Historisches Kreispflegeheim wird abgerissen

Lenggries. In Lenggries im oberbayerischen Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen verschwindet ein Stück Ortsgeschichte: Das ehemalige Kreispflegeheim, dessen Ursprünge auf das Jahr 1860 zurückgehen, wird abgerissen. Die Arbeiten begannen Mitte September. Der westliche Gebäudeteil ist bereits verschwunden. Bis Ende Oktober soll das Gelände vollständig geräumt sein.

Der Abbruch fällt deutlich günstiger aus als zunächst angenommen. Statt der veranschlagten rund eine Million Euro rechnet die Gemeinde mit Kosten von etwa 630.000 Euro. Vor dem Abriss waren das Gebäude entrümpelt, entkernt und auf Schadstoffe untersucht worden. Belastete Baustoffe wurden gesondert entsorgt.

Die Entscheidung für den Abriss war keineswegs unumstritten. Die Lenggrieser Grünen hatten sich für den Erhalt des historischen Krankenhauses und eine Umwandlung in Wohnraum eingesetzt. Eine Bestandsanalyse kam jedoch zu dem Ergebnis, dass Sanierung und Umbau teurer wären als ein vergleichbarer Neubau. Auch energetische Defizite und bauliche Besonderheiten sprechen aus Sicht der Gemeinde gegen eine Weiternutzung.

Was nach dem Abriss auf dem Grundstück entstehen soll, ist bislang nicht entschieden. Denkbar wäre eine Erweiterung des benachbarten Hauses der Senioren oder eine andere Nutzung für Pflegeangebote. Ein kleiner Gebäudeteil mit dem früheren Eingangsbereich soll nach Möglichkeit erhalten bleiben und künftig als Wintergarten dienen. Mit dem Abbruch verschwindet ein historischer Bau, während die konkrete Zukunft des Areals noch ungeklärt ist. Die Kostenersparnis ist für die Gemeinde ein Pluspunkt – die Frage nach dem Umgang mit dem baulichen Erbe bleibt dennoch bestehen.

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