einrichtungen, alte Unterlagen und Kaffeetassen. Auch zahlreiche Schmierereien zeugen davon, dass das Gelände wiederholt ungebetenen Besuch erhalten hat.

Besonders brisant: Erst Anfang September rückte die Polizei mit einem größeren Aufgebot an. Fünf Personen waren in der Nähe des Wetterschachts und eines benachbarten Umspannwerks kontrolliert und zur Befragung mitgenommen worden. Hinweise auf eine Manipulation an der Anlage gab es zunächst nicht. Die Polizei prüfte allerdings, ob ein Zugang über den Zaun erfolgt war.

Für die RAG sind die Besuche alles andere als ein Abenteuer. Als Eigentümerin trägt sie Verantwortung für die ehemaligen Bergbauanlagen und muss zugleich verhindern, dass Menschen sich auf dem Gelände in Lebensgefahr bringen. Eine lückenlose Bewachung sämtlicher aufgegebener Standorte sei jedoch nicht möglich. Die RAG appelliert deshalb an die Eigenverantwortung der Besucher.

Wie ernst die Folgen unerlaubter Erkundungen sein können, zeigt ein Fall aus dem Jahr 2023: Am Hammerkopfturm auf Heinrich Robert hatten Unbekannte die historische Fördermaschine ausgeschlachtet und erhebliche Schäden hinterlassen. Das Areal sollte eigentlich Teil eines Besucherzentrums werden. Der Schacht Sandbochum wurde ab 1978 abgeteuft und erreichte 1981 seine Endteufe von 1221 Metern. Nach dem Ende der Kohleförderung auf dem Bergwerk Ost im Jahr 2010 diente er noch kurze Zeit der Bewetterung. Anfang 2013 wurde der Schacht verfüllt.

Heute gehört Sandbochum zu den letzten sichtbaren Relikten des Bergwerks Heinrich Robert. Doch auch diese Spuren werden verschwinden. Nach dem Rückbau des Schachts Lerche soll auch Sandbochum zurückgebaut und das Gelände anschließend wieder begrünt werden. Die RAG rechnet mit einem Abschluss der Arbeiten bis Mitte 2028.

Damit steht der Wetterschacht nicht nur wegen unerlaubter Besucher im Fokus. Er ist zugleich ein Beispiel dafür, wie schnell die letzten baulichen Zeugnisse der Montanindustrie verschwinden. Was heute noch als Lost Place Abenteurer und Fotografen anzieht, könnte in wenigen Jahren vollständig aus dem Landschaftsbild verschwunden sein.

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