Hamburg. Die ehemalige Lackfabrik im Hamburger Stadtteil Rahlstedt entwickelt sich seit Jahren zu einem ungelösten Problem. Auf dem Gelände an der Wandse steht eine marode Fabrikruine, während der Untergrund mit Schadstoffen belastet ist. In den Gebäuden befindet sich zudem Asbest. Für die Anwohner ist die Situation längst mehr als ein unschöner Anblick. Besonders brisant ist der bauliche Zustand der leer stehenden Gebäude. Wiederholt kam es auf dem Gelände zu Bränden. Ein Feuer im August 2025 setzte die Situation endgültig unter Druck: Die beschädigte Bausubstanz gilt als einsturzgefährdet, zudem gelangte asbesthaltiges Material mit dem Löschwasser in den Boden. Das Bezirksamt ordnete daraufhin den Abriss an.
Die Frage, wer für die Beseitigung der Altlast verantwortlich ist, beschäftigte inzwischen auch die Gerichte. Ehemalige Eigentümer hatten versucht, sich durch die Aufgabe des Grundstücks ihrer Verantwortung zu entziehen. Das Oberverwaltungsgericht stellte jedoch klar, dass sie weiterhin für zentrale Maßnahmen verantwortlich sind – darunter den Abriss, ein Schadstoffgutachten und die Beseitigung des asbestbelasteten Bauschutts. Mit dem Abriss allein ist das Problem allerdings nicht gelöst. Der Boden des ehemaligen Fabrikgeländes muss umfassend saniert werden. Für das Areal existiert bereits ein Konzept, das einen weitgehenden Bodenaustausch und anschließend eine neue Nutzung vorsieht. Geplant sind unter anderem 14 Reihenhäuser sowie Flächen für einen Wanderweg entlang der Wandse.
Die alte Lackfabrik steht damit exemplarisch für ein Problem vieler ehemaliger Industriestandorte: Jahrzehnte nach dem Ende der Produktion bleiben Schadstoffe, marode Gebäude und ungeklärte Eigentumsverhältnisse zurück. In Rahlstedt könnte aus dem gefährlichen Lost Place langfristig ein neues Stück Stadt entstehen – vorausgesetzt, Abriss und Bodensanierung werden konsequent umgesetzt.
