Knielingen. Die Zukunft der ehemaligen Garnisonskirche im Karlsruher Stadtteil Knielingen spitzt sich zu. Seit mehr als einem Jahrzehnt steht das denkmalgeschützte Gebäude leer, verfällt zusehends und schreckt potenzielle Käufer ab. Nun fordert die FDP/FW-Fraktion im Gemeinderat einen radikalen Schritt: den Abriss der Kirche.
Das frühere Gotteshaus für US-Soldaten, 1952 in der damaligen Rheinlandkaserne errichtet, wird aktuell für 300.000 Euro auf einem Immobilienportal angeboten. Doch der niedrige Kaufpreis täuscht. Die Kirche ist stark sanierungsbedürftig, mehrfach verwüstet und massiv mit Schadstoffen belastet. Asbest, PCB, PAK, künstliche Mineralfasern sowie Blei durchziehen nahezu die gesamte Bausubstanz. Die Eigentümerin Volkswohnung beziffert die notwendigen Sanierungskosten auf rund 2,5 Millionen Euro – ein Betrag, der bislang jeden ernsthaften Interessenten abgeschreckt hat.
Seit 2012 wird nach einer Nachnutzung gesucht. Zahlreiche Ideen scheiterten, zuletzt platzte Ende 2024 ein Vorhaben, das Gebäude in einen kulturellen Treffpunkt umzuwandeln. Der Käufer sprang ab, die Kirche landete erneut auf dem Markt – und verfällt weiter.
Für die FDP/FW-Fraktion ist nun das Maß voll. Sie spricht von Verwahrlosung und einem Bauwerk ohne Mehrwert für die Bevölkerung. In einem Antrag fordert sie die Volkswohnung auf, beim Denkmalamt einen Abrissantrag zu stellen. Zwar steht die Kirche unter Denkmalschutz, doch aus Sicht der Fraktion ist eine Sanierung wirtschaftlich nicht mehr vertretbar. Stattdessen soll auf dem Areal eine neue Nutzung entstehen, etwa Wohnraum, der in Karlsruhe dringend benötigt wird.
Ob das Denkmalamt einem Abriss zustimmt, ist offen. Bis zu einer Entscheidung bleibt die Garnisonskirche ein Symbol für Stillstand – und für den ungelösten Konflikt zwischen Denkmalschutz, Kostenrealität und Stadtentwicklung.
